Plauen und seine ehrgeizigen Bau-Pläne

96 Millionen Euro in drei Jahren, allein 2020 peilt das Rathaus Vorhaben für 23,9 Millionen Euro an: Ist das zu stemmen? Jetzt müssen die Stadträte ran.

Plauen.

Seit Jahren übt Plauen den Spagat, um möglichst viel Geld in Investitionstätigkeit zu stecken, ohne sich dabei finanziell zu überdehnen. Dieser Spagat wird 2020 offenbar noch ein wenig weiter reichen als zuletzt und die Stadt in Grenzbereiche führen. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) und Kämmerin Ute Göbel standen am Dienstag in der Stadtratssitzung für diese beiden Extreme: Während Oberdorfer das neue Stadtparlament für seine ehrgeizigen Pläne zu begeistern versuchte, warnte die Finanzfachfrau auch vor finanziellen Risiken. Ausgang ungewiss. Denn es ist eine Diskussionsgrundlage, die bisher auf dem Tisch liegt. Die Entscheidung liegt beim Stadtrat.

Oberdorfer mahnte die Stadträte zur Eile, da die Kosten zu steigen drohen, je später die Stadt die Bauleistungen ausschreiben kann. "Bei allem Respekt", sagte der OB, so hoffe er doch auf einen Haushaltsbeschluss für 2020 bis Dezember 2019. Und er relativierte zugleich: "Planungen sind dafür da, dass von ihnen abgewichen wird." Er sei offen für Vorschläge.

Im Rahmen der ersten Lesung zum Stadthaushalt legte die Verwaltung ihre Baupläne vor und packte Zahlen auf den Tisch: Insgesamt 96 Millionen Euro umfassen die Investitionen im Planungszeitraum 2020 bis 2022, davon 23,9 Millionen Euro für 2020. Zum Vergleich: Für den Planungszeitraum 2019 bis 2021 hatte die Stadt vor einem Jahr 9 Millionen Euro weniger veranschlagt.

In einem von Ute Göbel ausgereichten Papier ist eine Hitliste der 25 größten Plauener Bauvorhaben für 2020 enthalten (siehe nebenstehender Text: Die Top Ten der Bauvorhaben). Und gleich beim ersten Posten tauchen auch die ersten Fragen auf: 4,05 Millionen Euro hat die Stadtverwaltung für die Erschließung des "Industrie- und Gewerbegebietes Oberlosa Teil 1" geplant. Doch in Oberlosa wächst der Widerstand gegen die Pläne der Stadt. Bürger und Unternehmer befürchten Lärmbelästigung und Verkehrseinschränkungen. Sie beklagen Vertrauensverlust in ihre städtischen Verhandlungspartner. Nach Einreichung einer Normenkontrollklage scheint die Realisierung der Plauener Industrie-Pläne in Oberlosa ungewisser denn je.

Besser steht es um die weitere Sanierung des Nord-West-Flügels im Rathaus. 3,8 Millionen Euro sind dafür 2020 veranschlagt. Auf Rang 3 der Hitliste steht das Projekt zur Umgestaltung des Weisbachsches Hauses in ein Forum Textil und Spitze von überregionaler Bedeutung. Dafür sind 2,5 Millionen angesetzt.

Erhebliche Mittel sollen auch in die Sanierung der Schlossterrassen und die neue Kita Elsteraue fließen. Gleich drei größere Summen sind für die Grundschule Am Wartberg vorgesehen.

Ein erstes Vorhaben im Rahmen des 50-Millionen-Euro-Förderprojektes "Modellkommune Plauen" fällt bereits ins Jahr 2020: der Sporthallen-Neubau fürs Lessing-Gymnasium. Der Planungsvorlauf macht das möglich, während der Großteil des Projektes in den Folgejahren verwirklicht werden soll.


Die Top Ten der Bauvorhaben

4,05 Millionen Euro: Erschließung des Industrie- und Gewerbegebietes Oberlosa, Teil 1. Das Vorhaben war 2019 geplant und wurde verschoben.

3,8 Millionen Euro: weitere Sanierung des Nord-West-Flügels des Plauener Rathauses.

2,5 Millionen Euro: Umbau des Weisbachschen Hauses zum Forum für Textil und Spitze.

1,42 Millionen Euro: Neue Kindertagesstätte in der Elsteraue.

1,03 Millionen Euro: Außenanlagen der Schlossterrassen.

931.000 Euro: Neubau der Sporthalle für das Lessing-Gymnasium.

825.000 Euro: Generalsanierung der Grundschule Am Wartberg.

700.000 Euro: Sanierung der Taltitzer Straße in Meßbach.

686.000 Euro: Innere Sanierung der Turnhalle Grundschule Am Wartberg.

550.000 Euro: Energetische Sanierung Turnhalle Am Wartberg.

Insgesamt 25 Vorhaben nennt die Stadtverwaltung. Dazu gehören z.B.: Wohnmobilstellplatz an der Auenstraße (520.000 Euro), Neugestaltung Spielplatz und Grünanlage Paul-Schneider-Straße (376.000 Euro),

Planung Elsterbrücke (371.000 Euro), WC und Infopunkt Schlossterrassen (300.000 Euro) sowie Pläne für die Freilegung der Syra (100.000 Euro).

Quelle: Stadtverwaltung Plauen. Die Summen beziehen sich auf die vorgesehenen Auszahlungen für 2020. (ur)

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