"Lügen zerstören Vertrauen nachhaltig"

Wahlen 2019 Pöhler Bürgermeisterin Daniele Hommel-Kreißl über ihre Kandidatur und die Debatte um ein Gewerbegebiet

Vom Hochwasser über das Dauerthema FKK-Zufahrt bis zur hitzigen Misstrauens-Debatte: Daniela Hommel-Kreißl (48) hat in der ersten Amtszeit so einiges erlebt. Warum sie nach der Bürgermeisterwahl am 1. September weitermachen will, verriet sie Elsa Middeke.

Freie Presse: Frau Hommel-Kreißl, Sie würden gern weitere sieben Jahre als Bürgermeisterin dranhängen. Welche Erfolgserlebnisse ermutigen Sie dazu?

Daniela Hommel-Kreißl: Ich habe sehr gute Kontakte zu Verantwortlichen in übergeordneten Behörden aufbauen können, sodass es gelang, vergleichsweise viele Projekte und Fördermittel in die Gemeinde zu holen. Es gibt ein gutes Miteinander mit meinen Amtskollegen und dem Landrat. In Pöhl gibt es sehr viele engagierte Ehrenamtliche, sodass ich auf breite Unterstützung setzen konnte: zum Beispiel bei der Flüchtlingsintegration oder bei Jahrfeiern.

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten: kein Seniorenheim, Misstrauen wegen eines Gewerbegebiets in Herlasgrün - wo lagen Tiefpunkte?

Die größte Herausforderung waren die Starkregenereignisse und das Elster-Hochwasser im Mai 2013. Die Schäden an der Infrastruktur waren punktuell enorm. Insgesamt haben wir neun Aufbau-Maßnahmen realisiert und 962.290,85 Euro in die Infrastruktur investiert. Das Seniorenwohn- und Pflegeheim in Jocketa hätte ich gerne gehabt, um alten Menschen in unserer Gemeinde einen Wegzug zu ersparen. Auch ein Gewerbegebiet, in dem unsere Menschen arbeiten könnten und das Steuereinnahmen verspricht, wäre gut. Herlasgrün wäre dafür der geeignetste Standort, da er einen Gleisanschluss hat, nah an der Autobahn liegt und der Schwerlastverkehr nicht durchs Dorf fahren müsste. Schade, dass die Einwohner vom politischen Gegner mit gezielten Lügen - wie der, dass eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden könnte - in Angst und Schrecken versetzt wurden. Ich habe lernen müssen, dass solche Lügen Vertrauen nachhaltig zerstören.

Seit der Gewerbegebiets-Debatte werfen einige Bürger Ihnen mangelnde Infos und fehlende Transparenz vor.

Das sind politische Machtspielchen - wie sie im Vorfeld einer Bürgermeisterwahl vielleicht auch normal sind. Ich versuche seit Beginn meiner Amtszeit - trotz des Ehrenamtes - alle Einladungen von Vereinen wahr- und an Versammlungen, Veranstaltungen teilzunehmen, beantworte Bürgeranfragen kurzfristig, fahre bei auftretenden Problemen zu den Menschen vor Ort, bin viel in den Dörfern unterwegs. Meine Informationen während der Gemeinderatssitzungen und im Pöhler Blättl sind umfangreich. Termine für Bürgergespräche werden kurzfristig vergeben.

In Liebau hat sich einiges getan: Stahlskelett für die Ruine, neuer Parkplatz, angepeilter Kulturbahnhof, und der "Kulturweg der Vögte" soll im Herbst durchstarten. Ende der Fahnenstange?

Nein! Das waren alles Schritte in die richtige Richtung. Wir haben in Liebau ein kulturhistorisch wertvolles Ensemble, das wir touristisch bislang nicht optimal vermarkten. Der Mittelalter- und Kulturtourismus, der deutschlandweit ausgeprägt ist, soll verstärkt nach Pöhl kommen.

Wo muss in Sachen Fremdenverkehr und Freizeit an der Talsperre dringend eine Schippe drauf?

Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet, Fauna-Flora-Habitat-Gebiet - bei der Entwicklung des Tourismus sind in Pöhl viele Punkte des Naturschutzes zu berücksichtigen. Abgesehen vom fehlenden Geld sind Planung und Realisierung von Maßnahmen deshalb nicht so einfach möglich wie etwa an der Talsperre Zeulenroda. Aus den Stellungnahmen der Landesdirektion wissen wir, dass sich einige Wünsche - zum Beispiel ein Hotel direkt am Wasser - nicht erfüllen werden. Doch nun freuen wir uns, dass wir zum Beispiel endlich auf der Schlosshalbinsel in Kürze Baurecht für eine zeitgemäße Ferienanlage haben werden.

Welches Projekt braucht am ehesten Feuer unterm Allerwertesten: der Ferienpark auf der Schlosshalbinsel oder die Zufahrt zum FKK-Strand?

Die Zufahrt zum FKK-Strand stellt uns aufgrund ihrer Länge vor große Probleme. Als ich ins Amt kam, waren fast 90 Prozent der Gemeindestraßen in sanierungsbedürftigem Zustand - darunter fast alle Zufahrten zu den Tourismusanlagen, aber auch die Straßen, an denen die meisten Einwohner Pöhls wohnen. Es ist mir gelungen, den Großteil der begrenzten Gemeindemittel mit Fördergeld zu veredeln. Einiges haben wir in Angriff nehmen und/oder abarbeiten können. Doch es bleibt an unserem extrem langen Straßennetz sehr viel zu tun.

Welche Themen kämen im Fall Ihrer Wiederwahl mit: Verschönerung des Pöhler Tores, mehr Straßensanierungen, Fusion mit einer anderen Gemeinde?

Ich kann keine Vorteile erkennen, die die Fusion Pöhls mit einer anderen Kommune aktuell hätte. Die Schlüsselzuweisungen des Landes sind einwohnerbezogen. Mehr Geld gäbe es also nicht. Die Instandsetzung von Straßen wird ein wichtiges Thema bleiben, ebenso der Radwegebau, die Ausstattung unserer Freiwilligen Feuerwehren, die Erweiterung der Kapazität der Kindertagesstätte, die Erhaltung sowie Digitalisierung unserer Grundschule, die Ansiedlung von Gewerbe und die Schaffung von Möglichkeiten zur Wohnbebauung. Touristisch müssen wir unser Potenzial besser ausschöpfen. Eine Verbesserung der Infrastruktur ist wünschenswert. Am Ortseingang von Jocketa sind die 1996 zum Gelände Bühne Pöhl geschlossenen Verträge hinderlich für die Entwicklung. Hier müssen Gespräche geführt werden.

Was wären bei einer Wiederwahl die Top 3 Ihrer Vorhaben?

Ich habe eine Top 4 - die sich ergibt aus den Pflichtaufgaben einer jeden Kommune: Kita, Schule, Feuerwehr, Straßenbau.


Zur Person

Daniela Hommel-Kreißl ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Im Juni 2012 wurde sie in der Gemeinde mit 2650 Einwohnern und zwölf Ortsteilen zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin gewählt. Mit knapp 66 Prozent der Stimmen setzte sich die Neueinsteigerin (FDP) bei der Wahl gegen den langjährigen Amtsinhaber Friedhard Kaul (parteilos) durch. (em)

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