Mordprozess: Der Angeklagte sagt nichts mehr

Im Februar sind bei einem Feuer an der Dürerstraße zwei Menschen gestorben. Der mutmaßliche Brandstifter steht seit gestern wegen Mordes vor dem Landgericht Zwickau. Erst hat er gestanden, jetzt schweigt er.

Plauen/Zwickau.

Vor dem Prozess versteckt er sein Gesicht hinter einem grünen Leitz-Ordner. Ein schmaler und blasser junger Mann, der 27 ist und noch nicht aussieht wie 27. Er will nicht, dass ihn jemand von der Presse fotografiert. M.ist arbeitslos. Im Februar soll er eine Bekannte und einen seiner besten Freunde getötet haben. "Heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln", so beschuldigt ihn die Staatsanwaltschaft.

Der Tod der beiden jungen Menschen, 22 und 25 Jahre alt, spielt im Drogenmilieu. Manche in der Stadt erzählten sich, die Clique habe Crystal gekocht und dabei sei die Wohnung explodiert. Für die Ermittler steht fest, dass M. Feuer gelegt hat.

Kurz nach dem Brand hat der Angeklagte der Polizei alles erzählt. Jetzt sagt er nichts mehr, ihm droht lebenslange Haft. "Er wird sich schweigend verteidigen", sagt sein Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Boine. Das Landgericht in Zwickau, vor dem er unter anderem wegen zweifachen Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt ist, wird voraussichtlich Ende Oktober das Urteil verkünden. So lässt sich nach dem Prozessauftakt gestern die Tat rekonstruieren:

Schauplatz ist die Maisonettewohnung an der Dürerstraße. Ein junges Pärchen hat sie gemietet, aber es schlafen mehrere Leute aus ihrer Clique dort. An dem Wochenende im Februar sind sie zu fünft, drei Männer und zwei Frauen. Auch M. ist dabei, der eigentlich in Dresden wohnt. Und ein Rudel Hunde. Später sagt M. den Kriminalbeamten, eine der Frauen habe ihn bedroht. Es seien Sätze gefallen wie "Der Bambam frisst dir das Gesicht runter" und "Ich zertrümmere dir die Kniescheibe mit dem Hammer."

Dann kommt der Montagmorgen, 5. Februar. Gegen dreiviertel Neun nimmt M. ein Feuerzeug, zündet einen Stofffetzen an und legt ihn auf einen Kleiderhaufen, der im Wohnzimmer liegt. Er wartet, bis die Flammen einen halben Meter hoch schlagen, und verlässt die Wohnung. Dass es so gewesen sein soll, wirft ihm die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage vor. Während einer Raucherpause bei seiner Vernehmung habe er sich damals einem Kommissar anvertraut. Der Beamte sprach gestern als Zeuge.

An dem Montagmorgen soll M. als nächstes in den Kik gegangen sein. Er kaufte sich Hosen und einen Pulli. Die Verkäuferin erinnerte sich daran, dass er kaum wählerisch war. Er habe gerochen wie einer, der frisch vom Lagerfeuer kam. Die alte Jacke stopfte er in einen Mülleimer beim Kik. Seine Hose fanden die Ermittler in einer Garagenanlage unter einem Auto. Sie lag an dem Ort, den M. ihnen beschrieben hatte. Eine Rolle spielt auch das Hunderudel. Fünf Tiere starben. Am Tag nach dem Brand fand ein Mann das sechste Tier. Es saß im Müllcontainer in der Nähe des TTM-Markts, lebendig. M. soll den Hund dort eingesperrt haben, so der Vorwurf.

Während die Plauener Retter von einer "Chaoslage" an der Dürerstraße sprachen, wies M. sich selbst in eine Psychiatrie außerhalb des Vogtlands ein. Zwei Tage blieb er in der Klinik. Die Polizisten glaubten, ihn bei den Aufräumarbeiten im Brandschutt zu finden. Dann suchten sie ihn. Ein Mitarbeiter der Rauschgiftgruppe hielt Kontakt zu M.s Ex-Freundin in Pirna, die der 27-Jährige nach der Psychiatrie besuchte. Zu dritt fuhren die Ermittler aus Plauen nach Pirna. Sie wollten M. als Zeugen vernehmen, aber er verstrickte sich in Widersprüche. 

Die junge Frau, die in der Dürerstraße starb, hatte zwei kleine Kinder. Sie lebten beide nicht bei ihr. 

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