Schmidts Spagat: CDU-Chef zwischen Zenner und Eckardt

Die Union hat ihren Mann zur OB-Wahl gekürt und dennoch womöglich zwei Bewerber. Der CDU-Stadtchef will Zusammenhalt nach innen und klare Kante nach außen.

Plauen.

Noch lässt CDU-Stadtrat Ingo Eckardt offen, ob er zur Oberbürgermeisterwahl am 13. Juni 2021 antreten wird. Nach der parteiinternen Niederlage am 19. Oktober gegen Kultur-Bürgermeister Steffen Zenner stecke er noch "in einer persönlichen Findungsphase", erklärte der 49-Jährige am Montag in einem Pressegespräch der Plauener CDU. Voraussichtlich im Januar werde er sich entscheiden, ob er gegen seinen Parteifreund Steffen Zenner, gegen die von den Grünen unterstützte unabhängige Kandidatin Silvia Queck-Hänel und möglicherweise weitere Bewerber für das höchste Amt der Stadt kandidieren will.

Auf eines jedoch legt sich der CDU-Stadtrat und Kauschwitzer Ortsvorsteher fest. "Ich würde als Einzelkandidat antreten." Aufgekommene Mutmaßungen, dass er sein ambitioniertes Ziel mit Freien Wählern oder AfD-Unterstützung umsetzen wolle, wies er zurück. Er sei von einer Reihe von Leuten gefragt und zur Kandidatur ermuntert worden, darunter Unternehmer und Verwaltungsmitarbeiter. Parteipolitisch legte sich Ingo Eckardt fest: "Ich habe immer die CDU als meine politische Heimat betrachtet."

Wie geht man mit einem Widersacher um, der trotz parteiinterner Nominierungsentscheidung womöglich als Gegenkandidat antritt? "Keine einfache Situation", sagt Plauens Stadtverbandsvorsitzender Jörg Schmidt und räumt ein: "Da muss ich mir viel anhören." Auch für Ingo Eckardt sei die Situation "ein Spagat". So oder so: OB Ralf Oberdorfer (FDP) habe sich durchaus Verdienste für Plauen erworben, doch nach 21 Jahren Amtszeit "ist es Zeit für neue Ideen und frische Impulse", betonte Schmidt.

Die Union setze ganz klar auf Steffen Zenner. Und dennoch lässt Jörg Schmidt seinen Fraktionssprecher nicht fallen. "Wir erleben ein Auseinanderdriften in der Gesellschaft", argumentiert er und sieht die Parteien als Spiegelbild dieser Entwicklung. "Meine Aufgabe ist es, die Lager innerhalb der CDU zusammenzuführen", betont Schmidt und definiert die Grenze. Sollte Ingo Eckardt für eine andere Partei antreten, "wäre Schluss mit lustig".

Inhaltlich will Plauens CDU-Chef das Profil einer konservativen Volkspartei mit verschiedenen Strömungen schärfen - und dahin, so hofft er, sollte sich auch die Bundes-CDU entwickeln. "Klarer in der Sache sein", formuliert Schmidt den Anspruch. Deshalb will er auch beim virtuellen Parteitag der CDU am 16. Januar Friedrich Merz wählen. Das hätte er auch ohne das Votum der Vogtland-CDU für den Kantigsten aus dem Bewerber-Trio so getan. Ebenso hält der Stadtverbandsvorsitzende wenig von einer Frauenquote in der Union. "Die Qualifikation sollte entscheiden", sagt Schmidt.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    3
    kgruenler
    30.12.2020

    Herr Schmidt will also den Herrn Merz wählen. Den „Kantigsten“. Denjenigen, dem es nur um maximalen Profit, Gewinnmaximierungen und Lobbyinteressen geht. Dem Menschen, soziales Wohlergehen und gerechter Umgang miteinander völlig egal sind. Und Herr Schmidt traut Herrn Eckardt zu, dass dieser für eine andere Partei antritt, obwohl der CDUlicher als die CDU ist.
    Herr Schmidt tritt sicher auch mal wieder zu Wahlen an. Man sollte sich merken, was Herr Schmidt hier so äußert und sich dann gut überlegen, wo man künftig sein Kreuz macht.
    Herr Eckardt hat sowieso keine Chance als Oberbürgermeister und ob er Herrn Zenner Stimmen klaut, wage ich zu bezweifeln. Da schon eher die Kandidatin Frau Queck-Hänel. Das wäre mal ein Signal und der Wunsch von Herrn Schmidt, das „Die Qualifikation entscheiden sollte“ wäre da auch erfüllt.