Plauenerin näht individuelle Dirndl

Stefanie Meinel hat eine Marktlücke entdeckt. Sie fertigt in ihrer Freizeit Kleider, die nicht nur auf dem Oktoberfest gefragt sind.

Plauen.

Eigentlich arbeitet die 36-jährige Einzelhandelskauffrau in einem Geschäft, verkauft Stoffe, Nähzubehör und Nähmaschinen. Doch in ihrer Freizeit sitzt sie an der eigenen Nähmaschine und zaubert entzückende Dirndl.

"Schon als Kind saß ich an der Nähmaschine", erzählt sie. "Später habe ich dann für meine Kinder dies und jenes genäht. Und als ich vor zwei Jahren beim Oktoberfest war und die vielen schönen Dirndl gesehen haben, war es um mich geschehen. Ich bekam Lust, so etwas auch zu nähen." Wer auf die Wies'n geht, muss ein Dirndl tragen. Das ist für die Frau ein Muss. Man sieht allerdings auch öfter Frauen mit dem gleichen Modell, weil es von der Stange gekauft worden ist. "Aber jede Frau will doch einzig sein und will nicht tragen, was jeder hat", weiß sie. Deshalb entschloss sie sich, einzigartige Stücke zu fertigen.

Vor zwei Jahren begann sie dann das Dirndl-Abenteuer. Sie hat sich fünf Grundschnitte ausgedacht, wobei sie von einem zum anderen ganz variabel sein kann. "Ich suche den Kontakt mit den Kunden, führe ausführliche Gespräche und versuche, ihren Geschmack herauszufinden. Auf alle Fälle muss sich die Frau in dem Dirndl wohlfühlen", sagt sie. Auch eine Mollige sollte ruhig Mut zu dieser alpenländischen Tracht haben, meint Meinel. Die Geschmäcker seien auch auf diesem Gebiet unterschiedlich. Die eine liebt einfarbige, die andere geblümte Stoffe, manche wollen ein Dirndl aus Brokat. Eine Trägerin hätte gern Spitzenrüschen, die andere Schnüre, Bänder oder viele Knöpfe. Schürzen gehören übrigens immer dazu. Die Hobby-Schneiderin versucht, alle Wünsche zu erfüllen.

Alles, was sie braucht, bezieht sie über das Internet. Leben könne sie von ihrem neuen Hobby nicht, bisher jedenfalls noch nicht. Wie sich das noch entwickeln wird, müsse man abwarten. Freunde und Bekannte machen der Frau Mut. Ihre Kleider kommen gut an, sie solle weitermachen. Und die vielen Anfragen geben ihr recht. Zehn Dirndl hat sie in zwei Jahren schon genäht. Aber sie sitzt auch am Feierabend, an freien Tagen und am Wochenende und arbeitet. "Nicht, weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht", gesteht sie. Ein Modell koste nicht unter 400 Euro, denn es gehe um Handarbeit, klärt sie auf. Ihre sechsjährige Tochter Marie sei ihre schärfste Kritikerin. Sie wurde in diesem Jahr eingeschult, und natürlich trug sie zur Schulaufnahmefeier ein Dirndl, ebenso die Mutter. Ihr Lebensgefährte zieht manchmal die Krachlederne dazu an.

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