Mit ihrem Beruf liegt sie goldrichtig

Mein Traumberuf Celine Naumann wollte schon immer Bankkauffrau werden. Sie kann nicht nur rechnen, sondern blieb auch jüngst bei einem Banküberfall cool.

Plauen.

Bargeld, Edelmetalle, persönliche Dokumente - in den fast 600 Schließfächern im Tresorraum der Volksbank Vogtland an der Jößnitzer Straße in Plauen kann sich theoretisch alles mögliche befinden. Oder gar nichts. "Wir wissen wirklich nicht, was da drin ist", beteuert Vertriebsleiter Tobias Kämpf. Gewiss sei nur, dass die Safes hinter den dicken, schweren Feuerschutztüren rege von der Kundschaft genutzt würden. Nach einem wiederholten Anbau betrage die aktuelle Auslastung weit über 80 Prozent. "Sicherer als daheim sind die Schließfächer allemal", ergänzt Personalleiterin Birgit Vetter.

Vetter (47) und Kämpf (29) haben beide ihre Ausbildung in dem Kreditinstitut gemacht. Der Beruf habe sie von jeher interessiert. Das haben die Banker mit Vogtländerin Celine Naumann gemeinsam. Die 21-Jährige hat vor kurzem ausgelernt. Doch erledigt hat sich das Schulbankdrücken damit für sie noch nicht. "Gerade mache ich eine Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt bei der Industrie- und Handelskammer in Plauen", berichtet die junge Frau. Das dauere zwei Jahre, doch sie sei voller Elan. Auch ihre Kollegen finden es toll, wie motiviert Naumann ist. "Mit dem Ende der Ausbildung ist man als Mensch nicht fertig", so Kämpf.

Dass sie aber doch bereits über jede Menge sozialer Kompetenzen verfügt, bewies Naumann, als jüngst ein Mann mit einem selbst gebauten Speer in die Filiale an der Straßenbahnhaltestelle am Albertplatz eindrang. Sie hatte mit einem weiteren Mitarbeiter Dienst. "Ich dachte mir: 'Bleib jetzt ruhig!', erinnert sich Naumann. Denn trotz vierteljährlicher Schulung für die Mitarbeiter - so ein Überfall geschieht nicht alle Tage. Der letzte, an den sich Personalchefin Vetter entsinnt, sei 1990 gewesen: "Damals hatte ich selbst noch gelernt", sagt sie.

Dieses Damals - das waren blühende Zeiten für die vertrieblich-kaufmännischen Berufe der Bank. Heutzutage blüht hingegen das Online-Geschäft. Doch bei allem, was das Internet vielleicht zu bieten habe, eines könne es nicht ersetzen: den persönlichen Kontakt vor Ort, sagt Naumann. Darauf will ihr Arbeitgeber trotz der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen in der Kreditwirtschaft auch weiterhin setzen. Die Bankkauffrau ist eine von etwa 100 Mitarbeitern der Volksbank Vogtland. Darunter sind auch fünf Auszubildende.

Trotz geänderter Kundenbedürfnisse und Rückgang der Filialen sieht Naumann Zukunft für ihren Beruf, nicht zuletzt durch die regionale Verbundenheit ihres Unternehmens. "Die Leute, die bei uns arbeiten, wohnen auch hier und geben ihr Geld hier aus", erklärt sie. Und wie verdientes Geld richtig angelegt werden kann, auch dafür hat die ehrenamtliche Feuerwehr-Frau stets Antworten parat. So zeigt sie potenziellen Anlegern gern mal die Schätze in der sogenannten Goldlounge der Volksbank. Darunter befindet sich auch eine 1-Kilo-Münze. "Die ist nicht groß, aber wegen ihrer hohen Dichte schwer wie ein Tetrapack", so Naumann über das wertvolle Edelmetall. Der Preis für ein Kilo Gold liege derzeit bei mehr als 43.000 Euro, weiß sie. "Gold allein ist jedoch keine Anlage, denn das bringt keine Zinsen", ergänzt Kämpf. Im Angebot ist im Geldhaus auch Silber - eine Unze wiegt 31 Gramm. Das Leichtgewicht sei bei Kunden ebenso begehrt. Und nach dem Kauf ab mit den Münzen in eines der Schließfächer im Tresorraum? Die Sicherheitsregeln sind dort so streng, dass Egon Olsen kein leichtes Spiel hätte. Die mächtige Geldschranktür, so Naumann, bekomme man ohnehin nicht einfach so zur Seite gerückt, verrät Naumann.


Fakten zum Beruf

Für wen die Ausbildung etwas ist: Schüchterne sollten sich zwei Mal überlegen, ob sie Bankkauffrau oder -mann werden möchten.Volksbank-Personalchefin Birgit Vetter empfiehlt den Job unter Umständen dennoch: "Das Selbstbewusstsein kann enorm profitieren", so ihre Begründung. Und Celina Naumann kann das nur bestätigen: "Man wächst ja auch mit seinen Aufgaben, zumal, wenn die Kollegen nett sind."

Das besonders Reizvolle am Beruf: "Man muss nicht den ganzen Tag hinterm Bankschalter stehen", sagt Celine Naumann. Der Kundenkontakt gehöre aber freilich auch dazu. Das sei einer der Gründe, weshalb sie sich einst für den Job entschieden haben. "Die Nähe zum Menschen zeichnet uns aus gegenüber Online-Banken", so Naumann.

Wie viel Bankkaufleute verdienen: "Das Gehalt bemisst sich nach der Spezialisierung und nach den Berufsjahren", sagt Personalverantwortliche Vetter. In der dreijährigen Lehrzeit betrage der Verdienst, von Jahr zu Jahr, 850 bis 1000 Euro brutto. Gestartet wird dann mit 2000 Euro (39-Stunden-Woche) plus 13. Monatsgehalt, sozialen und vermögenswirksamen Leistungen.

Sind Zensuren wichtig? Augenmerk lege man bei der Volksbank vor allem auf die guten Kopfnoten. Früher habe man auf einen Durchschnitt von 1,5 bestanden, davon sei man abgekommen. Viel wichtiger heute: die Chemie müsse einfach stimmen.

Wo macht man die schulische Ausbildung? Früher klappte das auch im Vogtland. Mittlerweile ist die Berufsschule allerdings in Chemnitz. Künftige Bankkaufleute lernen am Beruflichen Schulzentrum W2, wobei das Wfür Wirtschaft steht. Wie Aus- und Weiterbildung bei der Volksbank Vogtland genau ablaufen, darüber wird auf der Homepage des Kreditinstitutes informiert. (sasch)

www.volksbank-vogtland.de

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