Plauens teures Problem mit dem Breitband

Der Oberbürgermeister legt sich fest: Bis Juli muss feststehen, wie es mit der Glasfaser-Erschließung in Plauen weitergeht. Noch gibt es unterschiedliche Varianten. Eine davon könnte die Stadt richtig viel Geld kosten.

Plauen.

Die Stadtwerke Strom Plauen sind trotz ihrer Bitte um Entlassung aus den Verträgen mit dem Vogtlandkreis zur Breitbanderschließung doch noch im Spiel. Das bestätigt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) der "Freien Presse". Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke und sagt: "Wir wollen für die betroffenen Bürger eine Lösung - so zügig und so verlässlich wie möglich." Darum ringe man nach wie vor gemeinsam mit dem Vogtlandkreis.

Noch gebe es "verschiedene Varianten" und werde "ganz intensiv an einer Lösung gearbeitet, die verhindert, dass man neu ausschreiben müsste" und damit weiterer Zeitverzug droht, sagt Oberdorfer. Eigentlich sollten die 1600 betroffenen Haushalte, darunter Neundorf und Kauschwitz sowie Teile von Haselbrunn und Chrieschwitz, bis Ende 2020 erschlossen sein.


Den Informationen der "Freien Presse" zufolge wird im Aufsichtsrat der Stadtwerke diskutiert, deren Stammkapital aufzustocken. Damit würde es möglich, höhere Kredite für das teurer gewordene Millionen- Projekt aufzunehmen. Nachteil: Zur Gegenfinanzierung müsste die Stadt wohl auf Jahre hinaus auf Gewinnausschüttungen verzichten. Oberdorfer will diesen Weg nicht bestätigen. Er verweist auf den nächsten Stadtrat am 2.Juli: "Dort wird etwas in öffentlicher Sitzung vorgelegt." Einer Erhöhung des Stammkapitals muss der Stadtrat zustimmen.

Eine mögliche Variante ist laut Oberdorfer auch, dass die Stadtwerke einen Partner für das Breitband-Projekt gewinnen. Andere Lose im Landkreis waren an die Telekom und Envia Tel gegangen. Envia Tel gehört dem Unternehmensverbund der Envia-M-Gruppe an. Envia M ist zu 49 Prozent an den Stadtwerken beteiligt.

Die bisher hochgeschätzte Geschäftsführung der Stadtwerke soll im Aufsichtsrat unter heftiger Kritik gestanden haben. Sie habe es vor Abgabe ihres Angebots versäumt, Preise langfristig zu binden. Oberdorfer dazu: "Ich will das nicht einem einzelnen anlasten. Die drohende Preisexplosion ist mehreren nicht bewusst gewesen." Es gelte, aus Fehlern zu lernen.

Die Stadtwerke hatten im April 2018 den Zuschlag erhalten, fünf Gebiete in Plauen mit Glasfaserkabel zu versorgen, in denen bisher weniger als 30 MBit anliegen. Im April dieses Jahres baten die Stadtwerke um Vertragsauflösung und begründeten das mit unerwarteter Kostenexplosion im Kabeltiefbau und beim technischen Equipment. Dies habe zur Verdopplung der Wirtschaftlichkeitslücke geführt, die Basis für Fördermittel ist. Beteiligte Behörden hatte zuvor abgelehnt, die vereinbarten Zuschüsse von 7 auf 14 Millionen Euro zu erhöhen.

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