Sauna-Designer Erdmann und seine kleinen Video-Botschaften

Edelsauna-Bauer Bernd Erdmann ist der Hauptdarsteller seiner eigenen kleinen Videos. Die Clips zeigt er im Internet. Ein Mann, der sich und das Vogtland inszeniert.

Weischlitz.

Vor ein paar Wochen im Globus-Supermarkt. Die Kassiererin sagte, sie müsse ihn jetzt mal drücken wegen seiner herzlichen Filmchen. Da stand sie auf und fiel ihm, der in der Schlange stand, um den Hals, erzählt Bernd Erdmann, 55. Er und die Kassiererin, sie seien Facebook-Freunde.

Der Saunabauer hat fast 5000 Freundschaften in dem Internet-Netzwerk geschlossen. Immer häufiger dreht er mit seinem I-Phone Kurzvideos, die er auf Facebook verbreitet. Manche davon schaffen über 1000 Klicks. Die Filme zeigen ihn im Selfie-Modus. Im Orient, auf dem Semperopernball, bei der Hotel-Eröffnung für geladene Gäste. Das ist der Stoff, aus dem sein Leben besteht. Der Unternehmer erzählt ohne Drehbuch, was ihm durch den Kopf geht. Zum Beispiel, welcher Typ Mensch im Vogtland lebt. Es seien normale Menschen, ein bisschen verrückt und sehr gute Handwerker, erzählt er in die Kamera, während er in Weischlitz in seiner Sauna sitzt. Ja, das sei ungewöhnlich für einen Unternehmer.

"Die Leute mögen Geschichten", sagt Bernd Erdmann. Seine Idee: Er will den Vogtländern die Welt der Edelsauna-Käufer zeigen und den Edelsauna-Käufern das Vogtland. Und er will zeigen, wo auf der Welt das Vogtland Spuren hinterlässt. "Ich erzähle überall, dass ich aus dem Vogtland komme", sagt er. Das sei Werbung für Qualität und mache die Vogtländer stolz.

Gerade hofft er auf einen Auftrag für die nächste Luxus-Jacht. Ein Scheich habe von ihm bereits eine Sauna für sein Boot gekauft, das auf einer Werft in Holland liegt, die Segelmasten 100 Meter hoch. "Die Sauna auf dieser Jacht kommt aus dem Vogtland und der Koch aus Thüringen", sagt er. Ein Video gibt es diesmal nicht. Zu Details habe er eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben müssen.

Für seinen Patriotismus wählten die Leser der "Freien Presse" Bernd Erdmann kürzlich auf Platz drei der Umfrage zu "Vogtländern des Jahres". Erdmann freut sich über den Pokal, den er auf seinen Schreibtisch zu den Golf-Trophäen stellt. Für jemanden vom Dorf sei ein dritter Platz wie ein erster Platz bei so einer Wahl. Zum Dank hat er sein Porträtfoto auf Facebook mit "I love Vogtland" geschmückt.

Etwa 60 Prozent seiner Geschäftskunden hätten noch nie etwas vom Vogtland gehört. Manche würden die Plauener Spitze kennen und Erich Ohser. Regina Zindler und ihr Streit am Maschendrahtzaun, der fast 20 Jahre zurückliegt, der werde überbewertet. "Das haben nur die Vogtländer selbst noch in den Köpfen", sagt er. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Geschäft. Die billigsten Saunen verkauft er für 5000 Euro, die teuersten für 100.000 Euro. Neuerdings bekomme er mehr Aufträge aus dem Osten des Landes. Aber dann doch eher aus Dresden statt Plauen.

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