Raum der Vögte fertig: Wie das Vogtland zu seinem Namen kam

Wer waren eigentlich die Vögte? Im Plauener Vogtlandmuseum können Besucher jetzt tief in die Geschichte der Region eintauchen.

Plauen.

Als Heinrich IV. von Meißen im Jahre 1554 das Zeitliche segnete, wurde er in der Johanniskirche beigesetzt. Den Trauerzug zur Beisetzung des Burggrafen und Herrn zu Plauen hat der Plauener Zinngießer Wolfgang Ernst in einem Diorama für den neuen Raum der Vögte im Vogtlandmuseum jetzt nachgestellt. Ein Diorama ist ein Schaukasten, in dem mittels Modell-Figuren und Modelllandschaften oft auch historische Szenen zu sehen sind. Die Arbeit des 79-Jährigen stellt ein Ausstellungsstück dar, in dem am Freitag von OB Ralf Oberdorfer (FDP) eröffneten Raum der Vögte im Vogtlandmuseum.

Wolfgang Ernst arbeitete mehr als 30 Jahre lang als Modellbauer. Mit Zinn hantiert er bereits seit fast einem halben Jahrhundert. "Es waren eigentlich 300 Reiter", erklärte das Mitglied des Museumsfördervereins. Für 300 Figuren wäre aber kein Platz gewesen. Also ließ er den Leichenzug durch das Brückentor an der Alten Elsterbrücke ziehen und deutet somit an, dass da noch mehr Reiter durchs Tor kommen.

Museumschef Martin Salesch zeigte sich dankbar für diese Bereicherung des neuen Vögte-Zimmers. Denn der Raum sei "sehr textlastig". Zu diesen Texten gehören aber interessante Urkunden wie die aus dem Jahr 1236, als Heinrich der Ältere, Vogt von Weida, der Pfarrei Plauen die Übertragung eines Stück Landes nur unter der Bedingung gewährte, "dass in der Badestube bei der Kirche an der Elster alle Sonnabende Freibäder gewährt werden ...".

Wer die Vögte waren und welche Aufgabe sie hatten, auch das erfährt der Besucher in ausgestellten Texten. "Im Mittelalter war ein Vogt ein Stellvertreter, der im Auftrag des Landesherrn die Bereichsverwaltung organisierte, Abgaben einzog und Gericht hielt", ist auf einer der Tafeln zu lesen. Die Vögte seien im Auftrag der Landesherren tätig gewesen, im Auftrag von Königen und Kaisern, so der Museumsdirektor in seiner Ansprache zur Eröffnung.

Es gebe "wenig museale Objekte zu dem Thema", sagte Salesch. Einige sind dann aber doch in den Vitrinen zu bestaunen. Das ist etwa ein doppelt geprägtes Goldsiegel mit dem auf seinem Thron sitzenden Kaiser auf der Vorderseite und einer Ansicht von Rom auf der Rückseite. Goldgulden Heinrichs von Plauen zeigen Heinrich den Älteren von Plauen (1370-1429), Hochmeister des Deutschen Ordens von 1410 bis 1413. Hohlpfennige der Vögte von Gera, Weida und Plauen, aber auch der Degen des Burggrafen Heinrich IV. von Meißen und andere Stücke ergänzen die Schau - auch das kürzlich vom Museum gekaufte Bild mit dem Burggrafen vor der Stadt.

Der neue Raum der Vögte befindet sich in Nachbarschaft des Raums für Ur- und Frühgeschichte. "Wir haben den Rundgang chronologisch aufgebaut", so der Fachdirektor. Als Vogtlandmuseum wolle man sich dem Vogtland widmen und dazu gehörten dann auch die Vögte, begründete er. Nach dem Abschluss der großen Sanierungsarbeiten in dem Gebäudeensemble widme man sich jetzt der Dauerausstellung. Baulich sollen die Räume noch eine Verschattung erhalten.

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