Millionen-Paket bringt sieben Gewinner

Die Rathaus-Spitze kann ihr Glück kaum fassen: Als eine von bundesweit nur vier Kommunen erhält die Spitzenstadt jeweils 25 Millionen Euro von Bund und Land. Die "Freie Presse" zeigt, wohin das Geld fließen soll.

Plauen.

Es ist nur ein Fünfzeiler im Koalitionsvertrag. Doch genau dieser Fünfzeiler bedeutet jetzt einen Geldsegen für Plauen: Jeweils 25 Millionen Euro überweisen Bund und Freistaat Sachsen bis 2025 in die Spitzenstadt, um damit den Städtebau in einem neuen Modellprojekt voranzubringen.

Zu verdanken haben die Plauener das Millionen-Paket der CDU-Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas. Sie hatte im Sommer Wind bekommen von dem Vorhaben und kurzerhand Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) in die Spur geschickt. Dieser stellte binnen einer Woche die Bewerbung auf die Beine. Die Mühen haben sich gelohnt: Der Haushaltsausschuss des Bundestags wählte Plauen jetzt als eine von bundesweit nur vier Modell-Kommunen aus. Bei den anderen Städten handelt es sich um Duisburg, Rostock und Erfurt. Doch was hat die Plauener Rathaus-Spritze mit den 50 Millionen Euro vor? Sieben Großprojekte, alle Teil des Stadtkonzepts 2022, will sie anpacken:

Die Elsteraue als neuer Stadtteil: Schon seit Langem haben die Plauener das Ziel vor Augen, den Bereich unterhalb der Johanniskirche aus dem Dornröschenschlaf zu küssen. Nun geht's los. Das Geld aus Berlin und Dresden soll ins Weisbachsche Haus, einen Kita-Neubau, einen parkähnlichen Garten für Jung und Alt, einen Mehrgenerationenspielplatz, die Hempelsche Fabrik als Start-up-Manufaktur, die Handwerkerhöfe der Weberhäuser, in neue Mobilitätssysteme fließen. Aus dem Gebäude an der Hofwiesenstraße 7 soll ein Treffpunkt für Vereine werden. Geprüft wird zudem der Bau von Eigenheimen. Ziel: die Elsteraue als neuen Stadtteil etablieren. Summe: etwa 21 Millionen Euro.

Anbau fürs Stadtbad: Das Schwimmbad an der Hofer Straße platzt seit geraumer Zeit aus allen Nähten. Der professionell und erfolgreich betriebene Vereinssport von Schwimmern oder Erstliga-Wasserballern kollidiert immer wieder mit dem Freizeitvergnügen vieler Vogtländer. Die Lösung aus Sicht der Stadtverwaltung: Ein Anbau ans Stadtbad in Richtung der Parkplätze muss her. Neue Formen der Energiegewinnung und -versorgung sollen Teil des Vorhabens werden - etwa Tiefenbohrungen im Schwemmland der Elsteraue. Summe: rund 6 Millionen Euro.

Sportkomplex für die Ostvorstadt: Die Stadt will einen Turnhallenanbau an der Kemmler-Schule errichten, eine neue Leichtathletik-Anlage schaffen, den Kunstrasenplatz des 1. FC Wacker erneuern und einen öffentlichen Bolzplatz bauen. Ziel: ein attraktives Nebeneinander von Bildung, Sport und Wohnen in der Ostvorstadt. Summe: etwa 4,5 Millionen Euro.

Frischer Wind fürs Parktheater: Die Anlage soll modernisiert beziehungsweise teils komplett neu gebaut werden. Künftig sind mehr Veranstaltungen und kleine Messen vorgesehen. Auch der benachbarte Stadtpark soll profitieren. Auf dem Parkteich könnte eine Wintereisbahn entstehen, im Sommer könnte er als biologischer Badeteich dienen. Summe: etwa 4 Millionen Euro.

Bessere Anbindung der Ortsteile: Die Kernstadt Plauen ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erschlossen - nicht jedoch die Ortsteile. Mittels E-Bikes oder Elektro-Autos zum Ausleihen soll sich die Situation verbessern, E-Tankstellen inklusive. Auch autonomes Fahren ist ein Thema: etwa selbstfahrende Kleinbusse, die die Endhaltestellen mit den Ortsteilen verbinden. Summe: geschätzt 2,5 Millionen Euro.

Neue XXL-Sporthalle: Ein Neubau am Lessing-Gymnasium steht schon seit Längerem auf dem Tableau, nun soll er vorangebracht werden. Eine Drei-Feld-Halle mit zwei gegenüberliegenden Tribünen und Kapazitäten für bis zu 1600 Zuschauer sind vorgesehen - einmalig im Vogtland und eine Aufwertung für die Sportregion, so die Stadt. Beim Bau sollen neue Konzepte der Energienachhaltigkeit zum Einsatz kommen. Summe: 10 Millionen Euro.

Dokumentationszentrum zur Friedlichen Revolution: Während es in Plauen bereits seit 2010 ein Wendedenkmal gibt, existiert bis heute kein Anlaufpunkt, um sich über die historischen Ereignisse im Herbst 1989 zu informieren. Ein Dokuzentrum, wie jüngst von Protagonisten der Friedlichen Revolution ins Spiel gebracht, soll das ändern. Der Neubau soll Anlaufpunkt werden für Vogtländer und Gäste der Stadt, für Schüler und Forscher. Summe: etwa 2 Millionen Euro.

Wie es nun weitergeht: Im nächsten Jahr sollen die Vorhaben geplant werden, die Umsetzung erfolgt von 2020 bis 2025. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): "Machen Sie was draus!"


"Das ist sensationell"

Michael Kretschmer (CDU), Sachsens Ministerpräsident: "Ich habe mich unglaublich gefreut über diesen schönen Erfolg. (...) Das ist die Möglichkeit für einen Schub nach vorn."

Yvonne Magwas (CDU), Bundestagsabgeordnete: "Sich da durchzusetzen, das ist wirklich sensationell."

Ralf Oberdorfer (FDP), Plauens Oberbürgermeister: "Das ist nicht nur ein Projekt für Plauen, sondern insgesamt für das Vogtland."

Steffen Zenner (CDU), Sportbürgermeister: "Ich bin wirklich begeistert. Attraktiver kann man eine Stadt nicht gestalten."

Frank Heidan (CDU), Landtagsabgeordneter aus Plauen: "Die Umsetzung der Vorhaben bedeutet pro Jahr Arbeit für etwa 150 bis 200 Menschen. Das bringt auch Wirtschaftskraft."

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2Kommentare
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  • 0
    1
    Zeitungss
    21.11.2018

    Wie hoch ist denn gerade der Schuldenstand der Stadt ????? Kommt da etwa +/- O heraus und man ist für einige Stunden schuldenfrei. Andere Städte verschleudern dafür ihr Tafelsilber, z.B. Dresden. Also fangen wir zunächst beim Schuldenstand an und warten ab, was dazu von CDU und FDP bzw ihre Vertreter für eine Meinung in der FP den Leuten unter die Weste jubeln. Positiv zu bewerten ist lediglich, dass der Bürger daran erinnert wurde, wir werden noch im Bundestag vertreten und das ist schon einmal sensationell, an Selbstlob wird auch nicht gespart. Wir werden demnächst mit Ernüchterung zur Kenntnis nehmen, was von den Plänen übrigbleibt, die FP lässt uns mit der Berichterstattung sicherlich nicht im Regen stehen.

  • 2
    4
    kgruenler
    19.11.2018

    Man merkt, dass bereits Wahlkampf ist und die CDU alles dafür tut, beim Bürger zu punkten.
    Trotzdem schön für die Stadtkasse.



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