Neues Projekt hinter der Friedhofsmauer

Das vor zehn Jahren auf dem Friedhof II gestartete Arboretum findet in Plauen viel Zuspruch. Doch ein Problem bereitet im Baumpark Sorgen.

Plauen.

Es begann vor zehn Jahren als ein Versuch, als eine Art Experiment. Der Friedhof II sollte langfristig zu einem Arboretum umgewandelt werden. Inzwischen verdrängt der Charakter eines Baumparks mehr und mehr den des einstigen Friedhofs. Heute verorten die Initiatoren um den Verein der Freunde Plauens auf dem Areal am unteren Teil der Chamissostraße auch einen Ort des beispielhaften Bürgersinns.

Etliche Plauener haben auf ganz unterschiedlichen Ebenen ihr Interesse und auch ihre Liebe zu diesem reizvollen Flecken Erde gefunden. Das berichtet der Landschaftsarchitekt und Naturschutzbeauftragte Bernhard Weisbach. Hinter der roten Ziegelmauer, die das knapp fünf Hektar große Areal umfasst, sind inzwischen diverse Bäume und Sträucher gepflanzt worden und ergänzen den ohnehin prächtigen Baumbestand.

Eine Imkerin fand dort vor anderthalb Jahren ihr neues Domizil. Dass die Frau Lehrerin ist und ihr Sohn sich bereits mit Eifer als Nachwuchsimker betätigt, lässt Bernhard Weisbach hoffen. Der Naturfreund und Fachmann möchte dort begonnene Schülerprojekte weiterführen - da kommt ihm eine bienenzüchtende Pädagogin gerade recht.

Weisbach berichtet zudem von einer zunächst gelangweilt aufgeschlagenen Schulklasse, die sich derart in ihr Arboretum-Projekt hinein wühlte, dass sie beim Pegasus-Schülerprojekt einen Preis abräumen konnte. Und jene jungen Plauener bewiesen Bürgersinn: Sie spendeten ihr Preisgeld für das Arboretum. Nicht zuletzt ist es vier Bürgern zu verdanken, dass die jungen Bäume und Pflanzen den trockenen Hitzesommer 2018 überstanden haben. Sie kamen täglich zum Gießen. Die beiden Brunnen - auch das eine wichtige Erkenntnis für das Baumpark-Projekt - hielten durch.

"Wir haben mehr Spenden, als wir Bäume pflanzen können", verweist Bernhard Weisbach auf eine andere Form der Hilfe. Eine Tafel am oberen Eingang listet die aktiven und die (bisher verhinderten) Spender auf. Für eine erste Sanierung der Kapelle und des Toilettentraktes hat es ebenfalls gereicht.

Auch der Apothekergarten als nächstes Projekt ist von Bürgersinn getragen. Apotheker engagieren sich für Konzept und Auswahl der Heilpflanzen, und eine ganz besondere Spende wartet in Mühltroff: Von dort soll ein vergessener Pavillon umgesetzt und zum Zentrum des Apothekergartens werden.

Angesichts dieser Bilanz zollen Plauener Stadträte wie Bernd Stubenrauch (SPD) und Dieter Rappenhöner (Grüne) den Initiatoren Respekt und Sympathie. Die Linken haben im Arboretum "gegraben und gerostert", wie Klaus Jäger einen Arbeitseinsatz mit anschließender Stärkung salopp umschreibt.

Das Sorgenkind des Arboretums ist indes die instabile Außenmauer. Bernhard Weisbach bezeichnet die Umgrenzung als "das Grundgerüst der Anlage". Die Mauer könne man niemals durch einen Maschendrahtzaun ersetzen - unter anderem aus optischen und funktionalen Gründen. Auf der Rückseite sind teilweise denkmalgeschützte Gräber. Daher appelliert der Landschaftsarchitekt an die Entscheidungsträger der Stadt, dafür Geld locker zu machen. Die Kosten für die 700 Meter lange Mauer schätzt er auf 250.000 Euro - die Sanierung wäre allerdings in Abschnitten möglich.

In den nächsten vier Haushaltsjahren ist das Projekt noch nicht eingeordnet, sagt Baubürgermeister Levente Sárközy. Er macht jedoch zugleich Hoffnung: Eine Sanierung in mehreren Abschnitten sei besser einzuordnen als ein Gesamtprojekt dieser Größenordnung.

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