Mauer und Ulbricht wieder da: Narren behandeln ernstes Thema

Eigentlich hatte "niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten". Dann stand sie doch - von 1961 bis 1989. Davon handelt ein getanztes Stück vom Nachwuchs des DCC in Weischlitz. Was Sachsens Landesvater damit zu tun hat.

Weischlitz.

Das Thema Mauer ist nicht wirklich lustig. Dennoch nimmt sich dessen der Weischlitzer Faschingsverein DCC jetzt an. Von der Idee bis zur Realisierung dauerte es ein wenig, denn nicht alle hätten Jens Gruchots Vorschlag begrüßt, erzählt er. "Aber ich habe mich durchgesetzt", freut sich Gruchot. Er ist Vizepräsident des Dorf Carnevalisten Clubs. Ihm liegen besonders die Kinder und Jugendlichen am Herzen, die er gemeinsam mit Steffi Ehrhardt für den "Mauer"-Schautanz trainiert und immer neu motiviert.

Der Tanz sei nämlich gar nicht so einfach gestrickt, berichtet Alwin Fritzsche aus Kürbitz. Der 13-Jährige tanzt schon ein paar Jahre im DCC. Diesmal stellt er zum Beispiel David Hasselhoff dar. Der Amerikaner ("I've been locking for freedom") soll ja angeblich mit seinem Gesang die Mauer zum Einsturz gebracht haben. Neben Alwin macht auch Sebastian Reuter (12) als Walter Ulbricht in dem 35-Personen-Ensemble eine tolle Figur auf der Bühne.

"Ich finde es wichtig, Geschichte aufzuarbeiten und diese nachfolgenden Generationen zu übermitteln", sagt Stücke-Schreiber Gruchot. Politik aufs Korn zu nehmen sei gang und gebe beim Karneval, aber hier gehe es um die Gratwanderung. "30 Jahre Mauerfall sind ein trauriges und freudiges Jubiläum zugleich." Gruchot schätzt sich als Perfektionist ein. Bevor der Fasching beginnt, nimmt er extra zwei Wochen lang Urlaub. Denn die Weischlitzer Turnhalle an der Thossener Straße will für ihre 1500 Gäste (verteilt auf drei Veranstaltungen) vorbereitet und geschmückt werden. Die Technik muss funktionieren, das Licht und der Ton vor allem.

"Das erfordert schon eine gewisse Verrücktheit", gibt auch Jens Heinritz zu. Er sitzt im Elferrat und moderiert die Faschingsveranstaltungen mit DCC-Präsident Bernd Hauffe. "Bei mir kommt fast alles aus dem Bauch heraus", so Heinritz. Er sei ein Gefühlsmensch. Bei den "Mauer"-Proben verdrückt er dann auch die eine oder andere Träne. "Allein die Musik ist dermaßen emotional, da bekommt man eine Gänsehaut", erklärt er. Ganz nebenbei gibt's bei dem 16-Minuten-Tanz jede Menge bekannte Musik zu hören.

Jens Heinritz will sich übrigens "ganz oben" für einen Tag schulfrei nach der anstrengenden Faschingsfeierei einsetzen. Am Freitag ist er im Dresdener Landtag: "Da werde ich Ministerpräsident Michael Kretschmer bitten, dass unsere jungen Tänzer am Aschermittwoch offiziell frei bekommen." Es gehe schließlich um Brauchtumspflege.

Mit dem Weiberfasching beginnt am Donnerstag, 20. Februar, 20 Uhr, die Faschingssaison des DCC. Am Samstag darauf folgt zur gleichen Zeit der Karnevalsabend. Einen Tag später sind die Narren beim Umzug in Plauen, und am 29. Februar folgt das Elster-Spektakel mit Teilnehmern aus 30 Vereinen.


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