Rechtsanwälte spenden braunes Geld für ein buntes Haselbrunn

Die Aktion "Leser helfen" sammelt in diesem Jahr Spenden für Haselbrunn. In dem Stadtteil leben viele sozial Schwache. Pfarrer Andreas Vödisch will eine mobile Werkstatt für alle gründen. Zwei Rechtsanwälte spenden Geld, das ihnen ein Neonazi zahlen musste.

Plauen.

Das Geld stammt aus der rechten Ecke. "Wir spenden braunes Geld für ein buntes Haselbrunn", sagt Strafverteidiger Herbert Posner. 675 Euro hat er der Markus-Kirchgemeinde überwiesen, zusammen mit seinem Kanzleikollegen Thomas Prenzel. Das Geld musste ihm zuvor ein Anhänger der rechtsextremistischen Partei Der dritte Weg zahlen, die in Plauen ihr bundesweit erstes Parteibüro betreibt.

Nach einem Gerichtsverfahren musste der junge Plauener der Rechtsanwaltskanzlei 675 Euro überweisen. Ein Prozess, dessen Vorspiel der Dritte Weg für Propaganda gegen Ausländer genutzt hatte: Im Juni 2017 marschierten dutzende Anhänger in Parteikleidung über die Friedensbrücke und in die Innenstadt hinein. Die Männer in der ersten Reihe trugen ein blutverschmiertes Partei-T-Shirt vor sich her. Ihre Botschaft war, dass sie zu Opfern geworden seien. In der Nacht zuvor war ein heute 21-jähriger Plauener bei einem Tumult auf der Straßberger Straße mit einem Messer verletzt worden. Eine Gruppe des Dritten Weges war dort mit Jugendlichen aus der Plauener Drogenszene in Streit geraten. Zugestochen habe ein Ausländer, hieß es damals. Doch sowohl das Amtsgericht als auch das Landgericht als Berufungsinstanz sprachen den Mann frei, der als Täter angeklagt war. Es handelte sich um einen 20-jährigen Deutschen. Ein Jugendlicher, klein, mit schmalem Gesicht, blasser Haut und schlechten Zähnen. Sein Vater stammt aus Tunesien, die Mutter ist Deutsche. Die Tat konnte man ihm nicht nachweisen. Der Vorsitzende Richter im Landgericht hatte starke Zweifel. Ihm sei unplausibel, dass einer wie er so nahe herangelassen werde an die Gruppe des Dritten Weges, so der Richter am Ende des Prozesses.

Strafverteidiger Herbert Posner hatte den Angeklagten verteidigt und seiner Verteidigervergütung nach dem Freispruch aus der Staatskasse erhalten. Der verletzte Neonazi hatte gleichzeitig im Rahmen des Verfahrens 2000 Euro Schmerzensgeld gefordert. Aber die waren mit dem Freispruch hinfällig und er musste Rechtsanwaltsgebühren an den Verteidiger des Angeklagten zahlen: 675 Euro netto. Auf ihrer Kanzlei-Weihnachtsfeier haben die Juristen beschlossen, das Geld für das Plauener Leser-helfen-Projekt zu spenden. Dabei geht es um den Stadtteil Haselbrunn, der mit Armut und sozialen Problemen zu kämpfen hat. Pfarrer Andreas Vödisch will zusammen mit dem Sozialarbeiter des Markuskellers eine Stadtteil-Werkstatt einrichten. Sie wollen einen Autoanhänger kaufen, ihn mit Werkzeug bestücken und das Ganze als mobile Werkstatt für jedermann bewirtschaften. Die Werkstatt soll zum Anlaufpunkt werden, um zu tüfteln, sich auszutauschen, zusammenzukommen.

Spenden für die Mitmach-Werkstatt können Sie auch direkt überweisen auf folgendes Konto: Verein "Leser helfen", IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40, Stichwort "Hilfe für Mitmach-Werkstatt".


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    9
    Distelblüte
    22.12.2019

    @Tauchsieder: Was finden Sie problematisch, wenn sich zwei Rechtsanwälte entschließen, Geld für eine Leser-Helfen-Aktion zu spenden? Wem spenden Sie?

  • 7
    5
    Hinterfragt
    22.12.2019

    @Distelblüte; Stimmt Lesen bildet!
    Ganz oben steht es ist "braunes" Geld...

  • 9
    7
    Malleo
    22.12.2019

    distel...
    Aus Ihrem Mund, das adelt!
    Wie kommt Frau Müller dann zur Bezeichnung " braunes Geld"?
    Nachdenken und dann schreiben.

  • 8
    10
    Tauchsieder
    22.12.2019

    Erstens "Tauchsieder" "Distel.....", zweitens, wenn dies so ist, ist es um so schlimmer und zeigt dieses Agieren nach Beliebigkeit. Danke für diese aufschlussreiche Information!

  • 10
    10
    Distelblüte
    22.12.2019

    @Tahchsieder, @Malleo, @Hinterfragt, @Lesemuffel: Das Geld stammt ahs einer Strafzahlung des Angeklagten an die Rechtsanwaltskanzlei, wie es am Anfang des Artikels zu lesen ist: "675 Euro hat er der Markus-Kirchgemeinde überwiesen, zusammen mit seinem Kanzleikollegen Thomas Prenzel. Das Geld musste ihm zuvor ein Anhänger der rechtsextremistischen Partei Der dritte Weg zahlen, die in Plauen ihr bundesweit erstes Parteibüro betreibt.
    Nach einem Gerichtsverfahren musste der junge Plauener der Rechtsanwaltskanzlei 675 Euro überweisen."
    Lesen bildet.

  • 9
    16
    Tauchsieder
    22.12.2019

    Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Artikel in der "FP" vom 18.12. -Nazi-Aktion vor der Tafel: Stadt droht mit Ordnungsgeld.
    Hier ist eine Unterstützung nicht erwünscht, auf der anderen Seite wird das Geld aus dieser Richtung gern angenommen. Wie Schizophren ist das denn?
    Die Einen prahlen damit, den Anderen wird ein Ordnungsgeld angedroht. Vielleicht gibt es da ja irgendwelche juristischen Spitzfindigkeiten dies völlig anders zu sehen.

  • 11
    18
    Lesemuffel
    21.12.2019

    Braunes Geld anzunehmen ist unverständlich. Oder wollten diese Advokaten auch mal aus der langweiligen Provinz in die Öffentlichkeit. Die sollten lieber etwas gegen das Entstehen von Armut im reichen (?) Deutschland tun.

  • 13
    7
    Malleo
    21.12.2019

    Hinterfragt.
    Schon der römiche Kaiser Vespasian wußte bei Erheben der Toilettensteuer
    "Pecunia non olet"
    Geld stinkt nicht.
    Auch braunes nicht.

  • 16
    5
    Distelblüte
    21.12.2019

    Ich denke, das Geld ist dort gut angelegt.

  • 9
    17
    Hinterfragt
    21.12.2019

    Was mich wundert, ist, dass das Geld dann auch angenommen wurde.
    Regelmäßig ist ja sonst so, dass wenn die Spende direkt gekommen wäre, diese mit viel medialem TamTam zurückgewiesen worden wäre.
    Ist doch am Ende genau so "braun" ...

  • 6
    6
    Malleo
    21.12.2019

    Gute PR Aktion!
    Wie sieht braunes Geld aus?
    Auch mit Sonnen Tattoo?
    Aber am Ende ist es gut für den Empfänger- und das zählt.

  • 8
    18
    Hinterfragt
    21.12.2019

    Aber bloß die Spendenquittung nicht vergessen, wegen der steuerlichen Gewinnminderung ...

  • 13
    7
    MPvK87
    21.12.2019

    Weltklasse die 2 RA!

  • 15
    8
    kgruenler
    21.12.2019

    Sehr vorbildlich und nachahmenswert! Vielen Dank an Herbert Posner und Thomas Prenzel dafür!