"Plauen '89" als Touristenmagnet: Zähes Ringen um Dreifachprojekt

Es geht um Chancen, Geld, alte Sünden, neue Standortfragen: Wohin mit Informationszentrum, WC und Touristinformation?

Plauen.

Das politische Plauen redet sich zurzeit die Köpfe heiß über ein Projekt, in dem eigentlich quer durch Stadtrat, Verwaltung und Bürgerschaft viele eine große Chance für die Stadt sehen. Plauen will, ermuntert durch Zusagen vom Stasiakten-Bundesbeauftragten Roland Jahn, ein Informations- und Dokumentationszentrum (IDZ) etablieren, das Plauens herausragende Rolle bei der Friedlichen Revolution 1989 an einem geschichtsträchtigen Ort darstellt. Um das Wie gibt es indes eine lebhafte Kontroverse.

Fragen über Fragen: Wie und wo sollte das IDZ entstehen? Lässt sich ein solcher Gedenkort mit der Tourist-Information koppeln, die das Rathaus gern ausgelagert und an einem prägnanteren Ort platziert hätte? Kann als dritter Bestandteil das drückende WC-Problem in einem Abwasch mit gelöst werden? Denn der Stadt fällt jetzt auf die Füße, dass sie die Forderung nach öffentlichen Toiletten seit vielen Jahren vor sich herschiebt. Und die über allem schwebende Frage lautet: Was kann sich Plauen finanziell leisten?

Umstrittener Neubau: Die Stadtverwaltung favorisiert nach Variantenvergleich einen Neubau am Standort Melanchthonstraße. Es ist der Ort jener Proteste, die '89 erstmals die DDR-Staatsmacht zurückgedrängt hatten. Der Neubau am Wendedenkmal erfülle die Anforderungen, koste aber 1,9 Millionen Euro. Man rechne mit 85 Prozent Förderung. Nach Diskussion im Bau- und im Kulturausschuss ging's am Montagabend im Wirtschaftsförderungsausschuss erneut hoch her. Auch dort blieben Fragen unbeantwortet. Eine Einigung kam nicht zustande. Statt dem Rathaus grünes Licht zu geben, wurde die Beschlussvorlage auf CDU-Antrag vertagt.

Touristinfo im Spitzenmuseum: Die CDU-Stadtratsfraktion plädiert für einen sofortigen Stopp. Zunächst soll die Verwaltung den Bedarf erklären und Aussagen zu Synergien, Betreiberkonzepten und verkehrstechnischer Einordnung treffen. Für die Union bleibt das Brandschutzamt Favorit fürs IDZ, doch sie legt nach: Die Stadt soll prüfen, ob sich das Straßenbahn-Gebäude am Tunnel zum kombinierten touristischen Infopunkt und zur ersten Anlaufstelle in der Innenstadt eignet. Die Tourist-Information könnte ins Spitzenmuseum im Alten Rathaus umziehen. Für den alten Fremdenverkehrs-Anlaufpunkt soll die Verwaltung prüfen, ob er sich als Infopunkt für Stadtführungen eignet, inklusive Thematisierung 1989.

Verein schlägt Alarm: Nach den Turbulenzen in den Ausschusssitzungen meldete sich der Verein Vogtland '89 zu Wort. Er befürwortet "klar und eindeutig" den Neubau mit Dreifachnutzung am Wendedenkmal. Angesichts der Diskussionen im Stadtrat warnt Vereinschef Manfred Sörgel "vor kurzsichtigen Ablehnungen, die der historischen Tragweite und dem touristischen Potenzial nicht gerecht werden". Jetzt bestehe die Chance, einen modernen, effizient betriebenen Infopunkt zur Friedlichen Revolution am damaligen Ereignisort zu schaffen. Um ihn ständig nutzbar zu machen, sei ein Verbund mit der Tourist-Info notwendig. "Alles andere ist Augenwischerei und fehlinvestiertes Geld", erklärt Sörgel. Im Verein engagiert sich auch Plauens Ex-CDU-Fraktionschef Hansjoachim Weiß. Zur Neubau-Ablehnung seiner Parteifreunde sagt er: "Ich weiß nicht, was sie geritten hat."

Touristische Chancen: Im Wirtschaftsförderungsausschuss sprach Vereinsvize Dirk Heinze von jährlich 80.000 vor allem überregionalen Besuchern in Mödlareuth. Dort bestehe auch Interesse an einem weiteren Anlaufpunkt in der Nähe. Bayern will das einst geteilte Dorf "Little Berlin" mit Millionenaufwand ausbauen. In Mödlareuth das Grenzregime, in Plauen die Werte Freiheit und Demokratie: Das, so Heinze, wäre eine ideale Ergänzung.

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