Retter eilen mit 250 PS zu Hilfe

Ein neues Schnellboot gehört zur Flotte der Wasserwacht auf der Talsperre Pöhl. Nicht jeder Einsatz erfolgt aber auf dem Wasser.

Pöhl.

Es mutete beinahe wie eine Vorführung an: Ein gekentertes Segelboot trieb am Freitagabend in Sichtweite der Wasserwacht am Gunzenberg auf dem Pöhler Stausee. Eine Person versuchte, im Wasser der Lage Herr zu werden. Zu dem Zeitpunkt trafen die geladenen Gäste der Bootstaufe ein. Sie sahen, wie das Rettungsteam zu Hilfe eilte. "Das haben wir hier öfter", so Stationsleiter Kay Hansen. Nach dem Einsatz stand dem offiziellen Teil des Abends nichts mehr entgegen.

Kameraden der Pöhler Wasserwacht zogen die Plane vom neuen Motorboot des Herstellers Bayliner. Kurz darauf spritzte zur Taufe der Sekt auf den mehr als sechs Meter langen Rumpf. Die Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Vogtland/Reichenbach, Bianca Zisowsky: "Bayliner ist auch gleichzeitig der Name des Bootes." 250 Pferdestärken reichen für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. Hansen: "Eine Reanimation im Boot ist möglich." Jonas Stiller von der Wasserwacht Sachsen wünschte den ehrenamtlichen Rettern immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. In das neue Boot investierte der Rettungszweckverband Südwestsachsen 45.000 Euro. Dafür wurde ein Boot der Wasserwacht nach 20 Jahren ausgemustert. Aktuell sind drei Rettungsboote auf dem Stausee einsatzbereit. Mit vollem Tempo können sie in fünf Minuten alle Bereiche von Altensalz bis an die Sperrmauer erreichen.

"Die Kameraden behandeln die Boote wir ihr Eigentum", weiß CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Hösl. Er machte sich für die Neuanschaffung stark. Schon vor zwei Jahren habe ihn die Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes auf die Dringlichkeit hingewiesen. Hösl: "Was die Kameraden hier leisten, geht über das Ehrenamt hinaus." An Wochenenden und Feiertagen sind die Wachstationen am Gunzenberg und in Voigtsgrün in der Saison immer zwischen 10 und 18 Uhr besetzt. In den Sommerferien ist täglich jemand vor Ort.

Das neue Boot wurde bereits im Mai zu Wasser gelassen, so Hansen. Wegen der Coronakrise wurde die Taufe in geselliger Runde nun nachgeholt. Trotz der durch die Pandemie verkürzten Saison blickte der 50-jährige Rettungsschwimmer auf ereignisreiche Wochen zurück: "Wir hatten bis jetzt 49 Einsätze." In der Regel werden die Retter von der Leitstelle in Zwickau zum Einsatz gerufen. Schilder mit den wichtigsten Notrufnummern - darunter die der Wasserwacht - sind rund um die um Talsperre verteilt.

Nicht alles spielt sich auf dem Wasser ab. Die Einsatzkräfte leisteten beispielsweise bei Insektenstichen, Herzinfarkt und Verkehrsunfällen erste Hilfe. Neben etlichen Kenterungen geriet auch eine Wassertreter-Besatzung in eine schwierige Lage, so Hansen: "Die haben wir bei Sturm abgeschleppt." Manche Badegäste, Surfer, Segler und Stand-up-Paddler würden die Gefahren unterschätzen. "Viele Segelfreunde haben nicht einmal eine Schwimmweste angelegt", so der Stationschef. Oft beobachtet er Schwimmer, die quer über den See schwimmen: "Da kann ein Krampf in den Beinen sehr gefährlich werden." Zur Ausrüstung der Retter gehören Defibrillatoren, Absauggeräte sowie Funktechnik. Alle zwei Jahre müssen die 25 Aktiven die praktische Rettungsschwimmerprüfung wiederholen. Die Wasserwacht-Saison endet am 13. September.

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