Neuer Sensor soll vor Deichbrüchen warnen

Unter Leitung der Plauener Firma M & S Umweltprojekt wird derzeit ein Hochwasserschutzprojekt vorangetrieben. Erste Ergebnisse wurden nun vorgestellt.

Plauen.

Wenn ein Mensch in kurzer Zeit drei Jahrhunderthochwasser und drei Jahrhundertdürren erlebt, kann mit dem Klima was nicht stimmen. "Durch diese wiederkehrenden Extreme werden zum Beispiel Dämme und Deiche porös beziehungsweise in der Folge brüchig", stellt Isabel Schulze voran. Die junge Frau ist für die Firma M & S Umweltprojekt tätig. Unter Leitung dieses Plauener Unternehmens entwickelt ein Konsortium seit anderthalb Jahren ein Vorhersagesystem für Deichbrüche auf Basis experimenteller und mathematischer Modelle. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2,4 Millionen Euro für dieses Hochwasserforschungsprojekt.

Zum Statusseminar präsentierten die Wissenschaftler am Dienstag erstmals eine Art Tablette, die im Boden versenkt und regelmäßig kontrolliert werden kann. "Sie dient also als eine Art Sensor. So ist es möglich, deutlich früher bruchgefährdete Bereiche zu erkennen und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten", stellt Prof. Dr. Bernd Märtner in Aussicht. Der M & S-Geschäftsführer macht sich wegen der vermehrten Überschwemmungen in Deutschland Sorgen. Und mit ihm haben auch die Firma WTU Weischlitz, das Kurt-Schwabe-Institut für Mess- und Sensortechnik Meinsberg sowie die Technische Universität Dresden die Zeichen der Zeit erkannt. Zum Entwicklerteam gehören mit Prof. Dr.-Ing. Peter-Wolfgang Gräber sowie Prof. Dr.-Ing. Michael Mertig zwei in der Branche prominente Wissenschaftler. Außerdem interessiert sich mittlerweile das nordbayrische Kompetenznetzwerk Wasser und Energie mit Sitz im oberfränkischen Hof für das sächsische Modell. Dessen Geschäftsführer Steffen Magdeburg ist Diplombiologe. Er verfolgte gespannt die sieben Referate im M & S-Konferenzsaal in Plauen.

Die Entwickler haben trotz des ersten Teilerfolges noch einiges an Arbeit vor sich. "Dauerhafte Hitze und fortwährende Nässe schwächen wasserbauliche Erddämme. Es entstehen Risse. Kommt dann ein Starkregen oder gar ein richtiges Hochwasser, dann wird es für die Ortschaften eng. Wenn man zuvor erfahren kann, wie es im Inneren von einem Damm aussieht, ist dies ein großer Schritt nach vorn. Denn dann kann man Maßnahmen ergreifen. Welche sinnvoll, machbar und bezahlbar sind, das erforschen wir als nächstes", blickt Bernd Märtner auf die kommenden anderthalb Jahre. Diplomingenieur Tommy Gambke von M & S stellt klar: "Jeder von uns alleine könnte überhaupt nichts bewirken. Aber als Kooperationsverbund haben wir große Möglichkeiten." Deshalb sitzt zum Beispiel auch der Zweckverband Wasser und Abwasser Vogtland in Person von Bereichsleiterin Waltraud Muß mit im Seminar.

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