Mario Goldstein vollendet Wanderung am Grünen Band

Der Plauener Abenteurer hat in 47 Tagen knapp 600 Kilometer zu Fuß entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zurück- gelegt. Nicht nur für ihn ist der Kolonnenweg mit Erinnerungen verbunden.

Grobau/Ebmath.

Den Wanderstock in der Hand, den Regenumhang wieder verstaut, mit schmerzenden Füßen, aber breitem Lächeln hat Mario Goldstein am Samstagnachmittag die letzte Etappe seiner Wanderung auf dem Grünen Band Deutschland zu Ende gebracht. "Ich habe mich noch nie so auf Ebmath gefreut", sagte der Abenteurer aus Plauen grinsend bei seiner Ankunft. Auf ihn, Tochter Yoko und weit über 100 Wandersleute, die ihn seit dem Morgen auf dem 35 Kilometer langen Abschnitt vom Drei-Freistaaten-Stein bei Grobau - oder auf Teil- stücken - begleitet hatten, warteten dank Feuerwehr eine trockene Scheune, Musik und Verpflegung.

Der Thüringer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) war es, der Goldstein 2016 als Botschafter für das Grüne Band losschickte: 768 Kilometer entlang des Kolonnenweges. Am 4. Juli dieses Jahres machte sich der Abenteurer in Sachsen-Anhalt wieder auf Tour, mit 22 Kilogramm Gepäck, Hund Sunny und dem Ziel vor Augen: der Ostsee. Von den insgesamt fast 1400 Kilometern ehemaliger Grenze seien die letzten 25 Kilometer zur Tortur geworden: wegen der eigentümlichen Mischung aus Ankommen-Wollen und Weiterwandern-Wollen. Die Hitze aber habe er geliebt, den Regen am Samstag fand er passend, erzählte Goldstein beim Wandern. Denn nicht nur beim Start 2016 in Thüringen, auch damals, als 14-Jähriger, als er bei Posseck an die Grenze robbte und den Signaldraht auslöste, habe es geregnet. "Vielleicht haben sie mich deswegen nicht erwischt." Aufgrund seines späteren, missglückten Versuchs der Republikflucht ist der Kolonnenweg, wo früher Grenzsoldaten der DDR patrouillierten, auch heute noch mehr für ihn als ein Plattenweg, den sich die Natur zurückholt. Er traf viele Zeitzeugen, denen es ähnlich geht.

Einer ist sein ehemaliger Mathelehrer Gunter Eichhorn aus Pabstleithen, der am Samstag mitlief. Regelmäßig führt er Gäste an der Grenze entlang, weiß genau, wo Zäune verliefen, wo ein Fluchtversuch scheiterte und wo halbe Orte verschwanden - weil sie zu nah an der Grenze waren. "Wir konnten es nicht ändern. Aber heute geht es uns gut, das ist die Hauptsache."

Dass der Weg immer mehr Wanderer anzieht, bestätigte Ilona Groß, Bürgermeisterin der Gemeinde Triebel. "Ab und zu rufen sie im Rathaus an und suchen Zimmer. Dann organisieren wir ein Notquartier im Dorf." Kämen mehr Besucher, würde dass das Gastgewerbe bestimmt ankurbeln. "Die gesamte Natur ist so schön hier", sagte sie beim Aufstieg kurz nach Posseck - links geht der Blick zurück ins Dorf, rechts bei guter Sicht bis zum Fichtelgebirge. Dieser Abschnitt ist die "Hausstrecke" von Rudolf Schwab, Vorsitzender des Heimatvereins Posseck, und seiner Frau. Sie kennen die Stellen, wo zur richtigen Jahreszeit Ginster, Arnika und Lupinen blühen.

Voll des Lobes für die Natur entlang des Weges war auch Karin Kowol von der Landesgeschäftsstelle des BUND: "In Sachsen kann man schön sehen, wie es hier mal war, weil das Grüne Band frühzeitig unter Schutz gestellt wurde." Das zeige sich an Feuchtbiotopen, Heide- und Graslandschaften entlang der sächsischen Grenze, die wichtige Lebensräume für Insekten und Vögel bilden. Zum Beispiel für den Goldenen Scheckenfalter, den es in Sachsen nur hier zu finden gibt, ergänzte Thomas Findeis, Sachbearbeiter des Vogtlandkreises für Schutzgebiete. Den gesamten deutschen Grenz- abschnitt als Nationales Natur- monument zu schützen: Das ist das langfristige Ziel des BUND.

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