Qualm am Tauchturm: Landkreis soll dem Gericht Beweise liefern

Die Anwohner klagen über Gestank und Ruß. Deshalb forderte die Kreisverwaltung den Betreiber auf, sein Heizkraftwerk am Tauchturm stillzulegen. Aber das Gericht wies das jetzt zurück - aus Mangel an Beweisen.

Plauen/Chemnitz.

Der Tauchturm, eines der tiefsten Schwimmbecken Deutschlands, darf weiter mit seinem Blockheizkraftwerk betrieben werden. Darüber hat das Verwaltungsgericht Chemnitz im Eilverfahren entschieden.

"Es gibt keine Stilllegung", sagte Gerichtssprecher Jeannot Reichert. Der Vogtlandkreis hätte nachweisen müssen, dass von dem Kraftwerk eine Gesundheitsgefahr ausgehe. Die Behörde habe dem Gericht aber keine Luftmessergebnisse vorgelegt. Reichert: "Sie hat die Gesundheitsgefährdung in keiner Weise recherchiert. Die Begründung, dass Rußpartikel durch die Luft fliegen, reicht nicht."

Der zehn Meter tiefe Tauchturm steht im Wohngebiet an der Seestraße, und das Kraftwerk, das die Energie für ihn erzeugt, im Innenhof. Die Anlage gehört einem Unternehmer. Vor elf Jahren hat er sie gebaut und bietet darin Tauch- und Wassersportkurse an.

Im Oktober vergangenen Jahres ordnete der Vogtlandkreis die sofortige Stilllegung des Kraftwerks an. Grund waren anhaltende Beschwerden von Anwohnern über Rußregen und Qualm. Sie filmten schwarze Wolken, die aus dem Schornstein der Anlage aufstiegen, und fotografierten schwarze Flocken auf den Blättern ihrer Gartenpflanzen. Das Polizeirevier schickte mehrfach einen Streifenwagen vorbei, weil sich Nachbarn wegen Belästigung beschwert hatten. Ein Zustand, der sich seit acht Jahren zuspitzt.

Als die Kreisverwaltung Marco Rödel aufforderte, sein Kraftwerk abzuschalten, beschwerte er sich vor dem Verwaltungsgericht. Bereits 2016 hatte die Umweltbehörde ihm Auflagen erteilt. Er sollte einen Partikelfilter nachrüsten. Rödel lehnt eine Stellungnahme gegenüber der "Freien Presse" ab.

Der Kreis könne Luftmessungen durchführen und diese dem Gericht in Chemnitz vorlegen, so Jeannot Reichert: "Wir können einen Wirtschaftsbetrieb nicht aufgrund einer Vermutung stilllegen." Ob solche Messergebnisse existieren oder Proben vorgesehen sind, dazu hat sich der Kreis bislang nicht geäußert.

Am Verwaltungsgericht läuft ein Widerspruchsverfahren, auch ein Zivilverfahren gibt es, in dem Anwohner selbst Klage eingereicht haben. In dieser Woche fand ein Gespräch statt zwischen Betroffenen und dem Umweltamt. Den Anwohnern sei versichert worden, dass die Behörde nicht untätig sei.

Mehrere Familien haben sich zusammengeschlossen, weil sie sich von dem Kraftwerk belästigt fühlen. Darunter sind Hausbesitzer, die um den Wert ihrer Immobilie fürchten. In kleinen Gefäßen sammeln sie Rußpartikel und drehen Videos, wenn der verchromte Schornstein besonders stark nebelt. Immer wieder beschweren sie sich. Beim Umweltamt, bei der Polizei, im Umweltministerium. Er habe auch an die Bundeskanzlerin und an EU-Kommissare geschrieben, sagt ein Anwohner. Das produziert neue Anfragen an die Kreisverwaltung.

Unternehmer Marco Rödel brauchte keine Genehmigung für sein Blockheizkraftwerk. Das teilte die Bauaufsichtsbehörde des Plauener Rathauses auf Nachfrage mit. Die Feuerungswärmeleistung liege unter einem Megawatt.

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