Plauen ringt um Position zum Kulturpakt

Beschäftigte des Theaters Plauen-Zwickau sollen nach Jahren des Verzichts Tariflohn erhalten. Was erst einmal gut klingt, birgt einen Nachteil für die Stadt Plauen. Wird sie die Kröte schlucken?

Plauen/Zwickau.

Der neue Grundlagenvertrag für die Finanzierung des gemeinsamen Theaters Plauen-Zwickau wird im Plauener Stadtrat in seiner derzeitigen Fassung voraussichtlich keine Mehrheit erhalten. Das wurde in einer Sitzung des Verwaltungsausschusses am Mittwochabend deutlich. Der beriet erstmals öffentlich zu dem Thema. Vertreter von CDU, SPD/Grüne und Die Linke kündigten an, dass ihre Fraktionen dem aktuellen Entwurf in der Sitzung des Stadtrates am 18.Dezember nicht zustimmen werden. Der Zwickauer Stadtrat hat seine Zustimmung bereits erteilt.

Knackpunkt ist der sinkende Einfluss der Stadt Plauen in der gemeinsamen Theatergesellschaft. Bisher hält sie 40 Prozent der Anteile. Vorgesehen ist, dass sie auf 32,5 Prozent sinken. Der Aufsichtsrat würde mit 7:3 Mandaten künftig von Zwickau dominiert. Plauen sieht sich in die Statistenrolle gedrängt und fürchtet, dass das Vogtlandtheater in Zukunft nur noch Spielstätte wäre. Sinn und Zweck der Theaterfusion sei aber der Erhalt produzierenden Theaters an beiden Standorten gewesen.

Ursache der aktuellen Auseinandersetzung ist der angestrebte Beitritt zum sogenannten Kulturpakt, den der Freistaat Sachsen angeboten hat: Damit Beschäftigte des Theaters nach jahrelangem Verzicht in Tariflöhne zurückkehren können, bietet die Landesregierung mehr Geld, das die Gesellschafter mitfinanzieren müssen. Die Stadt Plauen, die sich in der Haushaltskonsolidierung befindet, kann nur eine begrenzte Summe aufbringen. Daraus ergibt sich ihr sinkender Anteil an der gemeinsamen Gesellschaft.

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) warb dennoch um die Zustimmung und teilte die Bedenken der Stadträte nicht: "Wir können das Mehrspartentheater jetzt auf weitere vier Jahre sichern. Die Frage, was wird danach, wird immer gestellt. Sie ist nicht abschließend zu beantworten. Aber wenn die handelnden Personen eine positive Einstellung behalten, ist mir darum nicht bange." Oberdorfer betonte die Vorteile: Sichere Finanzierung bis 2022, 100 Prozent Tariflohn für alle Beschäftigten, vergrößertes Angebot für das Publikum durch Rückkehr zur vollen Arbeitszeit. Anwesenden Vertretern des Zwickauer Stadtrates gab er den "ausdrücklichen Dank" an Zwickau mit: "Wir erhalten für 32,5 Prozent ein vollständiges Theaterangebot."

Vertreter der Fraktionen blieben indes bei ihrer Skepsis. Lutz Kowal-zick (CDU), Mitglied im Aufsichtsrat der Theatergesellschaft, brachte die auf den Punkt: "Wir haben von Zwickauer Seite ganz klar den Satz gehört: ,Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird.' Man hat davon gesprochen, dass man nach Auslaufen des Haustarifvertrages und Ende des Kündigungsschutzes Strukturmaßnahmen machen will. Auf Nachfrage, welche das sein sollen, blieb man vage. Kann sein, dass all das nicht passiert. Aber wenn doch, haben wir es nicht mehr mit in der Hand."

CDU und Linke, sonst selten überein, brachten im Verlauf der Debatte einen gemeinsamen Antrag ein. Sie schlagen vor, den angebotenen "Kulturpakt" nicht vollständig in Anspruch zu nehmen und so die bisherige Zuschussverteilung 40:60 beizubehalten. Der Oberbürgermeister soll dazu Verhandlungen mit Zwickau und den beteiligten Gewerkschaften aufnehmen.


Stimmen aus der Debatte

Jörg Schmidt, CDU-Fraktionschef: "Es wäre wichtig gewesen, das früher breit und öffentlich zu diskutieren, damit wir die Meinung der Bevölkerung einfließen lassen können. Ich hätte vom OB erwartet, dass er mit uns mehr in die Debatte geht."

Benjamin Zabel, Vorsitzender der SPD/Grüne-Fraktion: "Die Angst vor der Dominanz gibt es aufgrund der unterschiedlich starken Partner seit Beginn der Diskussionen über die Fusion ... Das Verhältnis sollte nicht auf Auseinandersetzung beruhen, deshalb brauchen wir weitere Verhandlungen mit Zwickau."

Claudia Hänsel, Linke-Fraktionschefin: "Eine Partnerschaft ist auf gleicher Augenhöhe. Das ist aber keine Partnerschaft mehr. Wenn wir als Plauen nicht mal mehr mitbestimmen können, dann sind 12,5 Millionen Euro ziemlich viel Geld."

Ralf Oberdorfer (FDP), Oberbürgermeister: "Wenn es so kommt, wie Sie hier befürchten, bin ich an Ihrer Seite. Dann gibt es immer noch die Möglichkeit, den Grundlagenvertrag aus wichtigem Grund zu kündigen. Aber etwas bloß zu befürchten und damit das Andere damit nicht zu ermöglichen, halte ich nicht für einen guten Weg."

Nicolaus Köhler, früherer Betriebsratschef des Theaters: "Machen Sie bitte die Belegschaft nicht zum Instrument. Wenn Sie die befragen, wird jeder das letztlich subjektiv beurteilen. Es wird das Ensemble spalten. Den Pakt an sich können Sie nicht in den Januar verschieben. Das wäre ein Affront gegen alles, was die Fusion Gutes zu Stande gebracht hat."

Roland May, Generalintendant: "Gehen Sie mit den Zwickauern in Klausur. Im Moment weht vielleicht ein etwas eisiger Wind. Man muss aber das Verbindende sehen."

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