Plauener Elsterbrücke: Eine tickende Zeitbombe?

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Die Neue Elsterbrücke in Plauen muss laut einem Gutachten erneuert werden. Aufgrund ihrer Bauweise ist sie gefährdet, heißt es. Ab 2022 soll es eigentlich losgehen.

Plauen.

Einen Hilferuf hat Plauens Baubürgermeisterin Kerstin Wolf (parteilos) jetzt an Plauens Stadträte adressiert: Die Stadtverwaltung habe ihren Antrag auf Fördermittel für den ab 2022 vorgesehenen Ersatzneubau der Neuen Elsterbrücke zurück erhalten - mit dem Hinweis, dass sie vor 2022 keine neuen Anträge beim Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr stellen dürfe. Elf der 13 Millionen Euro für die Baumaßnahme soll der Freistaat finanzieren, die Stadt selbst könne das nicht stemmen.

Laut Baubürgermeisterin Kerstin Wolf (parteilos) gibt es Risse in dem 1973 eingeweihten Betonbauwerk. Durch diese dringt Wasser ein, so dass im Tragwerk verbaute Spannstähle rosten können. Sogenannte Spannungsrisskorrosion droht - vor allem auch aufgrund damals verbauter Stahlqualität. Das kann zum "spontanen Versagen" der Spannstähle und im schlimmsten Fall zum Brückeneinsturz führen. Das Problem ist seit zehn Jahren bekannt.

Die 36 Meter lange und 30 Meter breite Brücke - mit vier Fahrspuren und zwei Gleisen der Straßenbahn Hauptzufahrt zur Innenstadt - wird stetig überwacht, so dass man "keine Angst haben muss", wie Tiefbauamtsleiter Steffen Ullmann sagt. Er sprach zuletzt von einem 14-tägigen Kontrollrhythmus. Sollte jedoch Bewegung des Bauwerks festgestellt werden, werde er die Brücke sofort sperren müssen, erklärte Ullmann.

Baubürgermeisterin Wolf verdeutlichte den Stadträten, was das für Konsequenzen hätte - vor allem für das Netz der Straßenbahn, deren Betriebshof jenseits der Elster liegt. Vier ihrer sechs Linien könnten nicht mehr verkehren. Das Problem sei eigentlich auch auf Landesebene bekannt, sagte Wolf: "Dennoch muss ich sie dringend bitten, uns auch über ihre Kanäle zu helfen", appellierte sie an die Stadträte. Zugleich machte sie aufmerksam, dass für die 13 Millionen Euro mehr als nur die Brücke gebaut werden soll: "Es ist eine relativ komplizierte Baustelle mit Erneuerung der Syraüberdeckung, die verschlissen ist, und des Mühlgrabens." Die Gewässer kreuzen sich in Brückennähe kurz vor Mündung in die Weiße Elster.

Den bisherigen Planungen zufolge war von einer Bauzeit von 30 Monaten die Rede. Da die Brücke aus zwei Überbauten besteht, soll für die Zeit über ein Behelfsgleis und -weichen zumindest Straßenbahnverkehr möglich bleiben. Erst würde die eine Brückenhälfte abgebrochen und erneuert, dann die andere. Doch genau das steht jetzt in Frage.

Das sächsische Wirtschafts- und Verkehrsministerium bestätigt den Fördermittelstopp: "Im April 2020 wurde festgelegt, dass neue Anträge ... bis auf weiteres nicht entgegengenommen werden", teilt eine Sprecherin mit. Ausnahmen gelten nur für den Radwegbau, Bauarbeiten an Eisenbahnkreuzungen und Staatsstraßen. Von der Stadt Plauen lägen derzeit noch fünf unbearbeitete Anträge vor, in denen es um Zuschüsse von 5,3 Millionen Euro geht. Ob und wann deren Bewilligung erfolgen kann, sei derzeit offen. Hierzu sei zunächst der Beschluss des Doppelhaushaltes 2021/22 durch den Landtag abzuwarten.

Laut dem Landtagsabgeordneten Gerhard Liebscher (Grüne) ist der Haushaltsbeschluss für Mai vorgesehen. Der Lottengrüner ist Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtages. Das Problem mit der Neuen Elsterbrücke sei ihm bekannt, sagte Liebscher am Donnerstag der "Freien Presse": "Ich kenne das Thema und werde es erneut adressieren." Der gegenwärtige Antragsstopp spiele eine Rolle in den laufenden Haushaltsverhandlungen: "Wer mit welchem Thema durchkommt, ist noch offen", gab Liebscher Einblick in die Arbeit der Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen. Erklärte Absicht des Ministeriums sei, Eigenverantwortung der Kommunen bei Straßenbauvorhaben zu erhöhen und ihnen "mehr Spielraum bei der Priorisierung von Projekten" zu geben. Liebscher: "Das heißt nicht, dass es mehr Geld gibt."

44 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    1
    gelöschter Nutzer
    06.02.2021

    Na, wer schmückt sich hier mit fremden Federn?
    Auf Kommentarklau gibt es zwei Jahre lebenslänglich!

  • 2
    6
    benji04
    05.02.2021

    Wurde dort nicht schon mal im Jahr 2015 herumgebastelt und ca. eine halbe Million € in der Syra versenkt. Es gab da genügend Vorschläge an das Amt für Umwelt und Bau eher einen großen Wurf hinzulegen, auch im Sinn der Durchgängigkeit der Syra in die Elster, anstatt nur "Kosmetik" zu betreiben.
    Da gab es noch Geld.

  • 8
    1
    Steech
    05.02.2021

    Und liebe Freie Presse: Bitte bitte überdenkt wie die Überschriften eurer Artikel wahrgenommen werden. In diesem Fall unsachlich überspitzt, die Wortwahl unsäglich daneben. Bausubstanz der Elsterbrücke: Neubau in Planung... klingt wesentlich beruhigender und käme den Verantwortlichen auch entgegen.

  • 16
    0
    gelöschter Nutzer
    05.02.2021

    Wurde dort nicht schon mal im Jahr 2015 herumgebastelt und ca. eine halbe Million € in der Syra versenkt. Es gab da genügend Vorschläge an das Amt für Umwelt und Bau eher einen großen Wurf hinzulegen, auch im Sinn der Durchgängigkeit der Syra in die Elster, anstatt nur "Kosmetik" zu betreiben.
    Da gab es noch Geld.