Plauener Theater im Wandel der Zeit

Am 1. Oktober 1898 öffnete der Musentempel erstmals seine Türen für das Publikum. Mit einem festlichen Konzert feiern Theatermacher und Theaterbesucher dieses Ereignis morgen im großen Saal. Der hat viel gesehen im Laufe der Zeit.

Plauen.

Die Plauener Theaterbühne hat in zwölf Jahrzehnten ihres Bestehens eine Geschichte mit Höhen und Tiefen erlebt. Was im 19. Jahrhundert begonnen wurde, ging im 20. Jahrhundert mit einem Auf und Ab weiter und findet jetzt, im 21. Jahrhundert, seine Fortsetzung. Ein Rückblick zeigt bemerkenswerte Ereignisse und Schlaglichter in der Entwicklung des Stadttheaters.

Platzmangel im neuen Haus: Bereits kurz nach Einweihung des Musentempels muss angebaut werden. Es herrscht Platzmangel. Ein Magazinschuppen zur Lagerung von Bühnenbildern entsteht. Der ist 1901 dann auch schon wieder zu klein und braucht eine Erweiterung. Auch ein Dekorationsschuppen ist nötig und eine Vergrößerung des Bühnenhauses. Ab 1901 zierten der Apollo als Giebelfigur und die drei Reliefs "Tragik", "Erhebung" und "Lebenslust" die Vorderfront.

Unterhaltung nach Kassenlage: Anfang des Jahres 1914 wirft Theaterkritiker Ernst Günther den Theatermachern vor, nur dem Kassenbericht zu folgen und künstlerisch anspruchsvolle Werke zu vernachlässigen. Diese Kritik ist immer wieder zu hören im Laufe der 120 Jahre. Die possenhaften Kriegs- und Soldatenstücke sind um das Jahr 1914 aber gut besucht und bringen viel Geld ein.

Die Stadt übernimmt: Am 15. Mai 1922 geht das Haus in die Verwaltung der Stadt Plauen über. Ein Intendant wird eingesetzt, dessen Befugnisse begrenzt sind. Ein Amt für die Bearbeitung von Theater- und Orchesterangelegenheiten entsteht. Vorher bestand ein Pachtverhältnis mit dem Rathaus.

Richard Strauss dirigiert: Im Rahmen der Richard-Strauss-Woche Anfang März 1927 dirigiert der Künstler persönlich das Orchester. Der Komponist erlebt die Aufführung seiner Werke "Electra", "Der Rosenkavalier" und "Ariadne auf Naxos". Das Publikum und die Kritik zeigen sich begeistert.

Nazis bauen Theater um: Am Schluss einer Vorstellung des Propagandastückes "Schlageter" am 13. August 1933 recken die Braunröcke im Saal ihre Arme zum Hitlergruß empor. Anstatt des Beifalls erklingt das Horst-Wessel-Lied. Später gestalten die Nazis das Gebäude nach ihren Vorstellungen um. Stuckarbeiten und Reliefs werden entfernt, die Platzbezeichnungen in "Bühnenlaube" statt "Bühnenloge" eingedeutscht. Auch ein Abriss des Gebäudes steht im Raum.

Schäden im Krieg: Die Dächer des Haupttraktes, des Zuschauerraumes und der Seitenaufbauten werden durch Bombenabgriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Große Teile des Garderobenhauses stürzen im Bombenhagel ein. An Technik ist fast nichts mehr gebrauchsfähig. Dennoch nehmen die Plauener als erste Einrichtung im sächsischen Raum am 15. Oktober 1945 mit "Figaros Hochzeit" den Spielbetrieb wieder auf.

Das Sprungbrett-Theater: Durch die Jahrzehnte hinweg nahmen Künstler von der Plauener Bühne aus immer wieder beachtliche Karrieren in Angriff. Dietrich Körner, der 1956 in Weißenborns "Das verlorene Gesicht" glänzt, geht später ans Deutsche Theater Berlin. Weitere Künstler starten ihren erfolgreichen Weg im Vogtland: Edda Schaller, Jürgen Trekel, Hans-Martin Nau, Dore Hoyer, Heinz Rögner.

Kritische Stücke: Bereits 1952 ruft die Oper "Andre Chenier" von Umberto Giordano das Missfallen der Kulturverantwortlichen der SED hervor. In dem Werk wird die Französische Revolution aus der Sicht tragischer Einzelschicksale betrachtet. Zwei Jahre später kommt "Tilmann Riemenschneider" von Harri Müller auf den Spielplan. Beim Publikum kommt das Stück an, bei Funktionären nicht. Den Weg auf andere Bühnen findet es zu diesem Zeitpunkt nicht. Als weiteres kritisches Stück gilt der 1984 gezeigte "Menschenfeind" von Moliere.

Das Theater und die Wende: Herbst 1989: Nach einer Vorstellung des Stückes "Diktatur des Gewissens" erhebt sich das Publikum im großen Saal. "Neues Forum, Neues Forum", erschallt es in dem Gemäuer. Die Beschäftigten des Hauses stimmen ein in diesen Chor. Noch draußen auf dem Vorplatz diskutieren die Besucher nach der Aufführung miteinander.

Der Mann mit dem Riecher: Mit Inszenierungen wie "Dracula", "Jack the Ripper" und "Titanic" sorgt Intendant Dieter Roth in den 1990er Jahren für steigende Besucherzahlen im Plauener Musentempel, der 1991 den Namen Vogtland-Theater erhält. "Er hat einen Riecher dafür, was im Trend der Zeit liegt", sagte die damalige Chefdramaturgin Christa Stöß über den Intendanten, der bis 2001 bleibt.

Geldnot erzwingt Fusion: Genau 102 Jahre nach seiner Eröffnung erzwingt die finanzielle Lage der Stadt Plauen die Vereinigung mit dem Theater Zwickau. Musiktheater, Schauspiel, Ballett und das Orchester bleiben bestehen. Das Puppentheater wird 2016 ausgegliedert - wiederum aus wirtschaftlichen Gründen.

29 Direktoren und Intendanten: In 120 Jahren hatte das Haus 29 Theaterdirektoren, Intendanten und Generalintendanten. Am längsten blieb Werner Friede im Amt: Von 1965 bis 1985. Das haben Gabriele und Dieter Roth in ihrer Theater-Intendanten-Serie 2014/15 recherchiert. Roland May sitzt seit 2009 auf dem Chefsessel. Sein Vertrag läuft bis 2021. Der Schauspieler und Regisseur leitet eine Einrichtung mit insgesamt 290 Mitarbeitern, die vor und hinter der Bühne agieren.

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