Mit Pauken und Trompeten

Eine barocke Mondscheinserenade im Stadtzentrum und ein Musikabend à la Hollywood im Stadtpark: Liebhaber einzigartiger Melodien kamen am Samstag auf ihre Kosten.

Plauen.

Vielleicht hat Sängerin Nataliia Ulasevych ein bisschen gefröstelt an diesem eigentlich lauen Spätsommerabend, vielleicht wollte sie auch nur das wichtigste Arbeitswerkzeug schonen - ihre Stimme. Deshalb legte sie sich nach ihrem großartigen Auftritt als Königin von Saba aus Georg Friedrich Händels Oratorium "Salomon" und als Alcina aus der gleichnamigen Oper einen Schal ums Dekolleté.

Nach ihren Arien zu Beginn der Mondscheinserenade am Samstagabend wartete sie selig mit den laut Veranstaltern rund 2000 weiteren Liebhabern barocker Melodien auf die berühmte "Feuerwerksmusik" des deutsch-britischen Ausnahme-Komponisten. Sie gilt als Hymne für den Frieden, was am Weltfriedenstag und einem Tag vieler Demonstrationen in Plauen und Chemnitz an Brisanz gewann. Manuela Buchta vom mitveranstaltenden Verein Wohn- und Lebensräume (Wohl) sagte: "In Sachsen sind heute Tausende für Toleranz auf die Straße gegangen, und zu uns sind Tausende wegen der Kultur gekommen."

Bereits im Vorjahr hatte Händels Wassermusik für Furore beim Klassik-Open-Air in Plauens City gesorgt. Diesmal waren sogar noch etwa 500 Zuhörer mehr gekommen. Sie brachten sich Klapphocker mit oder erwarben Thermo-Sitzkissen, um es sich auf dem Areal zwischen Capitol-Kino und Quartier 30 des Wohl-Vereins bequem zu machen. Mit Saft- oder Bierglas sowie Leuchtstäben und Wunderkerzen in der Hand genoss Jung und Alt die festliche Musik. An die 300 Jahre ist sie alt und bleibt doch ewig jung. Nicht ganz eine Dreiviertelstunde dauerten allein die Ausschnitte aus Händels "Feuerwerksmusik", für die bei Einbruch der Dunkelheit die ersten Takte erklangen.

Die Suite aus dem Jahr 1749 ist ein Paradewerk für Annette Weisheit und Peter Weller. Beide sind Musiker des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau und gemeinsam mit einer weiteren Instrumentalistin fürs Schlagwerk zuständig. Dessen Instrumente kommen besonders bei barocker Musik gern zum Einsatz: Weisheit haute daher virtuos auf die Pauken, Weller war mit zwei Schlägeln an der Rührtrommel zu Gange. "Die hatten früher Landsknechte umhängen, wenn sie marschierten", erklärte der Musiker. "Die 'Feuerwerksmusik' ist für Pauken und Trompeten wie gemacht", so Weisheit.

Während sie und ihre Kollegen unter den Balkonen agierten, hatten die Trompeter ein paar Etagen höher ihren großen Auftritt. Die Bläser standen auf Balkonen und schickten unter der Leitung des 1. Kapellmeisters Vladimir Yaskorski sozusagen himmlische Töne hinab zur Bahnhofstraße.

Auf der Einkaufsmeile stand während der Vorbereitungen und beim Konzert für ein paar Stunden alles still: keine Straßenbahn fuhr, kein Kinofilm flimmerte. Dafür wurde aber außer der kostenlosen erlesenen Musik viel Kulinarisches für die Besucher geboten. Die Plauener und ihre Gäste nahmen das Angebot gern wahr. Manche hatten Tränen in den Augen, klopften den Takt mit.

Für die Darbietung der Philharmoniker gab es viel Applaus. Die Leute jubelten und verlangten nach einer Zugabe. Nach dieser war aber nicht für jeden Schluss. Viele saßen noch eine Weile unter freiem Himmel gemütlich zusammen.


"Ich sehe auch Kinder. Toll!"

Manuale Buchta ist Geschäftsführerin des Vereins Wohn- und Lebensräume (Wohl). Seine Mitglieder hatten voriges Jahr die Idee zum Konzert.

Sabine Schott sprach mit ihr.

"Freie Presse": Sie veranstalten das Klassik-Open Air zusammen mit dem Theater Plauen-Zwickau. Von dort gibt es Signale für eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Manuela Buchta: Auch wir würden gern eine dritte Auflage der Mondscheinserenade auf den Weg bringen. Allerdings sind Konzerte nicht unser Kerngeschäft. Wir brauchen Unterstützung, vor allem finanzieller Art. Das Orchester spielt ja schon umsonst, aber es fallen noch viele weitere Kosten an, etwa für das Licht und die Technik.

In diesem Jahr hat die Stadt Plauen die Veranstaltung gefördert. Sollte sie das regelmäßig tun?

Das wäre wichtig. Am besten, es wird eine feste Haushaltsgröße. Mit zum Beispiel 3500 bis 4000 Euro können wir einiges abdecken. Ohne Förderung schaffen wir's nicht. Da sind wir als Verein zu klein.

Sind Sie persönlich schon länger mit klassischer Musik verbunden?

Ja, aber bisher waren es vor allem Verdi oder Mozart, deren Melodien mich faszinierten. Händel habe ich erst im Vorjahr für mich entdeckt und finde ihn großartig. Ich bin aber auch neugierig, was es noch alles für Musik gibt, die hier in Zukunft gespielt werden könnte.

Neugierig sind wohl die meisten der Besucher heute Abend. Überrascht es Sie, wie viele junge Menschen sich im Publikum befinden?

Nicht wirklich, denn um sich Klassik zu nähern, ist es nie zu früh oder zu spät. Ich sehe auch Kinder. Toll!

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