Neundorfer fühlen sich im neuen Busnetz von Plauen abgehängt

Durch die neuen Rufbusse sollen die Plauener in den Außenbezirken eigentlich besser ins Stadtzentrum kommen. Die ersten Erfahrungen zeigen jedoch: Das Gegenteil ist der Fall.

Neundorf.

Die zur Neundorfer Ortschaftsratssitzung am Dienstagabend gekommenen älteren Einwohner wollen nicht viel: Sie möchten am Vormittag mit einem Bus in die Stadt, ins Stadtzentrum und zum Oberen Bahnhof. Bis Oktober war das mit einem gegen 9.30 Uhr in der Dorfmitte abfahrenden Wagen auch kein Problem. Mit dem Start des neuen Vogtland-Busnetzes ist diese Anbindung aber Geschichte, und jetzt sitzen die Senioren auf dem Trockenen. Der Unmut darüber wurde in der Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstag deutlich.

"Man hat mir stattdessen den Schulbus angeboten", berichtete eine ältere Dame. Der fahre aber bereits frühmorgens kurz vor 8 Uhr in die Stadt. Da haben die Läden noch nicht auf. Um einen zeitigen Arzttermin wahrnehmen zu können, sei dieses Angebot geeignet. Aber wenn man eine oder zwei Stunden später zur medizinischen Behandlung müsse, nütze der Schulbus nichts.

Im neuen Fahrplan steht eine Linie, die mitten durch das Dorf verläuft. Der Rufbus 45 kommt aus Kornbach, fährt durch das Dorf zum Rosa-Luxemburg-Platz und dann in die Possig. Jetzt könnte man meinen, dass die Bürger am Dorfplatz einsteigen und zumindest zur Straßenbahnendhaltestelle am Rosa-Luxemburg-Platz gelangen können. Das geht aber nicht: "Der Bus hält dort nur zum Aussteigen, man darf nicht einsteigen", machte eine Neundorferin auf die entsprechenden Zusatzzeichen im Fahrplan aufmerksam. Das Einsteigeverbot gilt für den Dorfplatz, den Mittelweg und den Eichhübel. Nur an der Schäferei ist der Zustieg gestattet. Bei der vom Rosa-Luxemburg-Platz über den Neundorfer Grenzweg nach Weischlitz verlaufenden Rufbuslinie 47 ist es umgekehrt: Am Heineplatz, am Neundorfer Grenzweg und am Straßberger Haltepunkt darf niemand aussteigen, nur einsteigen. Sowas bringt die Leute auf die Palme.

"Neundorf ist nur noch Zielort, wo man aussteigen kann", stellte Ortsvorsteher Uwe Trillitzsch fest. Auch sein Telefonat mit dem zuständigen Verkehrsverbund Vogtland hat nichts gebracht. Der Ortsteil habe ja das Anrufsammeltaxi der Straßenbahn, bekam der Ortschef zur Antwort. Mit diesem Anrufsammeltaxi (AST) haben manche Bürger aber keine guten Erfahrungen gemacht. Darüber wurde bereits in der Oktobersitzung berichtet, und jetzt wieder.

Sie habe im Sommer bei 35 Grad im Schatten eine mit vielen Taschen bepackte ältere Frau am Rosa-Luxemburg-Platz auf ein bestelltes Anrufsammeltaxi warten sehen und sie angesprochen, berichtete eine Teilnehmerin der Sitzung. Sie habe länger als eine halbe Stunde gestanden und erst beim nochmaligen dritten Anruf kam ein Wagen. Ähnliche Erfahrungen haben andere Nutzer des AST geschildert.

Ortsvorsteher Uwe Trillitzsch will sich mit einem Brief nochmals an die zuständigen Stellen wenden und um eine Änderung der Linien bitten. Was die Leute wollen, das ist vor allem ein Vormittagsbus in die Stadt und zum Bahnhof.

Als Alternative brachte der Ortsvorsteher die Einrichtung eines eigenen Bürgerbusses ins Gespräch. "Dazu bräuchten wir aber ehrenamtliche Fahrer", machte er deutlich. Auch ein Fahrzeug müsste aufgetrieben werden. Deshalb will sich der Ortschaftsrat lieber eine Änderung des Busliniennetzes erreichen. Die Fahrzeiten des Schulbusses sollen in den Schaukästen des Ortes ausgehangen werden.

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