Nach Brand: Böllerei-Verbot kein Thema

Die Brandopfer der Auerbacher Silvesternacht müssen in eine Notwohnung ziehen. OB Manfred Deckert appelliert an die Eigenverantwortung seiner Bürger. Bleibt die Frage: Wer zahlt für den Raketen-Schaden?

Auerbach.

Brände, Verletzungen, im schlimmsten Fall Tote: Kein Jahreswechsel vergeht ohne die negativen Schlagzeilen nach der Silvesternacht. Dieses Mal hat es Auerbach erwischt. Der Dachstuhl eines Zweifamilienhaus an der Straße Crinitzleithen brannte aus, drei der vier Bewohner wurden mit Herz-Kreislauf-Beschwerden ins Krankenhaus gebracht, das komplette Gebäude ist im Moment nicht bewohnbar. Vorläufige Schadensprognose laut Polizei: 400.000 Euro.

Als Verursacher wurde in der Brandnacht durch die Polizei ein 19-Jähriger ausgemacht, der in der Nachbarschaft eine Rakete gezündet hatte. Das explosive Geschoss drang offenbar über ein Fenster in das Dachgeschoss des Hauses ein. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt Polizeisprecher Christian Schünemann. Fakt ist, dass die Bewohner vorerst eine andere Bleibe benötigen. Nachdem die Brandopfer vorübergehend bei Nachbarn unterkamen, meldeten sie sich gestern in der Stadtverwaltung. Die städtische Wohnbau GmbH stelle ihnen nun eine möblierte Wohnung als Notunterkunft zur Verfügung, erklärt Stadtsprecher Hagen Hartwig. Und wer kommt für den Schaden auf?


Sofern dem 19-Jährigen, der die Rakete gezündet hatte, kein Vorsatz nachgewiesen werden kann, ist dies eine zivilrechtliche Angelegenheit. In erster Linie sei in so einem Fall die Gebäudeversicherung der Hauseigentümer in der Pflicht, erklärt ein Versicherungsexperte aus der Region. Die werde aber mit Sicherheit auch den Verursacher in die Pflicht nehmen, beziehungsweise dessen Privathaftpflichtversicherung, sofern er eine besitzt. Ein langwieriger Prozess, den die Versicherer unter sich ausmachen müssen.

Der Vorfall ist Wasser auf die Mühlen derer, die die Tradition der Silvester-Knallerei zunehmend kritisch sehen. Polizisten, Ärzte und Tierschützer warnen immer eindringlicher vor den Gefahren und Belästigungen, die das Abbrennen von Raketen und Böllern - im schlimmsten Fall illegalen Ursprungs -mit sich bringen. Hinzu kommt die hohe Feinstaubbelastung als weitere Folge. In keinem Jahr zuvor wurde deshalb so intensiv über mögliche Feuerwerksverbote, beispielsweise in Innenstädten, diskutiert wie aktuell.

Für Auerbach sei eine solche Diskussion trotz des aktuellen Brandvorfalls im Moment kein Thema, erklärt Stadtsprecher Hagen Hartwig auf Anfrage. Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos) appelliere an die Eigenverantwortung der Bürger. "Darüber denken wir im Moment nicht nach, wir können nicht alles verbieten", sagt das Stadtoberhaupt.

Deckert war in der Brandnacht zur Stelle, unterstützte die Rettungskräfte. Allein 76 Feuerwehrleute waren von 0.20 bis 7.30 Uhr im Einsatz.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...