Mode auf Maß: Zwei Frauen, die Männer anziehen wollen

Zwei junge Unternehmerinnen haben einen Traum: Sie machen Anzüge passend, schneidern Maßanzüge und arbeiten an ihrer eigenen Marke. Ihr neuer Laden an der Neundorfer Straße wirkt edel. Der Job, damit Geld zu verdienen, ist hart.

Plauen.

Lyudmila Siglach und Vivian Funk haben sich ein Geschäft ausgebaut, für das das Wort Geschäft irgendwie zu nüchtern klingt. Atelier passt vielleicht, die Werkstatt des Künstlers. Die beiden Frauen haben die Wände selbst gestrichen, aus alten Brettern die Bar gebaut, die Umkleide ist auch Eigenbau. Und hinter einem Glasfenster liegt ein Zimmerchen, in dem zwei Nähmaschinen stehen. Die Frauen haben sich als Maßschneiderinnen selbstständig gemacht.

Das ist mutig. Plauen ist nicht München. "Ich wollte eigentlich in eine größere Stadt gehen", sagt Vivian Funk, 26. Aber dann habe sich alles hier zusammengefügt. In Plauen, wo sie in der Berufsschule Bekleidungstechnikerin gelernt hat. Maßschneiderei war inklusive. Ihre Geschäftspartnerin Lyudmyla Siglach, 45, ist Herrenschneiderin. Sie stammt aus der Ukraine. An der Neundorfer Straße haben sich die Frauen einen Laden gemietet, der früher eine Papeterie war. "Kavalier Quartier" haben sie ihn genannt.


Der Name soll Programm sein. Hier wollen sie Männer anziehen, Kavaliere. Sie passen Anzüge an, schneidern Maßanzüge, nähen Fliegen und Westen und Krawatten. "Wir wollen nicht nach einem Jahr Tschüss sagen, wir wollen uns lange halten", sagt Vivian Funk. Plauen war Textilindustrie, und davon wollen sie wieder ein bisschen ausatmen. "Wir machen das mit Leidenschaft." Für Männer schneidern sie, weil sich mit Männern gut arbeiten lasse. Die Anzüge, die sie tragen, sind zu kurz, zu weit, zu lang, zu grau, zu uniform. Männer sollen gerne Anzug tragen, sagt Lyudmyla Siglach.

Auf ihrer Nähmaschine liegt ein Hemd, das sie gerade näht. Cremeweiß mit kleinen, schwarzen Punkten. Tut weh in den Augen, steht aber dem Mann, für den sie es schneidert. Sie wollen sich heranfühlen an das, was bei den Männern im Vogtland ankommt.

Mit einem geliehenen Kleintransporter waren sie in Mailand, um Anzüge einzukaufen. Gestreift, königsblau, grasgrün. Und die Klassiker. Die passen sie den Männern an, die sie kaufen wollen. "Die Sachen sind nicht unbezahlbar", sagt Vivian Funk. Ins Geld geht es dann, wenn sie jede Naht an einem Anzug und jeden Schnitt im Stoff selbst gemacht haben. Aber dann kommt der Landluftbonus dazu, dann sei der Anzug trotzdem deutlich preiswerter als beim Maßschneider in der Großstadt. Vielleicht schaffen sie sich ihr eigenes kleines Handwerker-Label, sagt Vivian Funk.

Sucht man das Kavalier Quartier im Internet, findet man eine neue Facebook-Seite und ein Instagram-Profil. Die ersten "Gefällt mir"-Daumen haben sie schon bekommen.

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