Nach Kalk-Kritik: Forst lässt Landrat abblitzen

Der Waldboden ist sauer, und Rolf Keil ist es auch: Zum wiederholten Mal hat der Kreischef den Kalkabwurf mitten in der Hauptferienzeit angeprangert. Nun setzt es den Konter.

Schöneck.

Gut gelaunt schien Landrat Rolf Keil (CDU) einen der ersten öffentlichen Termine nach seinem Sommerurlaub anzugehen. Doch das änderte sich. Die Miene des 62-Jährigen verdüsterte sich, das Schimpfen begann. "Die Forstverwaltung kalkt mitten in der Saison. Betroffen sind in Schöneck Bikepark, Hotel und Wanderwege. Damit kann ich nicht leben", empörte sich Keil, Vorsitzender des Tourismusverbandes Vogtland. "Es ist eine einfache Frage: Bin ich bereit, Tourismus zu akzeptieren und damit eine Doppelnutzung des Waldes?", fragte Keil. Die Antwort stand für ihn fest. "Der Wille ist einfach nicht da", kritisierte er den Sachsenforst.

Dass es die Hilfe aus der Luft gegen das Versauern der Waldböden geben muss, sei unstrittig, so Keil. Aber wenn "massenweise Tagesgäste" Wälder um Schöneck frequentieren, wollen sie wohl kaum eingestaubt werden, sagte er. Als jemand, der aus der Landwirtschaft komme wie er, wisse er, dass für das Kalken von Juni bis September Zeit sei. Keil hat sich jetzt bei Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beschwert. Schon 2017 hatte der Landrat wegen des Zeitpunkts der Kalkung Alarm geschlagen. "Diesmal ist es noch krasser." Die Kalk-Offensive als Retourkutsche für seine Kritik? "Da kann man sich seinen Reim drauf machen", sagte er. Im Rathaus Schöneck seien Beschwerden von Urlaubern zur Kalkung aufgelaufen, so Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU).

Der Sachsenforst keilt auf die Landrat-Kritik zwar nicht zurück, aber er kontert. Schon im Dezember seien Waldbesitzer, Gemeinden und Landratsamt zum Kalken informiert worden - Abstimmungen zu Zeitpunkt und den genauen Kalkungsflächen hätten stattgefunden und seien von den Beteiligten mitgetragen worden, hieß es. "Bis zum heutigen Tag gingen keinerlei Anfragen oder Beschwerden beim Forstbezirk ein", so Sprecherin Mandy Köppl. Der Sachsenforst fragte seinerseits beim Ifa-Ferienpark, ob sich Gäste durchs Kalken in ihrer Freizeitgestaltung eingeschränkt fühlten. "Doch beim Ferienpark waren keine Beschwerden bekannt", sagt Mandy Köppl. Auch seien bei den regelmäßigen Kontrollen vor Ort keine Beschwerden an Forst-Mitarbeiter gerichtet worden. "Um Aspekten von Tourismus und Sport gerecht zu werden, sind die betroffenen Waldgebiete immer nur zwei bis drei Tage gesperrt", betont die Sprecherin. Am Ferienpark wurde vom 31. Juli bis zum 2. August gekalkt.

Im Vogtland rieselt voraussichtlich bis 17. August Kalk über 883 Hektar Wald. Dass das Zeitfenster für die Aktion so groß ist, wie von Keil behauptet, stimme nicht. Bis Mai/Juni ist Brutzeit, ab Mitte August sei mit Einschränkungen durch Morgennebel zu rechnen, was zwei bis vier Stunden Zeitverlust bringe. Und: Für die Kalkung schlecht erschließbarer Privatwälder sei der Forst auf Äcker als Lager- und Landeplätze angewiesen - auf die Zeit von der Ernte Ende Juli bis zur Neubestellung Mitte August, sagte Köppl. Das Ministerium hatte Keils Kalk-Kritik 2017 zurückgewiesen. Der damalige Umweltstaatssekretär Herbert Wolff warf Keil eine "Scheindebatte" vor.

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