Personalkosten der Kreisbehörde steigen von Rekord zu Rekord

Kommt der klamme Vogtlandkreis vom Sparkurs ab? Bis 2020 sollte er auf 798 Stellen schrumpfen, im Plan stehen aktuell 1027.

Plauen.

In schöner Regelmäßigkeit haben Aufsichtsbehörden wie die Landesdirektion Sachsen oder auch der Sächsische Rechnungshof den Vogtlandkreis in der Vergangenheit immer wieder ermahnt, die Verwaltungskosten zu reduzieren. 2016 stand der Kreis vor seiner Zahlungsunfähigkeit. Um eine drohende Zwangsverwaltung zu vermeiden, verabschiedete der Kreistag mehrheitlich ein umstrittenes Sparpaket - doch um die Personalausgaben, einen der dicksten Brocken, macht der Sparkurs offenbar einen Bogen.

Rückblende: Oft wurde Personalabbau angekündigt, am deutlichsten im Dezember 2012. Der damalige Landrat Tassilo Lenk (CDU) erklärte vor Medienvertretern, die rund 50 Millionen Euro Personalausgaben bis "spätestens 2018" um ein Drittel zu reduzieren. Doch Anspruch und Wirklichkeit lagen und liegen weit auseinander. Die Personalausgaben des Vogtlandkreises gingen bis 2018 nicht, wie von Lenk angekündigt, auf rund 35 Millionen Euro zurück, sondern erreichten nach aktuellen Angaben der Kreisbehörde mit 61,7 Millionen Euro einen vorläufigen neuen Rekord.


Eine Trendwende ist auch mit Lenks Nachfolger Rolf Keil (CDU) als Landrat nicht in Sicht. Für 2019 hat der Kreis 66,7 Millionen Euro veranschlagt, für 2020 68,2 Millionen. Die 70-Millionen-Grenze fällt laut Plan 2021, und 2022 klettern die Personalkosten auf 72,9 Millionen Euro. In acht Jahren ein Zuwachs von gut 30 Prozent. Hingegen ist der Trend der Bevölkerungsentwicklung in der Region leicht rückläufig. Die Schere zwischen beiden Werten klafft immer weiter auseinander.

Ein Blick auf die Stellenpläne der vergangenen fünf Jahre zeigt, warum das so ist. 2014 standen 970 tariflich Beschäftigte und 47 Beamte im Stellenplan der Kreisbehörde, unterm Strich 1017 "Vollzeitäquivalente" (VZÄ), also Vollzeitstellen. Fünf Jahre später sind es 986 plus 40,75 - in Summe 1027 VZÄ. Die finanziellen Folgen kann jeder ausrechnen: Bei regelmäßigen Tarifanpassungen und annähernd konstanter Personalausstattung ist eine Senkung der Gesamtkosten nicht drin.

Da letztlich auch die Kreisbehörde mit dem von Jahr zu Jahr wachsenden Fachkräftemangel zu kämpfen hat, sind nicht alle Stellen besetzt. 2014 gab es 69 freie Vollzeitstellen von Mitarbeitern und Beamten, 2019 beträgt der Wert 85 VZÄ. Immerhin entlasten diese nicht besetzten Jobs den auf Kante genähten Haushaltsplan des Vogtlandkreises.

Der Kreistag hat mit dem Etat 2019 auch den Stellenplan mit 1027 VZÄ bestätigt. Das ist weit entfernt von der Vorgabe des Rechnungshofes vom 1. Oktober 2010. Der Vogtlandkreis, hieß es seinerzeit vom SRH, solle bis Dezember 2020 mit 798 Vollzeitstellen auskommen.

Warum sind diese 229 Stellen nicht eingespart worden? Jene Vorgabe der Rechnungsprüfer gab es, aber sie ist inzwischen überholt, sagt Landrat Keils Büroleiter Volker Neef. Für Ende 2018 habe der Rechnungshof in seiner Fortschreibung des Stellenplanes 935,74 VZÄ vorgegeben. Statt 229 müssten nur noch wenige Stellen wegfallen. Inklusive der nicht besetzten Jobs geht Neef davon aus, dass alles in allem bis Ende 2020 nur noch 9,5 Vollzeitstellen abzubauen sind. "Diese Zielvorgabe wird eingehalten werden", verspricht der Bürochef des Landrates. Das könne durch Nichtbesetzung von Stellen sowie durch Altersabgänge 2019 und 2020 erfolgen.

Als dämpfender Faktor wirken sich für den Kreisetat sogenannte Personalkosten-Erstattungen aus. Die überweist der Freistaat dem Landkreis mit der Übertragung von Aufgaben. Diese Summe wuchs von 2014 bis 2018 von 7,1 auf 9,2 Millionen Euro und macht 2019 einen Satz auf 14,6 Millionen Euro. Vor allem im Sozialbereich kommen immer wieder ein paar Stellen hinzu. Der Löwenanteil entfällt auf die Asylaufwendungen. So sind dafür 2014 drei neue Stellen entstanden, 2015 11,6 und 2016 sogar 57.

Mehr Aufgaben, mehr Kosten, mehr Personal: Für Volker Neef ist das plausibel. "Wir als Landkreis müssen Vorgaben umsetzen", verteidigt er den hohen Personalstand im Landratsamt. "Der Rechnungshof gibt Empfehlungen, an denen wir uns orientieren."

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen
7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    Zeitungss
    31.07.2019

    Es wäre nicht schlecht, würden die zahlungspflichtigen Bürger des Vogtlandkreises einmal die Kosten dem Nutzen gegenüberstellen, bei manchen Bürgern dürften dabei gesundheitliche Probleme auftreten, wenn sie darüber nachdenken, was aus diesem Haus ihnen schon alles zugemutet wurde. Nachdenken darf jeder selbst.

  • 2
    5
    WolfgangPetry
    31.07.2019

    Tatsächlich. Da diese Stellen laut Text aber vom Freistaat und nicht von der Stadt finanziert werden tragen sie nicht zur Steigerung der kommunalen Personalkosten bei.

  • 5
    4
    Tauchsieder
    30.07.2019

    Natürlich Hr. ".....Petry", der Text von Hr. Riedel, dem Journalist dieses Artikels, kurz vor Schluss, 4 u. 5 Zeile von unten.
    Aber mal ehrlich, so blamiert hat sich hier schon lange keiner mehr. Kleine Hilfestellung, wenn man mitreden und schreiben will ist die Grundvoraussetzung, dass man den Artikel gelesen hat.
    Sonst wird`s eben blamabel!

  • 1
    6
    WolfgangPetry
    30.07.2019

    Tauchsieder kann sicher eine Quelle zu seinen "Zahlen" hinzufügen?

  • 3
    3
    462198
    30.07.2019

    Na Klasse, der "Hetzer" nennt Zahlen. die "698236" nicht. SRH lügt auch? Kann jemand die Zahlen vom " Hetzer" widerlegen? Die Agumente schwinden anscheinend, ab jetzt wird nur noch gepöpelt. Bitte sachlich argumentieren 698236

  • 0
    9
    698236
    30.07.2019

    @Tauchsieder: Name ist Programm. Aufhetzen statt sachlich zu argumentieren. So eine Hetze kann man nicht stehen lassen. Und das was der SRH so zum besten gibt, lässt sich auch hinterfragen. Den Gesamtüberblick des SRH in der Kreisverwaltung kann nun mal sehr bezweiflet werden. Oder ist die Berichterstattung der FP lückenhaft?

  • 9
    4
    Tauchsieder
    30.07.2019

    Zitat: - Der Löwenanteil entfällt auf die Asylaufwendungen. So sind dafür 2014 drei neue Stellen entstanden, 2015 11,6 und 2016 sogar 57 - Zitat Ende.
    Aber Hr. Riedel, da müssen wir durch. Sie wissen doch auch, wir schaffen das.
    Jeder privatwirtschaftlich geführte Betrieb wäre mit solch einer Herangehensweise in kürzester Zeit Insolvent.



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