Ortsvorsteher schlägt Alarm: Wisenta in Mühltroff liegt trocken

Es ist ein ungewöhnliches und zugleich erschreckendes Bild. Alles ist trocken, die Ufersteine liegen bloß. Wo sonst die Wisenta in Mühltroff entlang fließt, fehlt jegliches Wasser.

Mühltroff.

Der Fluss ist regelrecht ausgetrocknet. "Das gab es noch nie, das ist ein Novum", sagt Mario Taubner-Wude, Ortsvorsteher von Mühltroff. Zumindest stehe von so einem Fall nichts in historischen Aufzeichnungen. "Vor ein paar Jahren sollte hier die geschützte Flussperlmuschel angesiedelt werden, und jetzt das." Das sei ein Desaster.

Nahe des Schützenhauses findet man in der Wisenta keinen Wassertropfen mehr. Nur ab und an, an manchen Stellen des Flusslaufes in Mühltroff, ist eine kleinere Wasserlache zu sehen. Von Jauche, stinkender Suppe und totem Getier spricht der Ortsvorsteher. Fische seien zuhauf gestorben. "Unterhalb von Mühltroff, in Richtung Langenbach, ist noch etwas Wasser", so Taubner-Wude. "Dort sind auch noch Fische."

In den Ausspülungen habe man Tiere gesehen. Doch auch diese Fische seien in Gefahr. "Wir brauchen eine schnelle Lösung", sagt der Mühltroffer Ortschef. Er habe zudem den Verdacht, dass unerlaubt Wasser entnommen wurde oder wird. Denn ihm sei aufgefallen: "Der Langenbacher Bach führt noch Wasser und auch der Königsbach von Schönbach." Wenn die Wisenta kilometerweit austrocknen würde, wäre das ein unwiederbringlicher Schaden für die Fauna und Flora dort. Auch die Mühltroffer Bürger fragen und machen sich Sorgen.

Mario Taubner-Wude hat inzwischen den Stadtrat und die Stadtverwaltung Pausa-Mühltroff informiert, auch im Ortschaftsrat Mühltroff wurde beratschlagt. Man wolle mehrgleisig auf das Problem reagieren, denn die Zeit renne davon. Vom Landratsamt im Vogtlandkreis wurde der Mühltroffer an den Saale-Orla-Kreis verwiesen, da sich die Wisentaquelle auf Thüringer Seite nahe Rothenacker und Willersdorf befindet.

Aus dem Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in Schleiz heißt es auf Nachfrage von "Freie Presse", dass der Zustand auf die außergewöhnliche Dürre zurückzuführen sei und man von Amts wegen nichts tun könne. Im Oberbereich der Wisenta, zu welchem der Quellbereich bis Mühltroff umfasst, wurden am Montag und Dienstag je eine Vor-Ort-Begehung durchgeführt, wobei man keine unerlaubte Wasserentnahmen festgestellt habe. "Wir sind am Überlegen, ob wir - wie im Vogtlandkreis - eine Allgemeinverfügung erlassen, um die Bevölkerung zu sensibilisieren, dass kein Wasser entnommen wird", so die Information von der Unteren Wasserbehörde im Schleizer Landratsamt. Bestätigt wurde vom Amt zudem, dass von der Wisenta zu keiner Zeit Wasserentnahmen genehmigt sind. Bei den Vor-Ort-Begehungen wurde festgestellt, dass es auch vom Quellbereich über Unterkoskau bis nach Mühltroff Bereiche gebe, wo sich kein Wasser mehr im Flussbett befindet. In Schleiz indes sieht es besser aus, weil die Wisenta von der Talsperre in Lössau, die vor der Kreisstadt liegt, mit gespeist wird.

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2Kommentare
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    Tauchsieder
    17.08.2018

    Ein typisches Ping-Pong-Spiel der Behörden. Eine schiebt der anderen die Verantwortung zu.
    Doch einige aufgeworfene Fragen beantworten sich eigentlich von selbst. Da ist das Problem mit den Fischen. Dafür ist der zuständige Fischereirechtsinhaber(Pächter) voll verantwortlich. Jeweils nach dem sächs. und dem thüring. Fischereigesetz hat der Pächter Schaden vom Fischbestand abzuwenden heißt, zur Not muss abgefischt werden und der Fischbestand z.B. in die hier erwähnte Tsp. Lössau umgesetzt werden. Und das mit der Wasserentnahme hat sich eigentlich von selbst geklärt. Wo kein Wasser ist kann keins entnommen werden. Auch die Ortsbegehung tagsüber wird wohl kaum etwas ans Tageslicht bringen. Wenn schon sollte dies am Abend oder Nachts geschehen.

  • 1
    1
    aussaugerges
    17.08.2018

    Ja wenn Quellgebiete zu Beton Gewerbegebiet wird.
    Schlimm,schlimm.



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