Neuer Weg gegen Mangel an Ärzten

Das Vogtland-Klinikum Plauen will jungen Leuten aus dem Vogtland neue Möglichkeiten zu einem Medizinstudium eröffnen - ohne Numerus clausus. Das mit heißer Nadel gestrickte Angebot stößt auf lebhaftes Interesse.

Plauen.

Es hat dem Vogtland bisher wenig gebracht, mit Flyern oder Praktikumsangeboten an Sachsens Hochschulen um Ärztenachwuchs für die Region zu werben. Ralph Junghans, seit Monatsbeginn neuer Geschäftsführer am Helios Vogtland-Klinikum Plauen, sagt: Von jährlich 600 Absolventen in Sachsens Studiengängen für Medizin bleiben nur rund 150 im Freistaat. Und davon finden fast alle Arbeit in und um Dresden und Leipzig.

Gemeinsam wollen Akteure aus ganz Sachsen jetzt einen neuen Weg dagegen setzen: Ab Oktober unterstützen das Vogtland-Klinikum und andere Praxispartner den neuen Bachelor-Studiengang zum Medizinischen Behandlungsassistenten (MedBA). Die ersten zwei Semester bilden zugleich ein Orientierungsjahr, das den Zugang zum neuen Modellstudiengang Humanmedizin erleichtern soll, der ab 2020 in Chemnitz etabliert wird (Medic). Beides soll helfen, junge Leute aus der Region für ärztlichen Berufsnachwuchs in der Region zu halten.


Im Orientierungsjahr sind ein gezieltes Mentoring der Studenten sowie ihre fundierte Vorbereitung auf Auswahlverfahren zum Medic- oder anderen Medizinstudiengängen, darunter auf den TMS-Eignungstest sowie durch Praktika, geplant. Das erläuterten Dr. Kornelia Möser von der Dresden International University, die das Bachelorstudium anbieten wird, und Dr. Timo Siepmann vom Uniklinikum Dresden, der den Medic-Modellstudiengang mit entwickelt. Am Dienstag stellten sie vor 40 Interessenten das Konzept vor.

Die Zuhörer - Abiturienten, medizinisches Personal der Klinik und Interessenten, die sich aufgrund des Numerus clausus in sogenannten Wartesemestern befinden - stellten viele Fragen. Nesa Syla, eine der Zuhörerinnen, wird sich wahrscheinlich für das Orientierungsjahr bewerben, sagte die Abiturientin des Plauener Lessing-Gymnasiums im Anschluss der "Freien Presse". Die in Aussicht gestellte Vorbereitung auf den TMS-Test war für sie das schlagende Argument. Zu den Zuhörern gehörte auch Tobias Günther. Der 23-Jährige arbeitet als Krankenpfleger am Klinikum und beginnt im Herbst an der Plauener Berufsakademie mit dem Studium zum Physician Assistant. Die geplante Modulform im Modellstudiengang finde er aber eine gute Idee, sagte er.

Dr. Oliver Schilling, Ärztlicher Direktor des Vogtland-Klinikums, begrüßt das neue Angebot. Unter Medizinern bestehe Einigkeit, dass der Numerus Clausus bei Zulassung zum Studium zu wenig Persönlichkeit und Praxistauglichkeit der Bewerber berücksichtige. Geschäftsführer Junghans hofft, dass der neue Weg langfristig aufgeht: "Wir sprechen von Leuten, die in zehn bis zwölf Jahren ihren Facharzt ablegen." Das Angebot ist mit heißer Nadel gestrickt, weiß Junghans. Seinen Angaben zufolge haben die Landtagsabgeordneten Frank Heidan und Andreas Heinz (beide CDU) die Vorbereitungen auf politischer Ebene intensiv unterstützt.

Bewerbungen für das Bachelor-Studium zum Medizinischen Behandlungsassistenten ab Oktober und für das Orientierungsjahr zum weiterführenden Medizinstudium ab 2020 nimmt das Vogtland-Klinikum bis 27. August entgegen. Bis 13.September soll über die Zulassung von Bewerbern entschieden werden. www.helios-gesundheit.de

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...