Malzhaus: Zeitreise in DDR-Folkszene

Eine der Wiegen des ostdeutschen Folks stand in Plauen. Buchautor und Zeitzeuge Wolfgang Leyn ließ nun Erinnerungen an einen Club aufleben, der weit übers Vogtland hinaus hohe Wellen schlug.

Plauen.

"Lustig, lustig, ihr lieben Brüder", hallte es am Freitagabend durchs Kellergewölbe des Malzhauses. Das Lied galt als Hymne der frühen Jahre der DDR-Folkszene. Wolfgang Leyn sang es mit der Plauener Folkband Landluper als Schlusspunkt einer Veranstaltung, die nicht zufällig im Programmheft des 25. Plauener Folkherbstes zu finden ist.

Der Gast aus Leipzig stellte das im Juni erschienene Buch "Volkes Lied und Vater Staat" vor. Es beleuchtet die DDR-Folkszene von 1976 bis zum politischen Umbruch 1990. Der Online-Redakteur vom Sender MDR-Kultur war selbst Mitglied der 1976 in Leipzig gegründeten Formation Folkländer. Damals entstand die Folkszene in Abgrenzung zu der von der Sozialistischen Einheitspartei gesteuerten Singebewegung. Die studentisch geprägte Szene war ein Sammelbecken unangepasster Jugendlicher. In ihr war der 1973 in Plauen gegründete Club Malzhaus einen fester Begriff. Neben den Hochburgen in Berlin, Halle und Leipzig zählte er zu den Wiegen der ostdeutschen Folkbewegung. In der Spitzenstadt steckten sich viele Musiker mit dem Folk-Virus erst an, weiß der Augen- und Ohrenzeuge. Etliche Plauener waren Mitorganisatoren und Stammgäste der Folkwerkstätten in Leipzig. Club-Mitbegründer Jürgen B. Wolff prägt noch heute das Folkfestival in Rudolstadt.

Ein kleiner Kreis Interessierter erlebte mit Leyn einen authentischen Abend mit vielen lebendigen Erinnerungen. Es war die Zeit, als Marktsackpfeifen, Brummtöpfe und Drehleiern in der real existierenden Mangelgesellschaft selbst gebaut werden mussten.

Die Schließung des Treffs 1982 habe auch außerhalb des Vogtlandes Wellen geschlagen, weiß der Autor. "Das hat die Szene betroffen gemacht." Leyn erinnerte daran, dass es zwei Protestlieder der Bands Notentritt und Folkländer sogar in eine Radiosendung von DDR II geschafft haben. Folkbands wurden damals gefördert und gleichzeitig bevormundet. Für öffentliche Auftritte brauchte man eine Spielerlaubnis - im Volksmund "Pappe" genannt. Wer politisch aneckte, musste mit Auftrittsverbot rechnen.

Die Folksänger im Osten griffen gern auf derbe aufmüpfige Lieder aus der Sammlung "Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten" von Wolfgang Steinitz zurück. Im Osten wurden sie zu "Liedern mit doppeltem Boden". So konnten politische Tabus wie mangelnde Reisefreiheit versteckt zum Ausdruck gebracht werden.

Fortsetzung des Folkherbstes am Freitag, 20 Uhr, in der Kellerbühne des Malzhauses mit den Norwegern Elin Kaven & Band.

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