Lochbauer-Wirt wegen Äußerungen in der Kritik

Nach AfD-Werbung per Speisekarte nun Online-Hetze: Marcel Poser hat erneut für Empörung gesorgt. Kann die Stadt noch guten Gewissens mit der Lokal-Perle werben?

Plauen.

Ein gutes Jahr liegt die Entrüstungswelle bei Plauenern zurück, als Lochbauer-Chef Marcel Poser auf einer Speisekarte für die Partei Alternative für Deutschland (AfD) warb. Vor Kurzem hat er erneut einen Shitstorm im sozialen Online-Netzwerk Facebook entfesselt. Der Grund: ein Kommentar des Unternehmers gegenüber einer Krankenkasse.

Auf dem Facebook-Profil der Gaststätte war ein Werbe-Bild dieser Kasse zu sehen. Dazu hieß es, sie presse Unternehmer zugunsten von Geld für "Wirtschaftsflüchtlinge" aus, sie sei "flüchtlingsverseucht". Die Folge: viele wütende Kommentare anderer Facebook-Nutzer. Poser sagte "Freie Presse", er habe sich beim Schreiben des Kommentars Luft gemacht: Er sei wütend gewesen über ein angedrohtes Strafverfahren durch die Kasse, da er als Unternehmer mit einer Zahlung im Verzug gewesen sei. Inzwischen hat Facebook das Profil blockiert, wie er sagt: "30 Tage lang wegen einer Äußerung, die jemandem nicht gefällt."

So rigoros wie Facebook sollte auch das Rathaus vorgehen - und die Gaststätte von der Homepage nehmen, wünscht sich Claudia Hänsel, Linke-Fraktionschefin im Stadtrat. Denn die Kommune wirbt online mit Wanderwegen und Ausflugszielen - wie dem idyllisch gelegenen Lochbauer, den Poser 1999 von der Stadt kaufte. Hänsel sagt: "Der Wirt hat mit seinem Kommentar den Bogen viel zu weit gespannt." Mit seiner Botschaft rücke er Plauen erneut in die rechte Ecke. Meinungsfreiheit hin oder her: Solche Äußerungen könne er sich für den privaten Kreis aufheben, meint Hänsel.

Ganz so drastisch sehen es nicht alle Stadtpolitiker. Den Lochbauer einfach vom Online-Auftritt zu nehmen sei keine Lösung, findet SPD/Grüne-Fraktionssprecher Benjamin Zabel. Doch auch für ihn überschreitet das Posting eine Grenze: "Das bewegt sich klar in einem menschenverachtenden Bereich." Die Fraktion verurteile das. Es sei schade, dass die beliebte Gaststätte in Verruf gerate. "Wir müssen uns mit der Stadtverwaltung und mit Herrn Poser zusammensetzen", verlangt Zabel. Die Frage sei, ob sich dieser Wirt eigne, eine für Plauen bedeutsame Gaststätte zu betreiben.

Werbung für die AfD - damit kann der Vorsitzende der CDU im Plauener Stadtrat, Jörg Schmidt, gerade noch leben: "Wenn Poser als Unternehmer Werbung für die AfD macht, muss man das akzeptieren." Schmidt hält Meinungsfreiheit für ein hohes Gut - es sei denn, eine Meinung ist verletzend. Angesichts der jüngsten Online-Ereignisse werde es problematisch, wenn die Stadt den Lochbauer bewirbt. "Das ist zu hinterfragen", meint Schmidt.

Solange auf dem Online-Auftritt nur fürs Lokal geworben wird und nicht für Poser selbst, sieht Sven Gerbeth dagegen kein Problem. Der FDP-Fraktionsvorsitzende betont: "Jeder muss selbst entscheiden, ob er den Lochbauer besuchen will." Ähnlich sieht es Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP): "In Deutschland ist die Meinungsfreiheit ein Grundrecht, das für jeden gilt", erklärt er. Egal ob die Meinung gefalle oder nicht. Jeder solle selbst über Posers Äußerungen urteilen. Zur Frage, ob die Stadt den Lochbauer weiterhin werbend erwähnen wird, äußerte Oberdorfer sich nicht.


Kommentar: Nicht zutrennen

Was ein Unternehmer im Zusammenhang mit seiner Firma verbreitet, ob per Homepage, Flugblatt, Speisekarte oder Facebook, das bleibt haften. Sowohl am Betrieb als auch am Chef. Doch es ist ein Unterschied zwischen einer offen zur Schau getragenen politischen Einstellung, die nicht jedem schmeckt - und wütender Hetze. Facebook hat das Posting zu Recht geblockt. Ganz klar: Jeder entscheidet selbst, wo er sein Bier trinken und sein Schnitzel essen möchte. Doch mit der Zeche auch für Hass zahlen? Das liegt schwer im Magen. Werden Touristen im wunderschön gelegenen Gasthof zu Kaffee und Kuchen solch aggressive Reden serviert, kommen wohl nur Gleichgesinnte wieder. Die anderen tragen ihren negativen Eindruck weiter. Damit bleibt das Hass-Posting, ob gesperrt oder nicht, auch an Plauen kleben.

Bewertung des Artikels: Ø 2.3 Sterne bei 3 Bewertungen
4Kommentare
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  • 3
    1
    Tauchsieder
    18.08.2018

    Man muss dies völlig anders sehen "ral.....". Als Linker bist du geradezu gezwungen so zu reagieren.

  • 6
    1
    ralf66
    17.08.2018

    @kgruenler, weswegen gehen Sie in ein Wirtshaus, gehen Sie dort hin weil Ihnen das Essen schmeckt, oder wollen Sie sich mit dem Wirt politisch streiten? Das Wirtshaus zu meiden, nur weil Ihnen die politische Ansicht des Wirtes nicht gefällt, obwohl Sie bisher immer mit seiner gastronomischen Leistung sehr zufrieden waren und obwohl Sie sich bestimmt noch nicht einmal mit Ihm über seine politische Meinungen unterhalten haben, also gar nicht wissen was er denkt, ist weder demokratisch noch fair!

  • 6
    3
    ralf66
    17.08.2018

    Ja, dass man sich seitens der Altparteien in Plauen hier in der Freien Presse über den AfD sympatisierenden Gastwirt ausheult, zeugt nicht von 100% Akzeptanz für die, die politisch anders denken!

  • 5
    14
    kgruenler
    04.08.2018

    Schade um die schöne Lokalität. Früher sind wir gerne dorthin gegangen, aber unter diesen negativen Vorraussetzungen kann man nur noch einen großen Bogen um den Lochbauer machen.



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