Reusaer Wald ächzt: Harvester schafft Platz für Buche und Eiche

700 Festmeter Holz, vor allem von Fichten, wurden geschnitten. Der Borkenkäfer schädigt Plauens Wald, doch in Reusa entsteht auch etwas Neues.

Plauen.

Die Borkenkäfer-Plage setzt dem Reusaer Wald zu. In mehreren Ecken des von vielen Plauenern genutzten und geschätzten Naherholungsgebietes wurden Schneisen geschlagen. Förster und Waldarbeiter haben mit schwerer Technik Bäume entfernt. Absperrungen warnen Spaziergänger, Jogger, Reiter und Radfahrer vor Baumfällarbeiten. Durch den Einsatz schwerer Holzernte-Technik weisen manche Wege tiefe Furchen auf.

Doch seinen Naherholungswert soll der Reusaer Wald behalten. "Die Hauptwege werden wir zeitnah wieder schick machen", verspricht Forsttechniker Michael Ernst. Stadtförster Steve Fischer und der seit 2016 in Plauener Diensten stehende Michael Ernst müssen sich um 2300 Hektar stadteigenen Wald kümmern und haben durch den Borkenkäfer-Befall alle Hände voll zu tun.

700 Festmeter Holz wurden aus dem Reusaer Wald herausgeholt, das entspricht über den Daumen etwa 700 Bäumen. Weitgehend sind es die von Forstschädling Borkenkäfer befallenen oder vom Sturm umgeknickten Fichten. Auch vertrocknete Bäume werden beseitigt, insbesondere Birken. Der Hitzesommer 2018 hatte sie geschwächt, der trockene Sommer 2019 gab ihnen den Rest. Die Niederschläge der zurückliegenden Wochen konnten daran nichts mehr ändern, erläutert der Forsttechniker.

Es handelte sich bei den aktuellen Arbeiten auch in keinem Fall um geplante Holzernte, sondern ausschließlich um das zur Eindämmung der Borkenkäfer-Plage und zur Pflege des im Umbruch befindlichen Waldes Notwendige.

Zum Einsatz kommt ein Harvester - für den Wald Fluch und Segen zugleich. Denn einerseits geht alles mit einem Holzvollernter rasch, andererseits hinterlässt das 15-Tonnen-Fahrzeug tiefe Spuren. Freie Fahrt gilt übrigens nicht für die Holzerntetechnik: "Es gibt ein System von Rückegassen", erläutert Michael Ernst, zu erkennen an weiß markierten Bäumen. Nur alle 30 Meter darf der Harvester in den Wald hinein fahren, womit der Aktionsradius deutlich eingeschränkt ist. Die Forstleute behelfen sich, indem sie die zu fällenden Bäume in den Zwischenräumen per Kettensäge umlegen und in die richtige Richtung kippen lassen. So kann sie der Harvester ergreifen, entrinden und zurechtschneiden.

Das Holzschlagen ist im stark frequentierten Reusaer Wald schwieriger als anderswo. Viele Nutzer lassen sich trotz der klaren Warnung "Lebensgefahr" auf Schildern und Transparenten nicht von ihrer gewohnten Runde abschrecken. "Das macht uns Sorgen", sagt Michael Ernst. Wer sich wenige Meter entfernt von Baumfällarbeiten aufhält, gefährde sich und andere.

Die Eingriffe an mehreren Ecken verändern den Reusaer Wald. "Es ist schon jetzt kein klassischer Fichtenwald", sagt Michael Ernst. "Der Waldumbau läuft dort seit etwa 15 Jahren." Buchen und Eichen haben sich im Schatten der Fichten gut entwickelt und können jetzt, wenn die Fichten gefällt werden, durchstarten. Innerhalb weniger Jahre wird sich das Areal zu einem Mischwald entwickeln. Einen Anteil von 20 Prozent Fichten soll es auch in Zukunft geben.

Bereits bei der Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg war der Reusaer Wald durchwühlt worden. Befürchtungen, der könnte unter den Folgen dieser Arbeiten und der folgenden Fällungen leiden und womöglich seinen Charakter verlieren, hält Michael Ernst für unnötig. Munitionsbergungsspezialisten hatten die Verdachtsflächen aufwändig abgesucht, denn im Bombenhagel 1944/45 bekam auch Plauens Südosten einiges ab. Bei einem tatsächlichen Bombenfund im Juni 2018 mussten zur Entschärfung und Bergung Wohngebiete im 1000-Meter-Umkreis evakuiert werden.

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