Nachgebaute Grenzsäule enthüllt: Ex-Flüchtling erinnert an Mauer

Ralph Georgi aus Zwickau floh 1988 über Ungarn in den Westen. Die ehemalige Grenze ließ ihn nicht los. Am Montag kam er ins Vogtland und hatte jede Menge zu erzählen.

Kaiserhammer.

Es ist die Zeit für die ganz persönlichen Geschichten, die im Jahr 2019 zum 30. Jahrestag des Grünen Bandes erzählt werden. Wie die von Ralph Georgi, der aus Zwickau stammt. Als junger Mann floh der kirchlich engagierte Schreiner mit einer Frau über Ungarn in den Westen. Drei Jahrzehnte später ist er Initiator für den Nachbau ehemaliger Grenzsäulen. Damit nie vergessen wird, was diese Trennungslinie war und für die Menschen bedeutete. Die erste "seiner" Säulen enthüllte Georgi am Montagnachmittag am früheren Kolonnenweg nahe dem Dreiländereck. An der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die heute nationales Naturmonument ist.

Die Säule Nr. 2735 war die letzte auf fast 1400 Kilometern Grenze. Ihre Enthüllung war eingebettet in einen vollgepackten Tag mit Besuchen der vier Umweltminister aus Tschechien, Bayern, Sachsen und Thüringen, mit Einweihung einer Infotafel und der Flussperlmuschelaufzuchtstation in der Huschermühle auf bayerischer Seite. Die Säule selbst ist der Beitrag, den Ralph Georgi und seine Frau Ilka ganz praktisch für das leisten, was in Politikerreden Erinnerungskultur heißt. "Vor sieben Jahren habe ich meine ganz eigene Grenzwanderung begonnen", erzählt der 52-Jährige, der heute im Sinntal an der Grenze von Bayern und Hessen lebt. Mit seinem Zwickauer Jugendfreund Hendrik Schmidt hatte er die Idee, den früheren Todesstreifen abzulaufen, Jahr für Jahr in Etappen. Auf dieser Erkundung zu Fuß lernten beide spannende Leute kennen - wie den Altmärker Jürgen Starck, der selbst sechs neue Säulen setzte. "Wir sind auf das Pferd aufgesprungen", sagt Georgi - eine Freundschaft entstand und Projekte. Im Juni wird er das letzte Stück Grenze von Hitzacker bis Priwall ablaufen und die Nachbildung der Säule Nr. 1 direkt am Ostseestrand einweihen. Säule 3 ist in der Mitte des Grünen Bandes bei Duderstadt geplant. Die Nachbauten orientieren sich stark am Original - auch in Material und Herstellungsart. "Sie sind sehr klaugefährdet", weiß Georgi, dass mancher sich eine Säule unter den Nagel reißt. Doch mit gut 400 Kilo ist die Säule ein Koloss - aufgestellt etwas entfernt vom Originalstandort, der sich abseits vom Weg hinter dem früheren Kfz-Sperrgraben befindet.


"Die Grenze muss eine sichtbare Spur in der Landschaft sein - erfahrbar, erlebbar", meinte Hubert Weiger, Vorsitzender der Naturschutzorganisation BUND, der auf die Anfänge des Grünen Bands einging. Wie wichtig dies ist, belegte Thomas Findeis von der Unteren Naturschutzbehörde: Allein an den 42 Kilometer Grünes Band im Vogtlandkreis, drei Prozent der Grenzlänge gesamt, gibt es 17 von 25 europaweit gefährdeten Lebensräumen.

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