Likör aus dem Privatkeller: Jößnitzer mit eigenem Tropfen

Schon sein Vorfahre Emil Gustav Dünnebier hatte mit Spirituosen Erfolg. Für seinen Likör bekam er 1900 zur Weltausstellung in Paris Gold. Daran knüpft Bernd Gallon an.

Plauen/Jößnitz.

Flaschen über Flaschen zieren die antiken Möbel in einem der Zimmer von Bernd Gallon. Der 68-Jährige führt eine alte Familientradition weiter. Er stellt in einem Kellerraum nach uralten Rezepten Liköre her, die allesamt aus Naturprodukten bestehen.

Ausgehend vom Zwickauer Dünnebierhaus, einem der ältesten Gebäude der Stadt, in dem seit 1885 Likör hergestellt wurde, schildert Gallon, wie sich die Produktion der alkoholischen Getränke entwickelt hat. Gallons Vorfahre Emil Gustav Dünnebier hat den Begriff "Bier" nur in seinem Namen. Er stellte ausschließlich Likör her. Das erforderliche Wissen dafür eignete er sich in Frankreich an. 1885 begann er dann mit der Herstellung von Likören. Sein Prinzip war es von Anfang an, nur natürliche Zutaten zu verwenden. Bereits 1900 erhielt er zur Weltausstellung in Paris die Goldmedaille für seinen "Echt Dünnebiers Aromatique Feinster Magen Liqueur 40 %". Im selben Jahr bekam auch die Plauener Spitze die Goldmedaille auf der Weltausstellung.

Vor etwa zehn Jahren kramte Gallon die uralten Rezepturen aus und begann allmählich mit der Likörherstellung. Er erwarb die Lizenz zur Herstellung und den Vertrieb, nicht aber für's Brennen. Sein kleiner Betrieb werde streng kontrolliert von Lebensmittelüberwachung und Hauptzollamt. Er erzählte, dass er nur Essenzen und Alkohol kauft, Kräuter und Blütenblätter kommen direkt aus der Natur. Aus der gleichnamigen französischen Rose stellt er beispielsweise den Likör "Baccara" her. Auf Messen und Ausstellungen lässt er die Kunden auch mal kosten. Seine Erzeugnisse verkauft er an Gaststätten und Privatpersonen.

Wie und warum er das macht, wollte am Dienstag die sächsische Landtagsabgeordnete der Linken, Luise Neuhaus-Wartberg, bei einem Besuch in Jößnitz ganz genau wissen. Sie ist im Landtag für das kleine Handwerk und den Tourismus zuständig. Die 38-Jährige ließ sich alles über die Geschichte des Unternehmens, die Qualität der Erzeugnisse, den Vertrieb und die Präsentation erzählen. Die Politikerin reist derzeit durch ganz Sachsen, um zu erfahren, wie in kleinen Betrieben Schnäpse und Liköre hergestellt werden. 22 Unternehmen stehen auf ihrer Liste, der 17. war der Ein-Mann-Betrieb des Jößnitzers Bernd Gallon.

Die Landtagsabgeordnete begründete ihr Interesse für die Likörherstellung so: "Ich hatte eine Großmutter, die aus einer Brauerei in Markranstädt stammt. Sie hat mir oft vom Brauereiwesen erzählt, und irgendwie hat mich das sehr beeindruckt. Deshalb bin ich in diesem Sommer auf Entdeckung der Likörherstellung in kleinen Privatbetrieben gegangen."

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