Prozess: Hassrufe vor Roma-Haus

"Lasst sie brennen" und "Sieg Heil" sollen zwei Männer gerufen haben, als ein Roma-Haus in Plauen brannte. Sie brachten die Stadt bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen. Seit gestern sitzen Vater und Sohn auf der Anklagebank.

Plauen.

Fast ein Jahr ist es her. Kurz vor Silvester 2017 kämpften in einem Mehrfamilienhaus an der Trockentalstraße mehrere Menschen um ihr Leben. Die meisten von ihnen: Männer, Frauen und Kinder aus der Slowakei. Sie gehören zur Volksgruppe der Roma.

Jemand hatte im Keller Feuer gelegt. Ein zweijähriger Junge und seine Mutter zogen sich schwerste Brandverletzungen zu. Wochenlang lagen sie in Spezialkliniken. Wer das Roma-Haus anzündete, ist bis heute nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft ließ einen Beschuldigten aus Mangel an Beweisen wieder laufen.

Trotzdem sitzen jetzt zwei Männer vor dem Amtsgericht, 47 und 20 Jahre alt. Sie sollen Naziparolen gebrüllt haben, als die Menschen in dem Haus um Hilfe riefen. Sie sollen den rechten Arm zum Hitlergruß gestreckt haben. "Endlich brennen die Molukken", "Scheißkanaken" und "anzünden muss man die" sollen sie gebrüllt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen außerdem vor, dass sie Polizisten beschimpften und beim Retten störten.

Den Männern droht eine Strafe wegen "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen". Sie störten den Frieden und brachten Unruhe in die Bevölkerung, sagt Staatsanwältin Brigitte Gaida. Denn die Nachricht von Nazis, die vor einem brennenden Roma-Haus Hassparolen brüllen, ging bundesweit durch die Medien.

Die Männer, Vater und Sohn, leben in der Nachbarschaft. Sie sind als Rechtsradikale vorbestraft. "Der Vater begleitet mich durch fast 30 Jahre Dienstzeit hier in Plauen", sagte ein Polizist gestern im Gerichtsprozess aus. Der Vater arbeitet als Qualitätsprüfer. Der Sohn, 20, leistet noch bis Juli die Sozialstunden, zu denen ihn das Gericht wegen einer anderen Straftat verurteilt hat. Einen Beruf hat er nicht erlernt. Auf Facebook postet er Bilder von Alkohol und von Cannabis.

In ihrem Prozess gestern erzählten die beiden ihre Version dieses Abends. Sie seien sauer gewesen, weil die Polizei erst die anderen Bewohner in Sicherheit gebracht habe. Der Vater: "Daraufhin habe ich gesagt, die sollen das Viehzeug brennen lassen und die Deutschen retten. Aber den Hitlergruß habe ich nicht gezeigt." Sein Bekannter hat in dem brennenden Haus gelebt, er sitzt im Rollstuhl. Der Sohn soll die Polizisten als "Assis" und "Fotzenschweine" beschimpft haben. "Besonders kreativ war er nicht", sagte einer der Beamten, denen die Schimpfworte galten.

Richter Wilhelm Gerhards will noch zwei Zeugen hören, bevor er den Prozess beendet. Voraussichtlich am 21. Dezember verkündet er das Urteil. Den Polizisten ist dieser 29. Dezember im Gedächtnis geblieben. "Das war einer der größten Einsätze, die wir hatten", sagt ein Beamter. Er fuhr mit seinem Kollegen Streife, als aus der Haustür Rauch quoll. Sie sahen Männer, die Kleinkinder an den Handgelenken aus dem Fenster hielten. Im Treppenhaus war es so heiß, dass die Plastikmülltonnen schmolzen. Der Polizist, 49: "Die beiden haben uns unglaublich behindert. Wir hatten zu wenige Leute vor Ort und alle Hände voll zu tun. Da brauch ich so einen Scheiß nicht!" Das permanente Stören habe fast dazu geführt, dass der Einsatz außer Kontrolle gerät.

Nach dem Täter, der das Haus angezündet hat, suchte später der Staatsschutz. Ein ausländerfeindlicher Hintergrund konnte nicht ausgeschlossen werden. Das Verfahren wurde eingestellt. Dagegen läuft eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft.

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