Plauener will XXL-Schornstein zum Hingucker machen

Lucien Tunger aus Plauen besteht mit seiner Firma Laser-Show-Design seit 2014 auf dem Markt. Jetzt will er das höchste Bauwerk der Stadt beleuchten. Es sind aber noch einige Hürden zu nehmen.

Plauen.

Schon von Weitem ist das höchste Bauwerk der Spitzenstadt zu sehen: Der knapp 172 Meter hohe Schornstein des Fernwärmewerkes an der Hammerstraße. Der Plauener Lucien Tunger, Inhaber der seit 2014 am Unteren Bahnhof ansässigen Zwei-Mann-Firma Laser-Show-Design (LSD), sieht in dem Bauwerk aber mehr als einen Schlot.

"Immer, wenn wir von der Autobahn in Richtung Stadt fahren, sieht man den Schornstein. Deshalb haben wir schon immer daran gedacht, dass es doch irgendwie möglich sein müsste, ihn zu beleuchten", erklärt Tunger. Die zündende Idee kam ihm dann bei einem Auftrag in Erlangen, wo die Firma LSD für Beleuchtung eines Turms sorgte.

Seit inzwischen mehr als drei Jahren verfolgt der 33-Jährige seine Idee und warb beim Eigentümer des Heizwerks, Enviatherm, für das Vorhaben. Lange Zeit erhielt er keine Rückmeldung. Doch Anfang des Jahres kam erstmals ein Kontakt zustande. Tunger erhielt Gelegenheit, Vertretern des Unternehmens das Vorhaben zu präsentieren.

Da die Oberfläche des Bauwerks einheitlich grau ist, sei sie für eine Licht-Installation gut geeignet, "man kann so den Schlot von unten wunderbar anleuchten, ohne dass viel Geld für farbige Flächen oder dutzende Leuchten investiert werden müsste", erklärt Tunger die Vorteile seiner Technologie gegenüber einer in Chemnitz verwendeten Methode. Dort hatten höhere Kosten für empfindliche LED-Spots zum Rechtsstreit mit einer französischen Firma und Verzögerungen geführt.

Im Gegensatz zu Chemnitz mit seiner 301 Meter hohen Esse und den dort verwendeten 168 LED-Scheinwerfern würde Tunger das Plauener Bauwerk lediglich mit zwölf Strahlern in Bodennähe versehen, die den Turm farbig anstrahlen. So sei nicht nur die Wartung einfacher, sondern es werde auch weniger Energie verbraucht. Tunger hat zudem angeboten, zusätzlich Laser zu installieren. Dann könnten auf den Schornstein auch Schriftzüge, Piktogramme und Grafiken projiziert werden - im Winter zum Beispiel Schneeflocken den Schlot herabrieseln.

Der Jungunternehmer ahnt, dass seine Idee auch Bedenkenträger auf den Plan ruft. Schließlich nisten Vögel am Schlot. Ein anderes Schlagwort lautet Lichtsmog. Allerdings, sagt Tunger, gibt es auch ohne sein Zutun zunehmend bewegtes Licht, etwa an LED-Screens in der Stadt. Er ist überzeugt: "Wir würden mit unserem Licht niemanden schaden." In Brutzeiten könne das Bauwerk auch dunkel bleiben.

Für den jungen Plauener Firmeninhaber ist seine Idee inzwischen auch eine Herzensangelegenheit geworden: "Wir wollen in der Region mal etwas machen, was sonst niemand macht." Eine Entscheidung des Eigentümers zu seinem Vorschlag sei ihm für 2021 in Aussicht gestellt worden. Darüber hinaus hat Tunger auch noch Ideen für das Stadtjubiläum 2022 in petto. Diese sollen demnächst im Kulturausschuss des Stadtrates zur Sprache kommen.

55 Kommentare
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  • 1
    3
    Tauchsieder
    vor 10 Stunden

    Klasse Idee, da finden auch nachts die Wanderfalken zurück zu ihrem Horst.
    Man sollte doch eher am Rathausturm noch ein paar Lampen anbringen. Vielleicht geht den Bewohner dort mal etwas eher ein Licht auf.
    Übrigens, aus der Steckdose kommt ein Strommix!

  • 1
    3
    kgruenler
    vor 12 Stunden

    Jetzt kommt auch wieder die Jahreszeit, wo jeder seinen Lampenladen an die Bäume, Sträucher und Fenster hängt und überall die Schwibbögen leuchten. Damit hat kaum jemand ein Problem, obwohl das ebenso Lichtverschmutzung und unnötiger Stromverbrauch ist. Notwendig ist es nicht, aber machen tuts trotzdem fast jeder. Bergleuten heimleuchten braucht es heutzutage nicht mehr.

    In diesem Sinne, warum nicht auch den tristen Schornstein verschönern, wenn man LED-Beleuchtung wählt und diese zusätzlich mit Wind-/Solarenergie versorgt, hält sich der Verbrauch in Grenzen und einen Hingucker kann Plauen gerade dort in der Ecke gut gebrauchen.

  • 2
    16
    Zeitungss
    21.11.2020

    @draekster: Keine Sorge wegen der Energie, wenn auch im Vogtland alle Felder überdacht sind, ist dieser Punkt vom Tisch. Die Lichtverschmutzung könnte man mit der Einhausung des Schornsteins mittels PV-Modulen begegnen und somit wäre auch ein Teil der Stromrückgewinnung gesichert, der angedachte Sinn wäre allerdings auch nicht mehr vorhanden. Sicherlich wäre es optisch ein Hingucker, es praktisch an den Entscheidern vorbeizubringen eine ganz andere Sache, es hat bekanntlich jeder Verpflichtungen gegenüber seinen Gönnern.

  • 17
    19
    AliceAndreas
    21.11.2020

    @draekster

    ... oh, da haben Sie aber was verpasst! Wir leben doch inzwischen in der Zeit in der Strom verbrauchen etwas Gutes ist! Schließlich sollen wir doch nur noch E kaufen! E-Autos, E-Bikes, E-Roller ...

  • 12
    19
    draekster
    21.11.2020

    Unnötiger Energieverbrauch und Lichtverschmutzung sind da das erste was mir zu dem Thema einfällt.

    Ja, am Schornstein in Chemnitz sieht man dass das schon gut aussieht. Aber müssen wir den durch sowas wirklich weiter unnötig Energie verpulfern?

    Ich meine es wird immer gepredigt das wir Energie einsparen sollen. Standby-Betrieb vermeiden. Licht ausmachen wo wir es nicht brauchen. Inteligent Heizen. Nur A-50fach-Plus Geräte kaufen...
    Und dann machen wir sowas?