Mehr als ein Freund: Wie ein Hund einem kranken Jungen hilft

Felix Hartmann aus Pausa ist an Diabetes erkrankt. Um ihm und der Familie das Leben mit der Krankheit zu erleichtern, wird derzeit Hündin Bessy für ihn ausgebildet. Einfach ist das alles allerdings nicht.

Pausa.

"Sitz. Komm mit, Bessy" - Ruhig und bedacht schaut der siebenjährige Felix abwechselnd die kleine Hündin und deren Trainerin Susanne Wagner-Belter, Inhaberin der Hundeschule Wolfstein in Selbitz, an. Schon in der Trainingshalle wird sichtbar, dass der Erstklässler aus Pausa keinen Fehler in der Ausbildung seiner neuen Freundin machen möchte. Ende September soll die jetzt drei Monate junge Hündin bei Hartmanns in Pausa einziehen. Bis dahin müssen Felix und Mutti Sandy einmal pro Woche nach Selbitz fahren, um zu trainieren und den Einzug vorzubereiten.

"Bessy ist seit zwei Wochen bei mir in der Ausbildung und muss schon frühzeitig lernen, dass sie kein klassischer Familienhund, sondern ein Arbeitshund wird", erklärt Susanne Wagner-Belter. Seit einigen Jahren bildet die Selbitzerin Hunde für den Verein Mein Assistenzhund aus, den es seit 2012 gibt. Neben Therapiehunden, mit denen die 25 aktiven Mitglieder in Seniorenheime der Region gehen, werden Diabetiker- und Epilepsie-Warnhunde ausgebildet. Die erste war Labradorhündin Lucy, die seit 2015 ihrem an Diabetes erkrankten Frauchen in Coburg zur Seite steht. "Lucy weiß, wo das Notfall-Set für Frauchen zu finden ist, kann den Notfallknopf drücken und die Haustüre aufmachen", erklärt Vereinsvorsitzender Christoph Bahlmann.

Als bei Felix die Krankheit diagnostiziert wurde, war er zwei Jahre alt, erzählt Mutter Sandy. Seitdem musste gespritzt werden. Vor vier Jahren wurde auf eine pumpengesteuerte Insulinabgabe umgestellt. Und genau diese Pumpe muss demnächst im Krankenhaus gewechselt werden. "Das Gerät sorgt dafür, dass der Insulinspiegel ständig einigermaßen passt. Trotzdem muss immer gerechnet und gemessen werden", so Hartmann. Als zusätzliche Sicherheit und auch zur Entlastung der Familie haben sich Hartmanns für den Diabetiker-Warnhund entschieden.

"Wir haben den Aufruf in der "Freien Presse" gelesen und uns sofort beworben. Erst kam eine Absage und dann die Zusage", freut sich die zweifache Mutter. Auch sie ist natürlich bei Bessys Ausbildung in den kommenden Monaten verstärkt mit gefragt. "Es kann sein, dass Bessy Felix nicht immer akzeptieren will. Der kleine Mini Aussie hat schon Pfeffer und will es manchmal wissen. Da müssen Sie dann einschreiten, Felix helfen und den Hund Grenzen setzen", mahnt die Trainerin. Jeder noch so kleine Erziehungsfehler muss sofort korrigiert werden.

Etwa zwei Jahre lang dauert die Ausbildung dieser Warnhunde und kostet zwischen 5000 und 10.000 Euro. "Der Verein übernimmt davon einen großen Teil der Kosten, vor allem aber die Assistenzhunde spezifische Ausbildung", so Bahlmann. Danach soll der Hund nicht nur die Unterzuckerung seines erkrankten Herrchens oder Frauchens riechen, sondern im Ernstfall auch in der Lage sein, selbstständig Hilfe zu holen, wenn der Mensch dies nicht mehr kann.

Auch Bessy muss nun lernen, die Tür aufzumachen, das Blutzuckermessgerät zu holen, einen Hilfeknopf zu drücken und vieles mehr. Die Arbeit mit einem Diabetiker-Warnhund erfordert viel Disziplin vom Hund wie auch dem Halter und der Familie", weiß Bahlmann. Deshalb gebe es im Vorfeld auch ein strenges Auswahlverfahren, was die Pausaer bestanden haben.

Vorerst muss Bessy nun den Grundgehorsam und dann die Unterzuckerung ihres Herrchens riechen lernen. "Hunde können das im Unterschied zum Menschen fünf bis zehn Minuten früher riechen, bevor der Zustand eintritt", erklärt Bahlmann. Der Kranke selbst bemerkt es oft zu spät oder gar nicht und fällt einfach um. Gut, wenn dann ein vierbeiniger Helfer zur Seite steht, falls einmal kein anderer Mensch in der Nähe ist. Auch Mutti Sandy wird sich freuen, wenn Bessy vor allem in der Nacht gut auf Felix aufpasst und im Ernstfall eine Unterzuckerung anzeigt. Dann kann die Pausaerin vielleicht auch einmal wieder ruhiger durchschlafen, ohne nachts immer messen und kontrollieren zu müssen. Bis zu dreimal pro Nacht muss Sandy Hartmann jetzt aufstehen.

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