Rummel um den Rummel: Plauen verlangt hohe Platzmiete

Bis Sonntag läuft der größte Rummel des Vogtlands auf dem Festplatz. Einer der Schausteller hat über Nacht aufgebaut, um dabeisein zu können. Aber hinter den Karussells glitzert es nicht nur.

Plauen.

Abends leuchtet es am schönsten. Die bunten Lichter machen aus den Rummel-Buden Budenzauber. Doch die Besucher des Plauener Vogelschießens sind kritisch. Auf Facebook, wo sich gut tuscheln lässt, schreibt nicht nur Kirmes-Jonas Sätze wie diesen: "Ist nicht böse gemeint, aber wenn schon pressewirksam der Veranstalter gewechselt wird, hätte ich mit mehr positiven Veränderungen gerechnet." Fünf Jahre hatte der Mittelsächsische Schaustellerverband aus Chemnitz den Rummel organisiert. Jetzt haben die Schausteller aus Plauen gemeinsam mit der Stadt eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Jahrmärkte managt.

Den Vertrag mit dem Schaustellerverband hatte die Stadtverwaltung auslaufen lassen. Der Verband habe die Erwartungen nicht erfüllt, sagte Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) im Januar. Die Schausteller hätten Standgebühren gezahlt, die nicht zu den Umsätzen passten, hieß es unter anderem. Auch an Werbung hätte mehr laufen können, sagte Peter Hickmann, Schausteller aus Plauen.


Fred Katzschmann ist enttäuscht. Katzschmann, Kassierer des Mittelsächsischen Schaustellerverbandes, hat fünf Jahre lang die Abrechnungen der Plauener Feste gemacht. Die Nebenkosten seien exorbitant: "Vergangenes Jahr haben wir fürs Vogelschießen 12.000 Euro Platzmiete an die Stadt gezahlt. Das ist mit Abstand die höchste Miete, die wir als Veranstalter an eine Stadtverwaltung zahlen." Der Hartmannplatz in Chemnitz, der zentral gelegene Rummelplatz, sei deutlich preiswerter. Gerade ist der Schausteller aus Mittweida wieder mit seinem Kinder-Fahrgeschäft und der Langos-Bude in Plauen. Unterm Strich seien die Nebenkosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen um 226 Euro. Schon in den vergangenen Jahren hätten die Plauener Schausteller den Rummel vor Ort organisiert. Der Verband habe sich um allgemeine Aufgaben gekümmert und die gleiche Summe für Werbung ausgegeben, wie die Plauener Rummel-AG dieses Jahr. "Hier wird ein Sündenbock gesucht", sagt Katzschmann.

Ein Gespräch zwischen der Stadtverwaltung und dem Schaustellerverband über den Fünf-Jahres-Vertrag habe es nicht gegeben. Eine Zeile habe der Verband aus dem Rathaus erhalten: "Der Vertrag wird nicht verlängert." Katzschmann sagt, er hofft immer noch auf einen Gesprächstermin. Im Verband sinniert man darüber, dass die Schaustellerei in Bedrängnis gerate.

Kleine Volksfeste sterben aus. Fred Katzschmann zählt eine Reihe von Städten in Sachsen auf, in denen es keinen Rummel mehr gibt. Und Plauen feiere im Sommerhalbjahr ein Fest nach dem anderen. Dass dort hin und wieder Reitschulen stehen, könne einen gewissen Sättigungseffekt in der Bevölkerung haben. Das Plauener Vogelschießen aufzublasen, davon hält der Schausteller nicht viel: "Wir müssen Feste in der Größe machen, dass sie gesund durchführbar sind." Jeder soll am Ende soviel in der Tasche haben, dass er zufrieden zum nächsten Festplatz fahren kann - und Plauen als Rummelstandort den Kollegen weiterempfiehlt.

Trotz des Rummels hinter der Bühne: Einer der Schausteller hat Nachtschichten gemacht, um beim Vogelschießen zu sein. Sein Fahrgeschäft "Polyp" sieht aus wie eine Riesen-Krake. Er baute Donnerstag in Niedersachsen ab, fuhr nach Plauen und stellte den Polypen auf den Festplatz. Jetzt hofft er auf Budenzauber und zufriedene Kunden.

Bis Sonntag gastiert der Rummel in Plauen. Er öffnet täglich ab 14 Uhr. Am Freitagabend ist Feuerwerk.

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