Plastikmüll und nächtlicher Lärm: Wut auf Plauener Firma wächst

Auf dem früheren Plamag-Gelände lagert tonnenweise geschredderter Kunststoff. Der dort aber nicht bleibt. Das ist nicht das einzige Problem. Der Verursacher ist offenbar ein Wiederholungstäter.

Plauen.

Offene und kaputte Säcke voller Plastik stapeln sich unter freiem Himmel auf dem früheren Plamag-Gelände in Plauen. Kunststoffstücke liegen im angrenzenden Gras und im Wald, rutschen durch Löcher im Gullydeckel in die Kanalisation. Ein Spaziergänger ist entsetzt: "Das geht alles in die Umwelt und ins Wasser", sagt der Mann, der die SRH Kunststoffe GmbH dafür verantwortlich macht. Auch Anwohner wollen die Firma nicht länger dort haben. Nächtlicher Lärm vom Firmengelände reißt sie immer wieder aus den Betten.

Bei der SRH Kunststoffe von Uwe Röhn, der nach eigenen Angaben 24 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb beschäftigt, werden PET-Plastikflaschen gewaschen und zerkleinert. Die Stückchen werden wieder zu Flaschen oder Folien, erklärt Röhn. Jedenfalls, wenn sie sich nicht selbstständig machen: Anwohner Andreas Gneupel hat schon mehrmals auf seinem Grundstück bunte Kunststoffteile gefunden. "Anfang des Jahres hatten wir Plastikstückchen im Garten", sagt er.

Nicht nur vom Müll, sondern auch von Krach zur Schlafenszeit können neben Gneupel weitere Anwohner der Straße Am Tannenhof ein Lied singen. "Seit anderthalb Jahren schlafen wir nicht mehr richtig", heißt es aus der Runde, die den Lärm auf Nachtarbeit bei Röhn zurückführt. Im Landratsamt hätten schon mehrere runde Tische stattgefunden, an denen neben Anliegern auch Dezernent Lars Beck, Umweltamtsleiter Tobias Pohl und Uwe Röhn teilnahmen. Zuletzt im Mai. "Röhn verspricht viel", seufzt ein Anwohner. "Aber es ändert sich wenig." Für die Betroffenen ist klar: "Wir wollen nicht hinnehmen, dass die SRH Kunststoffe hier bleibt, solange Lärmbelästigung, Brandgefahr und Umweltverschmutzung bestehen bleiben." Anwohner Gneupel erklärt: "Mit Lärm und Müll kann ich leben. Womit ich nicht leben kann, ist die Umweltverschmutzung."

Die Vorwürfe gegen den Unternehmer sind dem Landkreis nicht neu. Lärm sei bisher am Plauener Standort das Hauptproblem gewesen, erklärte Umweltamtsleiter Tobias Pohl auf Anfrage. Seit Mai 2017 hätten sich über 25 Anzeigen angesammelt, die sich in erster Linie gegen Krach in der Nacht richten. Aber auch schon vorher, als Röhn noch Geschäftsführer bei PET Vogtland in Neuensalz war, habe es Beschwerden gegeben, auch über herumfliegende Plastikteilchen - und eine ganze Reihe behördlicher Konsequenzen: Kontrollen, Anordnungen, die Mängel zu beheben, und Ordnungswidrigkeits-Verfahren.

In Plauen scheint sich das zu wiederholen: "Im Mai ist zum zweiten Mal in diesem Jahr ein nächtliches Betriebsverbot verfügt worden, gegen das der Betreiber in Widerspruch gegangen ist", erklärte Pohl. Die Hauptquelle des Krachs sei noch nicht gefunden. Weil er Auflagen nicht einhielt, seien Röhn schon im April empfindliche Zwangsgelder aufgebrummt worden. Ihm den Laden dichtmachen könne er nicht, so Pohl: Das sei Sache der Stadt Plauen.

Dass die Umweltbehörde ihm für Plauen zweimal Auflagen erteilt habe, das bestätigt Geschäftsführer Röhn. Dafür habe er "absolut Verständnis". "Wir haben immer sofort reagiert und die Mängel beseitigt." Direkte Beschwerden von Anwohnern seien ihm indes nicht bekannt.

Nicht nur auf dem früheren Plamag-Gelände, sondern auch an der nahen J.-C.-Dietrich-Straße lagern Plastikberge. Dazu erklärte Röhn: "Auf dem Lagerplatz lagert Material eines verbundenen Unternehmens, nicht unseres. Wir betreiben diesen nur seit letztem Jahr im Oktober, also kümmern uns um die Beladung. Unser Lagerplatz ist im Gelände der Plamag." Auf die dortige Müllproblematik ging er auf "Freie Presse"-Anfrage allerdings nicht ein.

Mit Blick auf die vordere Fläche erklärte der Geschäftsführer: "Derzeit wird der Platz beräumt, sodass bis Ende des Monats alles weg ist. Die Behörde hat uns angeschrieben und entsprechende Auflagen erteilt. Es ist nicht geplant, den Platz weiter zu betreiben. "

Röhn würde der Stadt indes gern den Rücken kehren und ins Gewerbegebiet "Goldene Höhe" in Treuen ziehen. Derzeit sei ein Umzug aber nicht absehbar.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    Tauchsieder
    17.07.2018

    Zitat : - Röhn würde der Stadt indes gern den Rücken kehren und ins Gewerbegebiet "Goldene Höhe" in Treuen ziehen - Zitat Ende.
    Ein Schelm der Böses dabei denkt. Dann liegt halt dort der Dreck rum aber mit dem Vorteil, keine Anwohner, weit vom Schuss und demzufolge auch keine Anzeigen. Dies alles wirft übrigens ein sehr schlechtes Bild auf den Standort Plamag und die dort befindlichen Firmen, die sich an Recht und Gesetz halten. Was sagen die denn zu diesem Problem?



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