Schnelles Internet für ganz Plauen

Die Stadtwerke verlegen Glasfaser in den ländlichen Bereichen. Beim Tempo ihres Anschlusses sind die bislang Letzten künftig die Ersten. Umgekehrt aber auch.

Plauen.

Die rote Laterne beim Internet in Plauen hängt in Kauschwitz. Davon ist zumindest Ortsvorsteher Ingo Eckardt fest überzeugt. Sobald in den vergangenen Jahren im Stadtrat darüber orakelt wurde, wo man am langsamsten Daten aus dem weltweiten Netz herunterladen kann, nannte Eckardt seinen Ortsteil. Widersprechen konnte oder wollte ihm keiner.

Internet im Schneckentempo: Damit ist es in Kauschwitz bald vorbei. Und nicht nur dort. Die Stadtwerke Strom Plauen verlegen ab kommendem Jahr in den ländlichen Ortsteilen 130Kilometer Glasfaserkabel. Die Kosten liegen bei rund 10Millionen Euro. Allerdings muss das kommunale Unternehmen das nicht komplett aus eigener Tasche zahlen. 70Prozent sind Fördermittel von Bund und Land.

"Wir verlegen dort die Glasfaserkabel bis an jedes Haus", kündigt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kober an. Dadurch können die Nutzer künftig mit mindestens 100Megabit pro Sekunde Daten herunterladen. Wer Youtube-Videos angucken oder Streaming-Dienste wie Netflix nutzen will, für den langt das dicke. "Wir können auch höhere Geschwindigkeiten anbieten", so Kober. "Selbst 1Gigabit ist möglich."

Doch für Privathaushalte ist dies nach Kobers Einschätzung völlig überdimensioniert. Bei Firmen sehe das schon anders aus. Diese können bis zu 10 Gigabit pro Sekunde bekommen. Da auch im Gewerbegebiet Oberlosa Glasfaserleitungen verlegt werden, liegt so etwas durchaus im Bereich des Möglichen.

Insgesamt bekommen ab dem Frühling rund 3500Haushalte Glasfaser. Das klingt viel. Aber 2016 hatten die Stadtwerke in der Innenstadt 22.000 Haushalte angeschlossen. Mehr Kunden auf einer kleinen Fläche, das bedeutet: bessere Verdienstmöglichkeiten. Damit sich die ländlichen Gebiete für das kommunale Unternehmen trotzdem finanziell lohnen, fließen die Fördermittel. Bis Mitte 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein. Aber auch dann wird es noch große Teile von Plauen geben, in denen die Stadtwerke keine Glasfaserkabel verlegt haben. "Dort liegen jetzt schon mindestens 30Megabit an", begründet dies Peter Kober. "Deshalb gab es für diese Gebiete keine Fördermittel." 30 Megabit - bislang war das für Plauen ein ziemlich guter Wert. Künftig ist es woanders deutlich besser. Die (jetzt) Letzten werden die Ersten sein. Und umgekehrt.

"Vielleicht gibt es irgendwann ein neues Förderprogramm, mit dem auch diese Gebiete erschlossen werden", so Stadtwerke-Geschäftsführer Kober. Doch das ist bislang noch Zukunftsmusik. Zunächst startet die Erschließung der ländlichen Gebiete Plauens. "Da stehen viele Tiefbauarbeiten an", so Peter Kober. Dennoch werden sich die Verkehrseinschränkungen seiner Einschätzung nach im Rahmen halten. Teilweise könne man die Kabel beispielsweise unter Gehsteigen verlegen.

"Für Kauschwitz ist das eine Riesensache", freut sich Ortsvorsteher Ingo Eckardt. "Im Augenblick sind es regulär 765 Kilobit, also weniger als ein Megabit." Das Glasfaserkabel sei da ein enormer Fortschritt. Und zwar beileibe nicht nur wegen Youtube und Co. Eckardt: "Wir haben Gewerbetreibende, die Zeichnungen über das Internet verschicken. Wir brauchen in Kauschwitz das schnelle Internet so rasch wie möglich."


Wichtige Fragen:

Wohne ich innerhalb des Gebiets mit Glasfaser?

Die nebenstehende Grafik zeigt, wo Leitungen verlegt werden. Auf der Online-Präsenz der Stadtwerke kann man unter dem Link "Multimedia" bis zu seinem Zuhause zoomen.

Was kostet mich der Anschluss?

Die Stadtwerke schließen jedes Haus kostenlos an. Wer diesen Anschluss nutzen will, um ins Internet zu gehen, muss aber einen Vertrag abschließen.

Muss ich einen Vertrag mit den Stadtwerken abschließen?

Jeder kann sich auch einen anderen Anbieter suchen. Dieser muss dann eine Gebühr an die Stadtwerke zahlen, weil er deren Leitungen nutzt.

Und wer gar keinen Anschluss will?

Dann wird man nicht angeschlossen. Wenn man später dann doch einen Anschluss will, geht das auch nachträglich - aber nicht mehr kostenlos.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare
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  • 2
    0
    sk8n5urf
    04.09.2018

    Schade nur, dass andere Anbieter die neuen Leitungen nicht nutzen können. Bei mir und anderen Gebieten die seit 2016 schon durch die Stadtwerke ausgebaut und mit 100 MBit/s erschlossen worden, sind über andere Anbieter wie bei 1&1, Vodafone und Telekom nicht mehr als 16 MBit/s drinn. Man ist also gezwungen, zu den Stadtwerken zu wechseln. Warum andere Anbieter die Leitungen der Stadtwerke nicht mitbenutzen dürfen, wie es eigentlich üblich ist, ist für mich nicht Nachvollziehbar. Warscheinlich muss wohl erst jeder einzelne Anbieter seine "eigenen" Glasfaserkabel verlegen, damit diese auch ihren Kunden schnelles Internet anbieten können. Es ist zwar schön, dass Glasfaserkabel vor meinem Haus liegen, ich diese aber nicht mitbenutzen kann, weil ich 1&1-Kunde bin. Und so wird es noch vielen anderen in Plauen gehen. Beim Strom ist das alles viel besser. Da kann ich frei entscheiden ob ich Strom von den Stadtwerken beziehen möchte oder Strom eines anderen Anbieters der mehrere hundert km entfernt seinen Sitz hat. Schade eigentlich.



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