Plauens Baubürgermeister: "Ich bin kein Sündenbock"

Levente Sárközy über seine Rolle im Hirsch-Streit und andere Baustellen der Stadt

Wenn ewige Baustellen nerven, das Ordnungsamt zu schnell abschleppen lässt oder es wenig Auswahl bei Bauland gibt, fällt das in sein Ressort: Levente Sárközy (parteilos) ist Bau- und Ordnungsbürgermeister der Plauener Stadtverwaltung. Im Interview mit Uwe Selbmann spricht er über sein Amtsverständnis.

Freie Presse: Herr Sárközy, in Plauen standen zuletzt mehrere Baustellen in der Kritik, an denen über Wochen hinweg nichts lief: Fußgängertunnel am Roten Würfel, Rabatte am Albertplatz und Wielandstraße. Auch die Falkensteiner Straße wurde viel später fertig als geplant. Können Sie in Ihrem Ressort nicht besser planen?

Levente Sárközy: Wir bauen derzeit nicht nur recht viel, sondern können wohl auch von einem Rekordvolumen sprechen. Die Kritik an Stillstand auf Baustellen ist nachzuvollziehen. Es sind aber sehr unterschiedliche Gründe, die zu den Verzögerungen geführt haben. In dem einen Fall waren Schäden am Baugrund nicht vorher sichtbar, in dem anderen Fall hatte der Auftragnehmer nicht mit langen Lieferfristen für die Spielgeräte gerechnet. Wir merken schmerzlich, dass die Konjunktur gut läuft - durch steigende Preise, aber auch dadurch, dass wir kaum noch Firmen vor allem für kleinere Aufträge bekommen.

Kritisiert wurden Ihr Ressort auch für bürokratische Auflagen in Bezug auf die Bäckerei im Landratsamt und deren Hirschfigur davor. Ihnen wurde in dem Fall sogar persönlicher Jagdeifer nachgesagt. Wie sehen Sie Ihre Rolle hier: Sind Sie Verhinderer oder nur der Sündenbock?

Ich bin kein Sündenbock und auch kein Verhinderer. Ich sehe mich als Entwickler dieser Stadt. Das Genehmigen von Sondernutzungen im öffent lichen Verkehrsraums, um die es hier geht, ist keinesfalls Schwerpunkt des Baubürgermeisters, sondern des Ordnungswesens. Manchmal sind auch Bauordnungsamt und Tiefbauamt involviert. Wir waren sehr tolerant, als der Bäcker ohne Vorabstimmung verschiedene Dinge auf die Straße gestellt hat. Meine Mitarbeiter haben ihn dann aufgesucht. Definitiv Unsinn ist, dass mir der Hirsch nicht gefalle.

Können Sie erklären, worin das Problem lag? Die Stadt wollte doch selbst vor kurzer Zeit Vater- und Sohn-Figuren auf der Bahnhofstraße aufstellen. Was ist überhaupt daraus geworden?

Unsere Bauordnung hat festgestellt, dass der Hirsch auf wackligen Füßen steht. Deshalb haben wir versucht, den Unternehmer zu bewegen, ihn besser zu verankern, bevor etwas passiert. Die Vater-und-Sohn-Figuren sind Sache der Wirtschaftsförderung. Das ist nicht mein Geschäftsbereich. Aber selbstverständlich werden auch die sicher stehen oder verankert werden müssen.

Womit wir wieder bei der Frage sind: Warum kommen Verwaltungen häufig mit Bedenken, die Entwicklungen mehr verhindern als befördern? Der Interessent für den Biergarten unter der Kastanie am Tunnel hat nie einen Bauantrag gestellt, weil Sie ihm mit seiner Idee für ein Blockhaus von Anfang an wenig Hoffnung gemacht haben sollen ...

Ich habe ihn immer darum gebeten, seine Vorstellungen auf Papier zu bringen, damit wir eine Grundlage haben, über die wir sprechen. Eine Blockhütte mit Ausschank wäre in der Tat wohl nicht genehmigungs fähig gewesen, weil wir öffentliche Flächen im Zentrum nicht dauerhaft okkupieren können. Selbstverständlich ist mir wichtig, dass die Stadt ein attraktives Zentrum hat. Dafür haben wir vor drei Jahren mit dem Stadtrat einen Gestaltungsleitfaden entwickelt ...

...der umstritten ist, seit sie erstmals mit Sanktionen und Widerruf erteilter Genehmigungen für die Sondernutzung drohten.

Unser Ziel ist immer, Konflikte im Gespräch zu lösen. Wir wollen Gewerbetreibende überzeugen, dass es gut ist, wenn vor ihrem Laden etwas Einladendes steht. Mit den Stadt räten vereinbart ist, dass wir eventuelle Sanktionen zuvor mit dem zuständigen Ausschuss beraten. Im Moment sehe ich aber keinen Kandidaten, dem das Schicksal droht. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, mit Gastronomen und Gewerbetreibenden eine attraktive Innenstadt zu entwickeln.

Die Entwicklung von Bauland für junge Familien lässt dagegen zu wünschen übrig: Trotz des Erfolgs mit dem erweiterten Wohngebiet An der Eiche will die Stadt kein neues Baugebiet ausweisen und nimmt die Abwanderung junger bauwilliger Familien ins Umland in Kauf. Warum?

Erstens halte ich es nicht für gut, wenn wir als Hauptstadt des Vogtlandes mit dem Umfeld in Konkurrenz treten würden. Zusammenarbeit ist besser. Zweitens sind im Baugebiet An der Eiche durchaus noch Plätze frei. Es hatte sich Bedarf angestaut, der sich jetzt wieder etwas entschärft hat. Wir werden die weitere Nachfrage verfolgen, wollen aber zurzeit keine großen Baugebiete ausweisen. Das gibt die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung nicht her. Wir werden aber immer wieder nach und nach bebaubare Grund stücke auf den Markt bringen. Bauwillige können also auch bei uns immer nachfragen und sich in unserer Liegenschaftsabteilung beraten lassen.


Zur Person

Levente Sárközy (52) ist seit 2013 Baubürgermeister der Stadtverwaltung Plauen und als solcher durch den Stadtrat gewählt. Nach der Hochzeit mit seiner in Plauen aufgewachsenen Frau lebte der Ungar bereits von 1998 bis 2002 einmal in der Spitzenstadt, bevor der Diplom-Bauingenieur Arbeitsstellen im Schwarzwald und in Jena nachzog. Der Ungar hat außerdem Abschlüsse als Wirtschaftsingenieur (FH) und Master of Science im Urban Management. Sárközy ist Vater einer Tochter (18) und eines Sohnes (16).

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