Messerstecherei: Hintergründe unklar, Kripo vernimmt Opfer

Der Polizeischutz für den lebensbedrohlich Verletzten ist aufgehoben. Die Kripo muss klären: Welche Rolle spielte der Ukrainer?

Plauen.

Eine Woche nach der Messerstecherei am 8. Oktober in der Plauener Innenstadt gibt es jetzt positive Nachrichten: Der lebensbedrohlich verletzte 18-jährige Ukrainer ist wieder auf den Beinen und konnte das Helios Vogtland-Klinikum am Dienstagvormittag verlassen. Damit ist auch der Polizeischutz für ihn hinfällig. Die auf dem Klinikum-Gelände stationierten Fahrzeuge und Beamten wurden abgezogen.

"Der Ukrainer wird gerade bei der Kripo als Zeuge vernommen", sagte Rudi Hüller, Leiter der Außenstelle der Kriminalpolizei in Plauen, auf Anfrage der "Freien Presse". "Er hat wirklich Glück gehabt", meinte der Kripo-Chef angesichts der Schwere der Verletzung und der Umstände. Denn nach dem tiefen Stich bis in die Lunge des 18-Jährigen haben die Ersthelfer umsichtig gehandelt. Der Ukrainer wurde mit Messer im Rücken ins Klinikum gebracht und dort gerettet, "dank der ärztlichen Kunst", wie Rudi Hüller betont.

Doch die näheren Umstände des Streits, der sich am Mittag des 8. Oktober am Wendedenkmal ereignet hatte, sind noch immer unklar. Zwei Gruppen von Migranten gerieten dort aneinander. Nach Polizeiangaben hat ein 20-jähriger Afghane einen 19-jährigen Syrer mit einem Messer verletzt. Der Syrer wiederum attackierte den Afghanen. Der Ukrainer, so stellt sich der Fall bisher dar, wollte dazwischen gehen und wurde vom Afghanen mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt. Gegen den Afghanen wird wegen versuchten Totschlags ermittelt, er sitzt in Haft. Der Syrer muss sich wegen Körperverletzung verantworten.

Doch welche Rolle spielte der Ukrainer? War er nur zur falschen Zeit am falschen Ort und geriet zwischen die Fronten? Oder ging es um etwas anderes? Vielleicht um Frauen? Vielleicht Drogen? Drogen, sagt Rudi Hüller, sind in Plauen immer ein mögliches Motiv. Doch vielen Migranten sei auch die "mitteleuropäische Praxis, Konflikte zu lösen, fremd". Der aufwendige und inzwischen aufgehobene Polizeischutz für den Ukrainer sei aus Präventionsgründen erforderlich gewesen sagt Hüller. Schließlich wollten Besucher zum Verletzten, bei denen unklar blieb, was sie in der Intensivstation vorhatten. Zum Patienten durften nur enge Angehörige.

Im Klinikum wurde rege über die Polizeipräsenz diskutiert, überwiegend sei sie auf Verständnis gestoßen und begrüßt worden, erklärt Helios-Sprecherin Dorit Wehmeyer. Die Polizei sei auch wegen anderer Fälle immer wieder im Klinikum. Für Ärzte und Pflegekräfte sei ohnehin Normalität, so Wehmeyer: Wer Hilfe braucht, dem wird geholfen.

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