Nach der Flut kommt die Wut

Seit Freitag räumen die Opfer des Hochwassers ihre Grundstücke auf. Sie sind wütend auf die Landestalsperrenverwaltung. Deshalb sucht sich Herbert Grimme diese Woche einen Rechtsanwalt.

Plauen/Kürbitz.

Sie pumpten Wasser aus ihren Kellern und putzten Dreck und Treibgut aus ihren Gartenzäunen. Das Gefühl, das sie haben: Wut. "Ich muss mir das von der Seele reden", sagt Matthias Roth, Ortsvorsteher von Kürbitz, das zu Weischlitz gehört. Roth wohnt direkt an der Weißen Elster, an der Alten Weischlitzer Straße. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren stand sein Haus ebenfalls im Wasser.

Alle hätten gesagt damals, das sei ein Jahrhunderthochwasser, das erlebten sie nicht wieder. Wer "alle" sind, darüber schweigt Roth und winkt ab. Von damals seien etwa 7000 Euro Spenden übrig. Das Geld sei vorgesehen gewesen, um die Freiwillige Feuerwehr besser auszustatten, unter anderem mit Notstromaggregaten. "Wir haben Druck gemacht als Gemeinde und als Feuerwehr, aber es ist nichts gekauft worden", sagt Roth. Wäre es anders gelaufen, hätten sie wenigstens die Heizung eines Nachbarn retten können. Als das Wasser stieg, wurde auf seiner Straße der Strom abgestellt. Die Wasserpumpen, die sich einige nach der Flut 2013 zugelegt hatten, waren unbrauchbar - denn sie funktionieren nur mit Strom.

"Hätten uns die Behörden gewarnt, hätte ich mir selbst ein Notstromaggregat kaufen können", sagt Herbert Grimme. Aber die Anwohner seien nicht über die Gefahr informiert worden. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Das Wasser habe sie nachts überrascht.

Bei Grimme ist die Hobby-Werkstatt abgesoffen, in der seine Maschinen stehen. 1,30 Meter stand das Wasser. Er wirft der Landestalsperrenverwaltung Fahrlässigkeit vor und will sich diese Woche einen Rechtsanwalt suchen. "Am Pfingstmontag war die Talsperre schon randvoll", sagt er. Grimme und seine Nachbarn sind wütend auf Gerd Zobel, den Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung. In einem Interview mit der "Freien Presse" hatte er am Freitag gesagt, Weischlitz sei von der Pirk aus nicht zu retten.

Nach Aussagen des Kürbitzer Ortschefs seien die sogenannten Fischbauchklappen in der Pirker Staumauer wieder geöffnet worden. Diese Klappen, die als Notablass dienen, seien schicksalhaft für Weischlitz und Kürbitz. Würden die geöffnet, stünden die Orte kurz danach unter Wasser. Matthias Roth zufolge seien die 15 Meter langen Klappen auch dieses Mal geöffnet worden - wie schon 2013. Ähnliches erzählt man sich in der Fischwirtschaft in Weischlitz. Die Landestalsperrenverwaltung war gestern für Aussagen dazu nicht erreichbar.

Dass die Flut die Forellen aus den Fischteichen spülte, hat sich herumgesprochen. Am Flussufer standen gestern Männer mit Köchern und versuchten, etwas herauszufischen. Herumgesprochen hat sich auch, dass die Straßberger Feuerwehr in der Flutnacht nur zum Teil einsatzbereit war. Ihr Gerätehaus war abgesoffen, sagt Rico Gerstner: "Die Ausrüstungen waren nass und verschlammt." Erst am Freitagmorgen seien seine Leute wieder arbeitsfähig gewesen und hätten den Einsatz an der Mühle im Dorf übernommen.

Die Roths in Kürbitz hatten vor fünf Jahren mehr als 30.000 Euro Wasserschaden. Selbst das Pflaster spülte es ihnen vom Hof. Nicht alles sei ihnen damals ersetzt worden. Ihnen graut vor der Bürokratiewelle, die jetzt auf sie zukommt.

 

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3Kommentare
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  • 0
    1
    aussaugerges
    30.05.2018

    15 Euro vom Staat.

    Bitte keinen Anwalt sie grinsen dich an und kassieren dich zum Schluß doch ab.
    Alles schon erlebt.

  • 2
    4
    WilhelmTell
    28.05.2018

    Das SMUL hat direkt nach dem HW 2013 einen HW-Erlass zur Schadensbeseitigung und -Prävention erlassen. Für die Umsetzung ist die Untere Wasserbehörde zuständig, aber die tut nichts, bzw. handelt sogar kontraproduktiv! Der Zorn sollte sich also nicht gegen die LTV richten sondern gg. die Verwaltung: Stürmt das Landratsamt und macht der UWB Druck! IHR seid das Volk, die Verwaltung nur eure Dienstleister !

  • 6
    1
    Tauchsieder
    28.05.2018

    Das Geld für einen Rechtsanwalt kann er sich sparen. Wenn ein Anwalt seriös agiert, wird er das Mandat ablehnen. Gegen was will dieser Hr. Roth auch klagen, dass es geregnet hat, dass aus Sicherheitsgründen diese Klappen der Talsperre geöffnet wurden, oder was?
    Noch Anfang der 70` ziger Jahre befanden sich in diesem Überschwemmungsgebiet "Kalter Frosch" lediglich 2 Häuser. Ein überschaubarer Schaden, wenn es denn zu einem Hochwasser kam. Und heute!? Dort hätte nie ein Wohngebiet errichtet werden dürfen. Wenn er klagt dann gegen die Genehmigungsbehörden, denn die hätten prüfen müssen was für eine Gefahr von diesem Standort ausgeht. Aber auch eigenes Denken hätte so etwas verhindern können. Jedem Kürbitzer ist bekannt, dass man an diesem Standort in regelmäßigem Abstand nasse Füße bekommt. Selbst bei fast jeden Schneeschmelzen im Frühjahr drückte das Wasser der Weißen Elster, durch die Entwässerung der Häuser, in die Kellerräume.
    Das Jahr ist noch nicht rum, mal sehen was es noch bringt. Auf jedem Fall kann man Hr. Roth und allen Betroffenen nur so viel zurufen: - Nach dem Hochwasser ist vor .....-.



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