Ruppertsgrüner Kirchenspitze mit Gold gekrönt und geweiht

Ganz vorsichtig wurden gestern Kreuz und Kugel frisch vergoldet zurück auf den Turm gesetzt. Was kaum jemand weiß: Die Kugel ist eine Zeitkapsel.

Ruppertsgrün.

Vielleicht ist in über 20 Jahren wieder frisches Gold für die Turmspitze der Ruppertsgrüner Kirche fällig. Vielleicht öffnet dann jemand die Kugel unter dem Kreuz. Und findet, was darin verborgen ist: "Freie Presse"-Ausgaben von 1967 und 2018, das aktuelle "Pöhler Blätt'l", ein Gemeindebrief, DDR-Pfennige, Cent- und Euro-Münzen. Seit gestern thront diese Zeitkapsel unter dem kirchlichen Schutzsymbol. Als Pfarrer Dietmar Bräunig gestern früh die glänzende Spitze weihte, atmete der eine oder andere Zuschauer tief durch.

"Ich bin sehr bewegt", sagte Elsbeth Kupfer (80), die in dem Kulturdenkmal aus dem 18. Jahrhundert getauft und konfirmiert worden ist. Genau wie Helgard Weber (67): "Es ist mir eine große innere Freude, das zu erleben", sagte sie. In der goldenen Turmkrönung steckt viel Gemeinschaftsarbeit. "Wir vom Kirchenvorstand haben uns beim Förderprogramm Leader um Geld für eine Sanierung der Kirche bemüht", erklärte Vorstandsvorsitzende Annerose Spießhofer. Im Mai ging es los: "Der Kirchturm war innen morsch geworden. Balken mussten ausgewechselt werden", erläuterte Spießhofer. Danach wurde das Dach neu gedeckt.

Kreuz und Kugel wurden in der Werkstatt der Plauener Restauratorin Sonnhild Müller bearbeitet. "Das Besondere ist das Kreuz", erläutert die Fachfrau. Es sei aus Schmiedeeisen mit vielen filigranen Verzierungen. Drei Wochen lang hieß es für sie: reinigen, abschleifen, Grundierungen auftragen, trocknen lassen und Kreuz und Kugel mit Blattgold "in bester Qualität" versehen.

1996 war das nach Angaben der Gemeinde Pöhl zuletzt geschehen. Gestern transportierten Arbeiter der Plauener Firma Wietzel das etwa 45 Kilo schwere Kreuz, die viel leichtere Kugel und die Schürze mithilfe einer kleinen Hebebühne nach oben. Erst auf dem Turm setzten sie alles zusammen und zupften dann die schützende Watte vom Gold. "Es sind vom Boden aus 26 Meter bis zur Oberkante des Kreuzes", sagte Werner Flach, ebenfalls vom Kirchenvorstand. Das Kreuz selbst ist anderthalb Meter hoch.

Damit ist die Sanierung der Kirche noch nicht vorbei: Die Fassade bekommt frische Farbe, so Spießhofer. Bis zur Kirchweih am 23. September soll alles fertig sein. Veranschlagt sind laut Müller insgesamt 160.000 Euro, die Hälfte kommt aus dem Leader-Programm. Dazu gibt es einen Zuschuss von der Landeskirche. Der Rest soll über Spenden und eigene Haushaltsmittel zusammenkommen. "10.000 Euro müssen wir aufbringen", sagt Spießhofer. "Aber ich denke, das kriegen wir hin."

Spendenkonto der Kirchgemeinde: Volksbank Vogtland, IBAN DE27 8709 5824 5003 0470 00.

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