Lücke voller Tücke: Rollator-Fahrerin in Nöten

Die Straßenbahn-Endhaltestelle Südvorstadt hat es in sich. Gehbehinderte sind auf Hilfe angewiesen. Die Fahrer müssen ran.

Plauen.

Die mitten in einer Kurve liegende Straßenbahn-Endhaltestelle in der Südvorstadt ist und bleibt für gehbehinderte Menschen eine Hürde. Davon kann die Plauenerin Christel Wondres ein Lied singen. Die 75-Jährige ist auf ihren Rollator angewiesen und kann ohnehin lediglich die modernen Niederflurwagen nutzen. Doch der Abstand zwischen Tür und Bordstein ist in jener Wendeschleife deutlich größer als an geraden Streckenabschnitten.

Jetzt war es wieder einmal soweit. Mit ihren Einkäufen fuhr sie 15.34 Uhr vom Tunnel in Richtung Südvorstadt. Den Ausstieg mit dem Schritt über die Lücke traute sich die 1,60 Meter kleine Frau mitsamt ihrem beladenen Rollator nicht allein zu. Sie klopfte beim Straßenbahnfahrer an der Fahrertür und bat um Hilfe. Der Fahrer reagierte genervt: "Ich bin doch kein Krankenfahrer." Sie solle Fahrgäste um Hilfe bitten.

Letztlich war der Fahrer Christel Wondres doch behilflich, aber der Stachel sitzt tief. Es sei wahrlich kein Vergnügen, auf Hilfe angewiesen zu sein, erzählt die 75-Jährige aufgewühlt am Lesertelefon der "Freien Presse". "Ich fühle mich gedemütigt." Und weiter: "Einige Straßenbahnfahrer sind nett, manche aber nicht." Hingegen erlebe sie bei Fahrgästen immer wieder große Hilfsbereitschaft. "Viele helfen, besonders junge Männer", schildert Christel Wondres ihre Erfahrungen und fügt an: "Auch die Ausländer."

Hartmuth Förster von der Plauener Straßenbahn GmbH (PSB) bestätigt nach Rücksprache mit dem Fahrer den Vorfall. Die Seniorin fordere öfters Hilfe ein und untermauere das auch durch lautes Klopfen an der Fahrertür. Der Fahrer habe ihr letztlich geholfen. Sein Hinweis, Hilfe von Fahrgästen in Anspruch zu nehmen, sei durchaus üblich und sinnvoll, da es nette und hilfsbereite Fahrgäste gibt, erklärt Hartmuth Förster. Zugleich räumt er einen Fehler des Fahrers ein: "Dass ihm die Bemerkung ,Ich bin doch kein Krankenfahrer' herausgerutscht ist, tut ihm leid." Den PSB-Verantwortlichen ist an einem vernünftigen Umgang gelegen. Deshalb will Hartmuth Förster die Rollator-Fahrerin zum Gespräch einladen.

Christel Wondres zeigt sich nicht abgeneigt. Und da dürfte es einiges zu besprechen geben. Förster nennt einen PSB-Grundsatz: "Die Straßenbahnfahrer sind generell angehalten, sich partnerschaftlich zu verhalten." Sie sollen höflich, rücksichtsvoll und besonnen auftreten. Dazu gehört auch die Betätigung der Klapprampe für Rollstuhlfahrer bei den neuen Bahnen, während sie bei den alten Bahnen Müttern mit Kinderwagen beim Ein- und Ausstieg helfen sollen, wenn sonst niemand bereit steht. Rollator-Fahrer benötigen im Regelfall keine Hilfe, da sie beim Ein- und Ausstieg geübt sind, sagt er. Und: Viele Verkehrsbetriebe empfehlen den Einstieg vorwärts und den Ausstieg rückwärts.

Christel Wondres wiederum sagt: "Ich komme trotz Rollator fast überall zurecht. Nur eben nicht an der Endhaltestelle Südvorstadt."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...