Musiktheater muss mit wenig Platz auskommen

Eng geht es bei Oper und Operette momentan am Plauener Vogtland-Theater zu. Denn Spielstätte ist vermehrt die Kleine Bühne. Dafür gibt es Gründe.

Plauen.

So manchen Liebhaber klassischer Musikklänge zieht es momentan wohl mit Unbehagen ins Plauener Theater. Das geht aus Wortmeldungen von "Freie Presse"-Lesern hervor. Warum? Eine langjährige Theater-Abonnentin moniert zum Beispiel, dass in jüngster Zeit Opern und Operetten fast nur noch auf der sogenannten Kleinen Bühne des Hauses stattfinden. Dort sei es aber viel zu eng, es gebe für ihren Geschmack wenig Akustik, die Lautstärke wiederum sei zu intensiv. Kurzum: "Das Niveau der Aufführungen leidet." Und das, obwohl das Große Haus des Musentempels solch ein tolles Flair habe.

Zu der ihm bekannten Kritik mehrerer Zuschauer hat Generalintendant Roland May jetzt Stellung genommen: Dass man auf die kleinere Spielstätte ausweichen müsse, liege unter anderem an der Sanierung des Zwickauer Gewandhauses. Die Inszenierungen seien auf die rund zehn, teils deutlich beengten Ausweich-Spielstätten dort zugeschnitten, zum Beispiel auf den Malsaal, die Aula der Pestalozzischule, die Lukaskirche oder das Ballhaus Neue Welt. May wolle das Problem nicht kleinreden, er könne den Frust verstehen. Bei opulentem Bühnenbild und Chormitwirkung wie etwa jüngst in "L'Orfeo" sei die Situation tatsächlich grenzwertig.


"Die Plauener werden nun aber für ihr Durchhalten mit Opern-Leckerbissen im Großen Haus entschädigt", so May. Auf die Musiktheaterfreunde warten Engelbert Humperdincks düsteres und erst jüngst wiederentdecktes Kunstmärchen "Königskinder" (ab 9. Februar) sowie Giuseppe Verdis "Aida" (ab 4. Mai). Zudem ist mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" (ab 2. Juli) eine besondere Parktheateraufführung im Angebot. In der kommenden Spielzeit soll es gleich im Herbst eine weitere große romantische Oper geben. Welche das sein wird, verriet May noch nicht.

Sie kenne Theaterbesucher, so die enttäuschte Plauener Leserin, die sogar ihr Abo kündigen und "abwandern" würde, etwa nach Bad Elster. "Wir sind bewusste Theatergänger", sagt die Frau. Auch die Enkelkinder seien regelmäßig dabei. "Für kleinere Formate und Puppentheater ist die Kleine Bühne okay", so die 70-Jährige. Aber dass sich, wie sie sagt, die Orchestermusiker neben das Publikum quetschen müssten und Sängerinnen nur noch 50 Zentimeter Platz hätten, um mit ihren weiten Reifröcken entlang zu wandeln, das akzeptiere sie nicht. Sie habe nachgemessen, wie eng es zugeht.

Im Herbst 2020 sollen die Bauarbeiten in Zwickau beendet sein.

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