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Plauener Jugendherberge rechnet wegen Corona mit halbierter Gästezahl

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Von einem Tag auf den anderen musste die Herberge im Vorjahr schließen. Nun ist der Betrieb wieder angelaufen - mit vielen Fragezeichen.

Plauen/Pirk. Jule und Paul haben Spaß. Sie sind mit ihren Eltern Gäste in der Plauener Jugendherberge Alte Feuerwache. Familie Adler kommt aus Bayreuth, hat aber Verwandte in der Stadt und macht deshalb öfters in dem Haus an der Neundorfer Straße ein paar Tage Station - normalerweise. Denn erst seit kurzem sind touristische Übernachtungen wieder möglich.

Herbergsvater Stefan Wagner schaut aber nach vorn. Er hoffe auf die Hälfte der sonst üblichen jährlichen Übernachtungen: 9000 statt 18.000, sagt er im Gespräch mit "Freie Presse". Alles andere sei Bonus, schließlich würden die Leute aktuell ganz anders buchen als sonst. Viel hänge derzeit von den Klassenfahrten ab. Theoretisch dürften die Schüler kommen, aber manch' Direktor würde den Unterricht in den Mittelpunkt stellen, die Fahrten komplett untersagen. Wagner hat dazu eine eigene Meinung. "Kinder müssen endlich wieder Kind sein", so der zweifache Vater.

Wenn der Jugendherbergsleiter jedenfalls das fröhliche Lachen von Jule und Paul hört, weiß er, dass die Zeichen in Richtung Normalität stehen, die teils gespenstige Ruhe des Lockdowns erst einmal Vergangenheit ist. "Manchmal saß ich abends hier im Hof, da war kein Laut zu hören, und das mitten im Stadtzentrum", erinnert sich Wagner. Für ihn waren die Momente der Ruhe keine der Sorglosigkeit, weil durch die Schließung von einem Tag auf den anderen Umsätze in Größenordnungen wegbrachen, Angestellte in Kurzarbeit gesetzt werden mussten und Netzwerkpartner in Not gerieten. Zu all diesen im Grunde nicht greifbaren Unsicherheitsfaktoren kamen ganz reale Aufgaben, die Wagner und seine insgesamt 17 Mitarbeiter auf Trab hielten. Denn weder die große Herberge in der City noch die dazugehörige Einrichtung an der Talsperre Pirk kamen ohne regelmäßige Kontrollgänge oder Schneeschippen aus: "Wir hatten zum Beispiel zu schauen, ob eingebrochen worden war oder mussten regelmäßig die Wasserhähne kontrollieren", so Wagner. Zwei Rohrbrüche gab's dennoch. In Plauen sei das Wasser im Mai von der dritten Etage bis zur Rezeption runter gelaufen. Zum Glück sprang die Versicherung ein.

Übrigens hatte es in den vergangenen Monaten in der Herberge dann doch ein paar Gäste gegeben, Angehörige der Bundeswehr, die als Coronahelfer im Vogtland eingesetzt waren. Von 24 Häusern in Sachsen gab es laut Wagner nur vier, die sich beteiligten. Die logistische Herausforderung sei enorm gewesen, so Wagner. "Einen Tag vor Heiligabend hatten wir erfahren, dass ab 28. Dezember die Beherbergung von 30 Soldaten beginnen soll. Aber es waren ja alle Mitarbeiter im Weihnachtsurlaub und die meisten Lieferanten auch." Wie auch immer er und sein Team es geschafft haben, es klappte. Ebenso wie die Vollverpflegung und die einhergehende Speiseplananpassung. Die Soldaten hätten vor allem Appetit auf Herzhaftes gehabt, so Wagner. In der Herberge wird täglich frisch gekocht.

Stefan Wagner steckt voller Ideen. Gleich zu Ferienbeginn will er ein Dance-Camp veranstalten, das seine Stellvertreterin Cassy Wettengel leitet. Sie ist passionierte Tänzerin. Und er will das für Plauen so wichtige Wendethema nochmals neu aufgreifen, die Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth intensivieren. "Leider kommt man verkehrstechnisch so schlecht dorthin", meinte Wagner.

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