Pläne für neuen Schweinestall sorgen in Neuensalz für Protest

Die Agrargenossenschaft will Platz für 650 Tiere schaffen. Das gefällt nicht jedem im Ort. Die Landwirte gehen deshalb in die Offensive. "Wir haben nichts zu verbergen", sagt ihr Chef.

Neuensalz.

Der geplante Bau eines neuen Schweinestalls in Neuensalz durch die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz beunruhigt einige Bürger. Sie befürchten Geruchsbelästigungen und sammeln Unterschriften. Am Mittwoch lädt deshalb die Gemeinde Neuensalz die Einwohner für 18 Uhr in die Kapelle ein. Udo Weymann, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft, erläutert an diesem Abend das Projekt und beantwortet die Fragen der Gäste.

Einer der Initiatoren des Anwohnerprotestes, der namentlich nicht genannt werden möchte, beklagt sich im Vorfeld über fehlende Information. Von dem öffentlich bekannt gemachten Termin im August, bei dem Weymann den Gemeinderäten schon einmal Rede und Antwort stand, wussten die Anwohner nichts, weil sie den Aushang im Schaukasten nicht gelesen hatten. "Das war viel zu kurzfristig", beklagt der anonyme Unterschriftensammler. Die Einladung zur Sitzung hing eine Woche im Schaukasten aus.

Auf Nachfrage der "Freien Presse" erklärt der Genossenschaftsvorsitzende, dass er vom Anwohnerprotest nur durch Bürgermeisterin Carmen Künzel erfahren habe. "Bei uns hat sich seit August kein einziger Anwohner gemeldet", so Weymann. Er sei gerne bereit, zum Projekt Auskunft zu geben. "Wir haben nichts zu verbergen", sagt Weymann.

Geplant ist ein Stall für Schweine mit 650 Mastplätzen. Der Betrieb stalle Läufer (junge Schweine) ein, mäste diese und schlachte nach Bedarf für die eigene Direktvermarktung, sodass übers Jahr verteilt knapp 1000 Schweine in dem neuen Gebäude stehen. Den Stall möchte der Betrieb mit Stroh einstreuen. "Damit ist die Geruchsbelästigung von vornherein gering. Außerdem kommt diese Haltungsform dem Wohl der Tiere entgegen", sagt Weymann. Die Gerüche würden unter den Grenzwerten liegen. Das habe die schon erfolgte Emissionsprognose ergeben. Der Stall befinde sich zudem nicht in der Hauptwindrichtung der Bebauung, so Weymann weiter.

Die nächsten Wohnhäuser zum geplanten Baustandort befinden sich Luftlinie in zirka 320 Meter Entfernung. Zum künftigen Schweinestall bestehe von den Wohnhäusern aus kein direkter Sichtkontakt, weil dazwischen noch der Jungrinderstall stehe. "Wir haben als Standort den äußersten Platz des Grundstücks gewählt. Weiter weg vom Dorf können wir mit der Bebauung nicht gehen", erklärt Weymann. Auf dem Areal sei Schweinehaltung nichts Neues. "Bis 2005 gab es dort 1000 Mastplätze." Erforderlich ist laut Landratsamt, das als genehmigende Behörde den Antrag bearbeitet, ein Verfahren nach der Bundesimmissionsschutzverordnung ohne Bürgerbeteiligung. "Ungeachtet dessen werden unter anderem alle umweltrelevanten Aspekte eines solchen Projektes, wie zum Beispiel Emissionen in Form von Geruch und Geräuschen, umfassend untersucht", teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Weitere Auskünfte, etwa zum Bürgerprotest, verweigert das Landratsamt und verweist aufs laufende Verfahren.

4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    27.09.2019

    Schon mal was gehört "Lese.....", dass wir eine Überkapazität an Schweinefleisch haben. Gezwungen sind dies zu exportieren, für einen "Schweinepreis" und nicht noch die x-te Anlage benötigen, weil in unmittelbarer Nachbarschaft schon drei Anlagen existieren und die Gülle zum Nachteil unseres Trinkwassers auf dem Feld landet ?

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    Lesemuffel
    27.09.2019

    Tauchsieder, wo soll denn Deiner Meinung nach Schweinefleisch produziert werden? Natürlich im Ausland, nicht wahr?

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    Malleo
    27.09.2019

    Erst wenn der letzte Industriejob den Bach runtergegangen ist, der letzte Tagebau von Aktivisten blockiert, die letzte Ölheizung ausgebaut und der letzte Landwirt wegen zu vieler Schweine im Stall von Tierschützern vom Hof gejagt wurde, wird man leider feststellen müssen, dass Demokratie- und Sozialarbeiter, Influencer, youtuber wie auch Politiker eigentlich nichts herstellen, oder?

  • 2
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    Tauchsieder
    27.09.2019

    Kopfschütteln, einfach nur Kopfschütteln. - Wir gehen in die Offensive - ja zu verheimlichen gibt es ja auch nichts wenn`s einmal gen Himmel stinkt. Und an wem sollen sich die Bürger wenden, wenn nicht an die Ortsvorsteherin, oder die Genehmigungsbehörde.
    Eines sollten die betroffenen Bürger jedoch tun, sich trauen und an die Öffentlichkeit gehen und nicht nach dem Motto verfahren - Bitte keine Namen, bitte kein Bild usw. -. Übrigens bei der Aufzählung der Emissionen wurde ein wichtiger Punkt vergessen, wer viel frisst macht viel Mist -!



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