Nazi-Verfolgte warnen vor neuem Faschismus

Deutliche Worte bei Gedenkstunde auf dem Plauener Friedhof

Plauen.

Mitglieder des Kreisverbandes Plauen-Vogtland der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BDA) haben gestern in Plauen und in Lengenfeld der Opfer des Faschismus gedacht. Anlass war der gestrige Gedenktag für die Opfer des Faschismus, der an jedem zweiten Sonntag im September stattfindet. An der Gedenkstätte auf dem Hauptfriedhof in Plauen wurde ein Kranz niedergelegt. In Lengenfeld trafen sich Bürger in der KZ-Gedenkstätte am Walkmühlenweg und gedachten der Toten.

"Wir glaubten, dass damit ein für alle Mal Schluss ist", sagte Willi Ronz vom VVN-BDA auf dem Hauptfriedhof in einer kurzen Ansprache. Mit "damit" meinte er den deutschen Nationalsozialismus in den Jahren 1933 bis 1945. Aber: "Der Neofaschismus ist leider wieder im Erstarken." Die jüngsten Vorfälle bei Demonstrationen in Chemnitz seien ein Beleg dafür. "Schuld ist die Politik, die den Anfängen nicht gewehrt hat", meinte der Plauener. Jetzt sei es schon sehr spät, um etwas dagegen zu tun. "Wenn es nicht schon zu spät ist", so der 91-Jährige.

Die Grabstätte auf dem Hauptfriedhof besteht aus einer Gedenktafel mit dem Julius-Fucik-Zitat "Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!" Auf dem bepflanzten Gräberfeld davor liegen 244 Namenstafeln aus Stein. Es sind die Namen von Verfolgten des Naziregimes und von Gegnern des Nationalsozialismus, die vor und nach Kriegsende 1945 verstorben sind. Nicht alle davon haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Areal in Reusa. Manche Namen sind nur im Gedenken genannt. Auf den Steinen stehen unter anderem Erich Knauf, Fritz Schmenkel, Willy Thoß, Kurt Mittag, Eugen Fritzsch. Einige Felder sind noch frei.

Auf der Grünfläche unterhalb des Krematoriums wurden im September 1945 zunächst 15 unbekannte KZ-Häftlinge beigesetzt, die nach Kriegsende in umliegenden Gemeinden gefunden worden waren. Schritt für Schritt entstand dann die Gedenkstätte. Nicht nur am Gedenktag für die Opfer des Faschismus, sondern auch am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar, finden dort Kranzniederlegungen statt.

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