Raubüberfall: Täter will in die Psychiatrie

Im Mai hat ein 40-Jähriger den Matratzen-Laden an der Dürerstraße in Plauen ausgeraubt und die Verkäuferin angeschossen. Er hält sich für allgemeingefährlich. Seit gestern steht er vor Gericht.

Plauen/Zwickau.

Der Mann tut alles dafür, dass er weggeschlossen wird. "Er hat Angst davor, irgendwann Unschuldige in den Tod zu ziehen", sagte sein Rechtsanwalt Friedhelm Strake gestern vor dem Landgericht in Zwickau. Der Prozess könnte das vorläufige Ende einer kriminellen Drogen-Karriere sein: Der 40-jährige Angeklagte hatte im Mai das Matratzen-Geschäft gegenüber dem Media-Markt überfallen. Er schoss der Verkäuferin mit einer Druckluftpistole in den Arm. Die Bleikugel mussten Ärzte später herausoperieren. 627 Euro Beute machte er an jenem Morgen Anfang Mai. Von dem Geld schlief er eine Woche lang in Hotels. Als es alle war, ging er in ein Leipziger Polizeirevier und stellte sich. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Raubüberfall sei Mittel zum Zweck gewesen. Der Täter hält sich für allgemeingefährlich und will hinter Schloss und Riegel. So erklärte er seine Brutalität dem Gericht: "Ich dachte, diesmal musst du richtig was machen, damit du in den Knast kommst." Nur dort fühle er sich sicher. Er leide unter Verfolgungswahn, wohl eine Nebenwirkung seines Drogenkonsums. Mit 18 habe er Ecstasy-Pillen geschluckt, später dann Crystal.

"Ich habe keinen Plan, Herr Richter. Ich wollte unbedingt in den Knast", sagte Räuber. Seit mehr als 20 Jahren steht er immer wieder vor Gericht. Drogendelikte, Diebstahl, Betrug und Gewaltverbrechen stehen in seiner Akte des Bundeszentralregisters. Einen Bekannten verprügelte er so sehr, dass der sechs Wochen im Krankenhaus bleiben musste. Ins Gefängnis kam er erst 2014. Damals hatte er eine Tankstelle in Weischlitz überfallen.

Auch damals stellte er sich der Polizei. "Ich habe gesagt, dass ich lieber in die Geschlossene gehe. Ich sehe überall Leute. Russen trachten mir nach dem Leben", erzählte er gestern. Doch nach gut einem Jahr im Gefängnis erhielt er die Freiheit wieder, vor der er sich fürchtete. Nach der Haft lebte er in einem betreuten Wohnen in Leipzig und nahm Medikamente gegen seine Wahnvorstellungen, setzte sie aber wieder ab.

Am Tag, als er die Druckluftpistole kaufte und den Matratzen-Laden überfiel, sei er mit ganz anderen Plänen aufgestanden. Er habe abhauen wollen, nach Österreich. Bis Nürnberg sei er gekommen. Dort hätten ihn seine Wahnvorstellungen wieder eingeholt - durch Autos mit Leipziger und Freiberger Kennzeichen: "Ich hatte Angst, dass die wieder an mir dran sind."

Der 40-Jährige kehrte um und fuhr in seine Heimatstadt, nach Plauen. Er schnitt sich das Handgelenk auf, weil er ins Krankenhaus wollte, sagt er. Aber die Ärzte hätten ihn wieder entlassen. Da habe er sich die Druckluftpistole gekauft und überlegt, er müsse etwas Schlimmes machen, damit man ihn wegsperrt. Das sei ein sicheres Umfeld für ihn. Die Sache mit der Verfolgung sei morgens sein erster und abends sein letzer Gedanke. Seit neun Jahren gehe das so. "Ich will ins psychiatrische Krankenhaus", sagte er. Ob er dorthin kommt, entscheidet das Gericht voraussichtlich heute. Ein medizinischer Gutachter bestätigt ihm schwere psychische Störungen.

Die Frau, die er angeschossen hat, hat den Täter gestern vor Gericht identifiziert. Drei Wochen war die 57-jährige Verkäuferin krank. Danach sei es ihr ein Bedürfnis gewesen, wieder zu arbeiten. "Wie geht es Ihnen psychisch?" fragte Richter Gerolf Müller die Frau. "Gut", antwortete die Verkäuferin. "Ich lass mir von so einem Arsch das Leben nicht kaputt machen!"

Der Schütze entschuldigte sich. Er habe ihr nicht wehtun wollen.

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